- 30.01.2011, 19:36:23
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Nahe Osten könnte sich bald weit entfernen" (Von Gil Yaron)
Ausgabe vom 31.01.2011
Graz (OTS/Pressestimmen) - Der Hohn war unverhohlen: Samstag
Vormittag hat die Islamische Republik Iran noch eine Holländerin
gehängt, weil sie an Protesten teilgenommen hatte. Am Nachmittag
hielt der Sprecher des Außenministeriums Ägypten dazu an,
"Zurückhaltung zu üben und die legitimen Rechte des Volkes zu
respektieren".
In Teheran, wo nach der Wahlforschung von 2009 Hunderte auf den
Straßen ermordet wurden und kürzlich noch etwa zwei Personen täglich
gehängt wurden, ist die Schadenfreude groß. Die Rebellion in Ägypten
schwächt nämlich den wichtigsten Bündnispartner der Erfeinde USA und
Israel. Auch Extremisten in Gaza und Beirut frohlcoken. Sie haben
allen Grund dazu.
Noch ist unklar, wer in Kairo die Macht an sich reißen wird. Mubarak
könnte es gelingen, noch Monate im Amt zu blebien. Doch eines ist
sicher: Nichts wird sein wie zuvor.
Im Verteidigungsministerium in Tel Aviv bereitet man sich auf eine
Welt nach Mubarak vor, steht doch an Israels Südgrenze die elftgrößte
Armee der Welt. Bisher kooperierte die schlagkräftigste Streitmacht
Arabiens mit den USA, doch jedes neue Regime, das nicht von einem
Mann aus Mubaraks Umfeld geführt wird, wird diese Politik kaum
fortsetzen. Israels Armee wäre im Augenblick nicht imstande, einer
Bedrohung durch rund 950.000 Soldaten, 561 moderne Kampfflugzeuge und
2100 Panzer Paroli zu bieten, erklärten Militärs gestern besorgt.
Einen direkten Krieg gegen Israel halten aber auch sie vorerst für
unwahrscheinlich.
Wahrscheinlich ist jedoch ein wachsender Einfluss der Muslimbrüder.
Sie würden Ägypten in eine ähnliche Richtung treiben wie Erdogan die
Türkei.
Das wäre nicht nur für Israel ein Problem. Es gibt bereits erste
Hinweise dafür, wie der Nahe Osten aussähe, in dem Kairo für
Extremisten ein Auge zudrückt. Erst gestern flüchten mehrere Anführer
der Hamas aus ägpytischen Gefängnissen durch Tunnel in den
Gazastreifen. Wo Menschen durchpassen, passen auch mannshohe Raketen
durch. War die Hamas bisher isoliert, gewänne sie bei einer
Islamisierung Ägyptens eine Schutzmacht. Die pragmatische Führung der
Palästinenser in Ramallah hingegen bliebe ohne den Deckmantel Kairos
allein. Sie wäre ausschließlich vom Westen abhängig. Jeder
Fortschritt im Friedensprozess wird damit unmöglich.
Ein neuer Kurs in Ägypten verteilt die Karten in Naost von Neuem.
Kooperiert Kairo künftig eng mit der Türkei und dem Iran, würde der
US-Einfluss und jener Europas auf null reduziert. ****
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