- 08.02.2011, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Eiszeit für Österreicher in Russland - von Andre Exner
Das Potenzial ist in Bukarest genauso hoch wie in Moskau
Wien (OTS) - Ursprünglich wollte Strabag-Chef Hans Peter
Haselsteiner bereits mit den Olympischen Winterspielen in Sotschi im
kommenden Jahr ein Milliardengeschäft machen. Jetzt sieht es danach
aus, dass nicht einmal die Fußball-WM in Russland 2018 Mega-Aufträge
für die Strabag bringen dürfte. Erst zwei Jahre später soll Russland
zu einem signifikanten Markt für Österreichs größten Baukonzern
werden - wobei die Jahreszahl 2020 heute irgendwie ein bisschen wie
Sankt-Nimmerleins-Tag klingt. Denn bis dahin rinnt noch viel Wasser
die Wolga hinunter. Selbst der "sibirische Graf von Monte Christo",
Michail Chodorkowski, kommt früher aus dem Gefängnis als die Strabag
Milliardenaufträge in Russland sieht. Bis 2020 gibt es in Russland
noch zwei Präsidentschafts- und drei Parlamentswahlen und
höchstwahrscheinlich ein anderes Machtgefüge als heute. Denn nicht
nur in Ägypten und Tunesien, auch in Russland steigen die
Lebensmittelpreise zu schnell.
Aber die Strabag ist nicht das einzige Unternehmen in Österreich, das
sich vor einigen Jahren noch als künftiger Mega-Player in Putins
Reich wähnte. Von der Bank bis zum KMU, vom Top-Manager vom Schlage
eines Boris Nemsic bis zum BWL-Studenten mit Wahlfach Russisch: Sie
alle wollten den russischen Bären tanzen lassen. Die Realität sieht
anders aus. Ganz sicher ist die Krise ein Grund dafür - aber eben nur
ein Grund. Die russische Mentalität ist nun mal eine ganz andere. Nur
weil man mit dem CEO eines Kreml-Konzerns einmal eine feuchtfröhliche
Party feiert, wird man noch lange kein Milliardengeschäft in Russland
machen.
Haselsteiner probt jetzt mit einer Beteiligung an einem kremlnahen
Unternehmen einen Neustart. Man kann ihm nur gutes Gelingen wünschen
und hoffen, dass es ihm besser gelingt als dem britischen Ölkonzern
BP mit seinem russischen Joint Venture TNK-BP.
Alle anderen sollten kürzer treten und von Russland nicht zu viel
erwarten. Die Fantasie mag intakt sein, doch auch das Risiko ist
nicht zu unterschätzen. Und das ist das Schöne an diesem Punkt im
Wirtschaftszyklus, knapp nach einer großen Krise: Man muss nicht mehr
unbedingt das höchste Risiko auf dem am weitesten entfernten Markt in
Osteuropa sich nehmen, um höhere Renditen als daheim zu
erwirtschaften. Denn nach mehr als zwei Jahren Stillstand ist der
Aufholbedarf, und damit das Potenzial in Bratislava oder Bukarest
genauso hoch wie in Moskau - und die naheliegendesten Ost-Märkte für
Österreich sind nun mal jene Länder in CEE, am Balkan oder in Asien,
wo unsere Zuwanderer herkommen.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
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