• 10.02.2011, 10:56:16
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Banken müssen im Zahlungsverkehr umrüsten

Wien (OTS) - BCG-Studie: Regulatorische Vorgaben, verschärfter
Wettbewerb und sich wandelnde Kundenanforderungen schmälern Erträge
und Gewinne im Zahlungsverkehr - Wesentlicher Erfolgsfaktor im
Retail- und Wholesale-Zahlungsverkehr wird bestmögliche Abstimmung
zwischen Geschäfts- und Operatingmodell

2010 erwirtschafteten Banken weltweit Erträge von rund 590
Milliarden US-Dollar im Zahlungsverkehr - das entspricht einem
Rückgang von durchschnittlich jährlich sieben Prozent seit Ende 2008.
Um dem Abwärtstrend entgegenzuwirken und einen nachhaltigen
Wachstumskurs ein-zuschlagen, müssen sich Banken an die umfassenden
Veränderungen in diesem Geschäftsbereich - der in der Regel ein
Drittel bis zur Hälfte ihrer Gesamterträge ausmacht - anpassen. Zu
diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie Global Payments 2011:
Winning After the Storm der Boston Consulting Group (BCG) zum
weltweiten Zahlungsverkehr.

Die BCG-Studie, die zum zehnten Mal in Folge erscheint, analysiert
das Retailgeschäft für einzelne Regionen weltweit sowie das
Firmenkundengeschäft aus globaler Perspektive. Sie definiert
Einnahmen aus dem Zahlungsverkehrsgeschäft als direkte und indirekte
Einnahmen aus Zahlungsdienstleistungen, inkl.
transaktionsspezifischer Einnahmen sowie Karten- und Kontogebühren
und Margen von laufenden Konten.

"Das traditionell starke Zahlungsverkehrsgeschäft hat in den
letzten Jahren, vor allem durch sinkende Margen, deutliche Schwächen
gezeigt. Wenngleich sich viele Bereiche derzeit wieder erholen,
müssen Banken prüfen, ob ihre Geschäftsmodelle sowie die
dahinterliegenden Operatingmodelle sich auch in einem gewandelten
Branchenumfeld bewähren", erklärt Niclas Storz, BCG-Partner und
Mitautor der Studie. Dabei könnten unterschiedliche Strategien für
verschiedene Kundensegmente und unterschiedliche Märkte zielführend
sein - abhängig von der Reife des Zielmarktes hinsichtlich
Infrastruktur und Entwicklungsstand des Zahlungsverkehrs. In jedem
Fall müssten Banken, die ihr Zahlungsverkehrs-geschäft ausbauen
wollen, die organisatorische Komplexität reduzieren.

"Der Zahlungsverkehr ist für die Banken ein zu wichtiges Geschäft,
um untätig zu bleiben", sagt Storz. "Wir erwarten, dass der weltweite
Zahlungsverkehr bis 2020 eine Größe von 782 Billionen US-Dollar in
unbaren Transaktionen sowie Einnahmen von 492 Milliarden US-Dollar
ausmachen wird."

Von 2010 bis 2020 - so prognostiziert die BCG-Studie - werden die
Erlöse pro Transaktion jedoch von 0,75 US-Dollar auf 0,57 US-Dollar
im inländischen Zahlungsverkehr sowie von 3,62 US-Dollar auf 2,93
US-Dollar im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr fallen. Im
westeuropäischen Zahlungsverkehrmarkt werden dabei die niedrigsten
Erlöse pro Transaktion erzielt; diese werden bis 2020 von aktuell
0,58 US-Dollar auf durchschnittlich 0,29 US-Dollar sinken.

Retail-Zahlungsverkehr zeigt regionale Unterschiede -
Wachstumschancen bieten sich insbesondere in der Region Asien-Pazifik
Im europäischen Geschäft mit Retailkunden - Privatverbrauchern sowie
kleinen und mittleren Unternehmen - fielen die Einnahmen,
hauptsächlich durch sinkende Erträge aus Konten getrieben, von 173
Milliarden US-Dollar Ende 2008 auf 136 Milliarden US-Dollar Ende
2010. Zukünftig müssen Banken die strukturellen Unterschiede im
europäischen Zahlungsverkehr berücksichtigen. In Westeuropa muss ihr
Fokus dank der hochentwickelten Produkte und reifen Infrastrukturen
der einzelnen Märkte auf der intelligenten Ausgestaltung der
Operatingmodelle liegen - Effizienzen spielen dabei die zentrale
Rolle. In Zentral- und Osteuropa hingegen wird es erfolgskritisch
sein, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, um Wachstumschancen
proaktiv zu nutzen und neue Geschäftsfelder zu besetzen; Effizienzen
in den Operatingmodellen spielen dabei eine nachgelagerte Rolle.

In den USA sanken die Gesamterträge im Zahlungsverkehr von Ende
2008 bis 2010 um jährlich durchschnittlich vier Prozent - trotz
konstanter Werte der Zahlungsströme und eines durchschnittlichen
jährlichen Volumenzuwachses von drei Prozent. Die Gesamteinnahmen
werden 2011 voraussichtlich wieder steigen, aber rund sechs Prozent
unter dem Höchstwert von 2007 von 162 Milliarden US-Dollar
zurückbleiben. Das Vorkrisenniveau, so die Prognose der BCG-Studie,
wird auf absehbare Zeit nicht wieder erreicht werden; Ursache dafür
sind regulatorische Veränderungen bei Einnahmen aus dem
Zahlungsverkehr. Darüber hinaus werden neue Finanzregeln - wie der
"Credit Card Accountability Responsibility and Disclosure Act" (CARD)
von 2009 sowie Änderungen bei der "Regulation E and the Durbin
Amendment"- einen wesentlichen Effekt auf das US-Zahlungsgeschäft in
den kommenden Jahren ausüben. Banken im US-amerikanischen Markt
werden in den kommenden Jahren sowohl bei Geschäfts- als auch bei
Operatingmodellen vor große Herausforderungen gestellt werden. Der
traditionelle, auf Kreditkarten fokussierte "Monoliner"-Ansatz wird
zunehmend durch einen kontozentrierten Ansatz ersetzt werden müssen.

In der Region Asien-Pazifik befindet sich das
Retail-Zahlungsverkehrsgeschäft auf kontinuierlichem und unbegrenztem
Wachstumskurs. Dennoch müssen Banken ihre Geschäfts- und
Operatingmodelle so zuschneiden, dass sie Wachstumsvorhaben mit
Effizienzzielen vereinen. Die Heterogenität der Region zwingt Banken
zu maximaler Flexibilität bei Geschäfts- und Operatingmodellen. In
reifen Märkten sollten sich Banken auf Bestandskunden konzentrieren,
um ihre Marktanteile auszuweiten, indem der Nutzen von
Zahlungsdienstleistungen für Kunden und Händler weiter verbessert
wird. In den Schwellenländern der Region zeigt sich ein anderes Bild:
"Das Wachstum in aufstrebenden Märkten wird durch die Gewinnung neuer
Kunden, die bislang keine Finanzdienstleistungen nutzen, sowie den
rapiden Infrastrukturausbau elektronischer Zahlungssysteme und
innovativer Lösungen wie Mobile Payments getrieben", erläutert Niclas
Storz. "Ausschlaggebend sind nicht zuletzt veränderte
Zahlungsgewohnheiten und präferenzen - vor allem bei den sogenannten
'Digital Natives' und Verbrauchern, die von ländlichen Gegenden in
die Städte ziehen."

Firmenkundengeschäft wächst bis 2020 auf 119 Milliarden US-Dollar

Auch nach der Finanz- und Wirtschaftskrise bleibt der
Zahlungsverkehr, insbesondere im Firmenkundengeschäft, eine
bedeutende Ertragsquelle für die Banken: Einnahmen aus dem
Firmenkundengeschäft werden nach Prognose der Studie von Ende 2010
bis 2020 durchschnittlich um neun Prozent pro Jahr wachsen; die
Einnahmen werden sich demnach von 64 Milliarden US-Dollar auf 119
Milliarden US-Dollar nahezu verdoppeln. Dennoch gilt es auch in
diesem Bereich Hürden zu überwinden. Eine klare Kundensegmentierung
und die Fokussierung des Serviceangebots auf diese Segmente werden
für die Geschäftsmodelle von entscheidender Bedeutung sein, um die
unterschiedlichen Bedürfnisstrukturen von national versus global
operierenden Firmenkunden bedienen zu können. Bei den
Operatingmodellen werden vor allem die lokale Verankerung in den
Märkten sowie organisatorische Fragestellungen im Vordergrund stehen.
Unterschiedliche Abteilungen innerhalb der Banken -
Firmen-kunden-Vertrieb, Produktspezialisten sowie Operations- und
IT-Experten - sind aufeinander abzustimmen, um dem Zahlungsverkehr
höchste Priorität einzuräumen. Dies kann eine diffizile Aufgabe sein,
insbesondere da diese Abteilungen in den meisten Fällen
unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen angehören. Im
Wholesale-Zahlungsverkehr müssen Banken daher ihre Kernzielmärkte -
mit Blick auf Produktsegmente sowie auf einzelne Regionen - besser
definieren, um Kunden einen reibungslosen Service über
unterschiedliche Kanäle und Regionen hinweg zu ermöglichen.

The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale
Managementberatung und weltweit führend auf dem Gebiet der
Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen
und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr
Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In
partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG
individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige
Wettbewerbsvorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des
Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu
verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist
heute an 71 Standorten in 41 Ländern vertreten. Das Unternehmen
befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. In
Deutschland und Österreich erwirtschaftete BCG im Jahr 2009 mit 865
Beraterinnen und Beratern einen Umsatz von 418 Millionen Euro. Für
weitere Informationen: www.bcg.at.

Rückfragehinweis:

The Boston Consulting Group 
   Katharina Sacken
   Marketing Manager
   Tel. +43 / 1 / 537 56 - 8163
   e-mail: [email protected]
   www.bcg.at

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