Geschäftsklima in Mittelosteuropa hellt sich weiter auf

Direktinvestoren bewerten sowohl die Geschäftslage als auch die zukünftige Geschäftsentwicklung in MOE etwas günstiger / Investitionsvorhaben sind weiterhin von Zurückhaltung geprägt

Wien (OTS) - Laut aktueller Erhebung des Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa setzt sich der kontinuierliche Aufwärtstrend des Geschäftsklima-Indikators, der seit Mitte 2009 zu beobachten ist, auch im Jänner 2011 fort. Das konjunkturelle Umfeld wird sich nach Ansicht der Direktinvestoren in den kommenden zwölf Monaten ebenfalls verbessern, wenn auch kein dynamischer Wirtschaftsaufschwung erwartet wird. Die Expansionsfreude ist nach wie vor gedämpft.

Die rund 400 MOE-Headquarters, die von Österreich aus ihre 1.400 Unternehmensbeteiligungen steuern, zeigen sich in Hinblick auf den aktuellen Geschäftsgang ihrer Betriebe in Mittelosteuropa überwiegend zufrieden. Für 43% der Niederlassungen vor Ort wird die momentane Situation als positiv eingestuft, während für 16% eine schlechte Performance gemeldet wird. Der daraus resultierende Saldenwert (positive abzüglich negativer Meldungen) liegt 5 Prozentpunkte über dem Vergleichswert, den der Indikator der Aktuellen Geschäftslage in der letzten Erhebung aufwies. Auch bei der Beurteilung der Zukunftsperspektiven ihrer MOE-Betriebe sind die Direktinvestoren im Jänner 2011 zuversichtlicher: Der Indikator der Geschäftserwartungen klettert von +36 Prozentpunkten im Oktober 2010 auf einen aktuellen Wert von +41. Insgesamt hellt sich das Geschäftsklima in der Region damit weiter auf. Der entsprechende Indikator erreicht den aktuellen Ergebnissen zufolge den höchsten Wert seit Juli 2008.

Zur Info-Grafik

http://www.oekb.at/de/osn/DownloadCenter/information-services/OeKB-In
fografik-GKI-02-2011.pdf

Erschließung neuer Märkte momentan nicht vorrangig

Der Eintritt in neue Märkte wird von den Direktinvestoren derzeit nicht als prioritäres Ziel ihrer Investitionspolitik in Mittelosteuropa erachtet. Die Zahl der Neuinvestitionsvorhaben ist im Jänner deutlich zurückgegangen: Waren vor dem Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise im Jänner 2008 noch 146 Projekte zur Markterschließung geplant, liegt die diesbezügliche Vergleichszahl drei Jahre später bei lediglich 27. Auch in Bezug auf ihre Erweiterungspläne für bestehende Standorte verfolgen die Erhebungsteilnehmer keine allzu offensive Strategie. Konkret sollen vier von fünf Standorten in den kommenden zwölf Monaten unverändert beibehalten werden. Für 17% der MOE-Niederlassungen ist ein weiterer Ausbau geplant, wohingegen 3% verkleinert bzw. geschlossen werden sollen. Obwohl die Direktinvestoren somit mehrheitlich an ihrer Präsenz in der Region festhalten, zeigen sie sich bei ihren Expansionsvorhaben in neue Märkte vorsichtig.

Überraschend positive Konjunkturaussichten für die Ukraine

Hinsichtlich der Konjunkturentwicklung für die Gesamtregion Mittelosteuropa erwarten die Direktinvestoren für die kommenden zwölf Monate eine leichte Verbesserung. Auf Länderebene lassen sich jedoch markante Unterschiede feststellen. Bemerkenswert ist vor allem das große Vertrauen in einen wirtschaftlichen Aufschwung der schwer krisengeschüttelten Ukraine: 59% der Erhebungsteilnehmer rechnen mit einer Verbesserung der konjunkturellen Lage, wohingegen kein einziger der Befragten von einer Verschlechterung ausgeht. Für kein anderes Land haben sich die Einschätzungen im Jänner so stark verbessert wie für die Ukraine. Lediglich für Russland weist der Konjunkturindikator per Saldo einen höheren Wert auf, wobei hier der Optimismus im Vergleich zur Oktober-Erhebung ein wenig nachgelassen hat. Etwas vorsichtiger als noch vor drei Monaten wird zudem die wirtschaftliche Entwicklung in der Slowakei sowie in den Balkanländern Serbien, Montenegro und Kroatien bewertet.

Bulgarien hängt Rumänien beim Geschäftsklima ab

Auffallend ist im Ländervergleich auch die unterschiedliche Entwicklung des Geschäftsklima-Indikators für die beiden jüngsten EU-Mitgliedsstaaten Bulgarien und Rumänien. Wurde das Geschäftsklima im Oktober 2010 per Saldo noch in etwa gleich gut bewertet, so sind die Direktinvestoren im Jänner 2011 für Bulgarien deutlich zuversichtlicher als für Rumänien: Der entsprechende Indikator steigt für ersteres Land um 19 Prozentpunkte, für letzteres nur um 7 Prozentpunkte. Ausschlaggebend dafür ist in erster Linie eine bessere Geschäftslage in Bulgarien, aber auch etwas optimistischere Geschäftsperspektiven für die Betriebe vor Ort. Die Wirtschaft des Landes wird aufgrund der Exportstärke und Budgetdisziplin derzeit von den Wirtschaftsforschern für stabiler befunden als jene Rumäniens. Diese Einschätzung spiegelt sich ganz offensichtlich auch in den zuversichtlicheren Stellungnahmen der dort tätigen Direktinvestoren wider.

Entgegengesetzte Entwicklungen bei Banken und Versicherungen

Eine nähere Betrachtung der aktuellen Ergebnisse auf Branchenebene zeigt insbesondere am Finanzsektor ein uneinheitliches Bild. Während die Zufriedenheit der Versicherungen mit der Aktuellen Geschäftslage zu Jahresbeginn 2011 im Vergleich zum Oktober sinkt (Rückgang des Indikators um 24 Prozentpunkte), stufen die Banken ihre momentane Performance wieder positiver ein (+12 Prozentpunkte). Auch beim Blick in die Zukunft verhalten sich die beiden Finanzdienstleistungssparten unterschiedlich. Die Versicherungsunternehmen schrauben ihre Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate nach oben, die Banken beurteilen ihre Zukunftsperspektiven hingegen wieder etwas vorsichtiger. Insgesamt herrscht in der Versicherungswirtschaft zwar noch das bessere Geschäftsklima, das Bankwesen hat jedoch in der aktuellen Erhebung gegenüber der Oktober-Erhebung merklich aufgeholt.

Stimmungstief in der Energie- und Wasserversorgungswirtschaft

Die Abwärtsentwicklung, die sich zuletzt bei allen Indikatoren für die Energie- und Wasserversorgungswirtschaft abzeichnete, setzt sich auch im Jänner 2011 fort. Erneut trübt sich das Geschäftsklima in der Branche deutlich ein, was hauptsächlich auf eine Zurücknahme bei den Geschäftserwartungen zurückzuführen ist. Auch hinsichtlich der Konjunkturerwartungen sind die Energie- und Wasserversorger zu Jahresbeginn 2011 wesentlich pessimistischer als noch im Oktober. Dennoch zieht derzeit kaum ein Unternehmen der Branche den Abbau seiner MOE-Präsenz in Betracht: Lediglich 2% der Niederlassungen sollen künftig verkleinert bzw. geschlossen werden. Aus der Sicht der Energie- und Wasserversorger ist Mittelosteuropa ein Markt mit riesigem Wachstumspotenzial, für den es sich - trotz schwieriger Zeiten - lohnt, fest verankert zu bleiben.

Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa(MOE) basiert auf vierteljährlichen Primärerhebungen unter rund 400 Entscheidungsträgern von MOE-Headquarters mit Sitz in Österreich, die zu rund 1.400 ihrer Unternehmensbeteiligungen in Mittelosteuropa befragt werden. Erhoben werden die Einschätzungen der Direktinvestoren zur Aktuellen Geschäftslage sowie deren Erwartungen hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den Unternehmensbeteiligungen vor Ort (Geschäftsklima), Expansions- und Investitionsstrategien der Unternehmen in MOE, Beurteilungen der Standortqualität Österreichs als Brückenkopf für das Mittelosteuropa-Geschäft und schließlich Einschätzungen zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung in der Region.

Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa bietet differenzierte Analysen nach Ländern, Branchen und Unternehmensgrößen. Als Ergebnis stehen der Wirtschaft Frühindikatoren zur Verfügung, die praxisnahe Aussagen und Prognosen u.a. über den Geschäftserfolg von Direktinvestoren in einzelnen Ländern Mittelosteuropas bzw. in der Gesamtregion ermöglichen.

Über die OeKB

Die Oesterreichische Kontrollbank Aktiengesellschaft (OeKB) ist Österreichs zentraler Finanz- und Informationsdienstleister für Exportwirtschaft und Kapitalmarkt. Ihre speziellen Services stärken den Standort Österreich und unterstützen die Wirtschaft im globalen Wettbewerb. Die vielfältigen Dienstleistungen stehen Unternehmen und Finanzinstitutionen sowie Einrichtungen der Republik Österreich zur Verfügung.

Die OeKB handelt sektorübergreifend, zentral, neutral und in Übereinstimmung mit ihrer Nachhaltigkeitspolitik. Das 1946 gegründete Spezialinstitut steht im Eigentum österreichischer Banken. www.oekb.at

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Wolfgang Lueghammer
Oesterreichische Kontrollbank AG (OeKB)
Information Services
Tel. +43 1 531 27-2568
wolfgang.lueghammer@oekb.at

Mag. Verena Ebner
Oesterreichische Kontrollbank AG (OeKB)
Information Services
Tel. +43 1 531 27-2560
verena.ebner@oekb.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OKB0001