- 02.02.2011, 18:30:11
- /
- OTS0256 OTW0256
WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Privatisierung ja, aber nicht auf österreichisch - von Robert Lechner
Der Staat muss sich auf die Sperrminorität zurückziehen
Wien (OTS) - Nicht alles, was unternehmerisch schiefgeht, passiert
im Bereich der öffentlichen Hand. Gerade die jüngste
Wirtschaftsgeschichte beweist das eindrucksvoll. Die vielen Hoppalas
in der an aufgeblasenen Projekten und Persönlichkeiten nicht armen
Immobilienwirtschaft sind dafür ebenso imposante Beispiele wie der
Absturz des einstigen Parade-Industriellen und Staatskritikers Mirko
Kovats. Daraus ein generelles Versagen marktwirtschaftlicher
Ordnungen abzuleiten, wäre freilich zu kurz gegriffen. Insofern kommt
der gestern gegebene Anstoß zu weiteren Privatisierungen in
Österreich nicht ungelegen. Leicht wird es aber nicht, Volk und
Finanzmärkte von den Meriten zu überzeugen.
Der bittere Beigeschmack, den die letzte große Privatisierungsperiode
unter Schwarz-Blau hinterlassen hat, ist immer noch viel zu präsent.
So ist mittlerweile klar, dass an die Börse gebrachte
Telekom-Konzerne vor allem als Melkkuh für Spezies des seinerzeitigen
Finanzministers dienten.
Die Post wiederum wurde bis vor Kurzem als Spielwiese für
Gewerkschafter missbraucht. Aufgefallen ist das Unternehmen oft
weniger durch eine sattelfeste Strategie denn durch Konflikte
zwischen roten und schwarzen Arbeitnehmervertretern. Zumindest in der
Post stehen die Zeichen aber auf Besserung.
Als - im Sinne einer soliden betriebswirtschaftlichen Entwicklung -
komplett gescheitert geht die Teilprivatisierung des Wiener
Flughafens in die Historie ein. Mit Schwarz-Blau hat das
Airport-Desaster zwar nichts zu tun. Aber wie sich zeigt, ist eine
Privatisierung durch Verschiebung der Anteile vom Bund zu den Ländern
kein praktikables Modell. Zumindest dann, wenn der börsenotierte
Konzern in landespolitische Geiselhaft genommen wird. Was für ein
Glück ist es da aus Investorensicht, dass der Börsegang der
oberösterreichischen Energie AG platzte.
Der bisherige Weg, Unternehmen so zu privatisieren, dass sie zwar an
der Börse notieren, aber die politischen Pfründe abgesichert sind,
ist gescheitert. Als Ausweg bleibt nur der klare Schnitt. Das heißt
die Reduktion auf eine Sperrminorität der öffentlichen Hand von 25
Prozent. Eine naive Vorstellung, wie man als gelernter Österreicher
weiß. Finanziell lukrativ und auch nachhaltig wäre sie aber. Gemäß
Wifo würde ein Rückzug des Staates auf jeweils ein Viertel der
Anteile bis zu 25 Milliarden Euro bringen. Das Budget würde damit um
jährliche Zinszahlungen von bis zu 300 Millionen Euro entlastet.
Mittel, die dringend für Bildung und Universitäten nötig wären, um
die Zukunft der Jungen zu sichern.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB






