- 28.01.2011, 13:52:49
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Bünker fordert Anrechenbarkeit ehrenamtlicher Tätigkeiten
Auftakt zum "Jahr des Ehrenamtes" in der evangelischen Kirche - "Freiwillige können nicht alles auffangen, was der Staat nicht mehr zahlen will"
Wien (OTS/epdÖ) - Eine prinzipielle Anrechenbarkeit der von
Ehrenamtlichen geleisteten Arbeit fordert der evangelisch-lutherische
Bischof Michael Bünker. Der Staat könne jedenfalls auf die
ehrenamtliche Arbeit Tausender von rund 15 Millionen Stunden pro Jahr
nicht verzichten; auch könnten Freiwillige nicht alles auffangen, was
der Staat nicht mehr zahlen will, sagte Bünker bei einer
Pressekonferenz zum Auftakt des "Jahres des Ehrenamtes", das die
evangelische Kirche österreichweit für heuer ausgerufen hat.
"Der internationale Vergleich zeigt deutlich, dass jene Länder mit
einer hohen Rate an Ehrenamtlichkeit zugleich jene Länder mit der
höchsten Sozialstaatlichkeit sind", so Bünker. "Wer durch Sparpakete
die Sozialbereiche herunterfährt, fährt auch das Ehrenamt herunter.
Anders gesagt: Ehrenamt muss man sich leisten können."
Die evangelische Kirche habe mit ihrer unlängst beschlossenen
"Ordnung für die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen" auf diese Tatsache
reagiert und den Ehrenamtlichen kontinuierliche fachliche und
persönliche Begleitung und Beratung, geeignete Infrastruktur und etwa
auch die familiengerechte Betreuung von Kindern während des
ehrenamtlichen Einsatzes zugesagt.
"Schule gelebter Demokratie"
Weiters bietet die Kirche den Ehrenamtlichen Versicherungsschutz
und professionelle Fortbildung. Dazu wird derzeit an einer
"Evangelischen Ehrenamtsakademie" gearbeitet, die eine
"österreichweite Qualifizierung und möglicherweise Zertifizierung
anbieten und damit Standards in den Handlungsfeldern des kirchlichen
Ehrenamtes sicherstellen wird".
Im Jahr 2011, das die EU zum "Jahr der Freiwilligenarbeit" erklärt
hat, will die evangelische Kirche ihren Fokus auf die öffentliche
Würdigung Ehrenamtlicher sowie auf Maßnahmen zur Professionalisierung
des Ehrenamtes richten. Rund 20.000 Menschen sind derzeit in den
Pfarrgemeinden und Einrichtungen der Kirche freiwillig aktiv. Ohne
ihre Unterstützung gäbe es die Kirche in ihrer heutigen Gestalt
nicht, ist der Bischof überzeugt. Durch die gleichberechtigte
Einbindung Ehrenamtlicher sei außerdem die evangelische Kirche zu
einer "Schule gelebter Demokratie" geworden. Bünker unterstrich, dass
gerade für den Staat ehrenamtliche Arbeit unerlässlich sei. Müsste
dieser die Aufgaben der Ehrenamtlichen übernehmen, käme das "sehr
teuer". Insofern gebühre diesen Freiwilligen mehr Anerkennung und
Beistand seitens der Politik sowie der Bürgerinnen und Bürger.
Mit dem "Sonntag des Ehrenamts" am 30. Jänner werden
Pfarrgemeinden auf die Arbeit der Ehrenamtlichen aufmerksam machen.
In den Gottesdiensten wird auch der Hirtenbrief des Bischofs
verlesen, in dem er auf das "Jahr des Ehrenamtes" eingeht. Weitere
Akzente in dem Jahr sollen - neben zahlreichen Aktivitäten auf
lokaler und diözesaner Ebene - ein Frühjahrskongress im April unter
dem Titel "Evangelisch engagiert - begeistert im Ehrenamt" sein, eine
österreichweite PfarrerInnen-Tagung zum Thema "Zusammenarbeit von
Haupt- und Ehrenamtlichen" sowie - als Höhepunkte - die für den
Herbst vorgesehenen Gemeindevertretungs- und Gremienwahlen. Bünker:
"Unser Wunsch ist es, möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, sich
bei den Wahlen zu engagieren und sich für die nächste
Funktionsperiode zur Verfügung zu stellen."
Die evangelische Kirche könne gar nicht ohne Ehrenamtliche
funktionieren, betonte auch die stellvertretende Landeskuratorin
Gerhild Herrgesell, die ehrenamtlich der gesamtösterreichischen
Kirchenleitung angehört. Jeder und jede Geistliche in der Kirche habe
ein weltliches Gegenüber. "Diese Struktur ist manchmal etwas mühsam,
sie bringt aber sehr viel Spannung im positiven Sinn", so Herrgesell.
Die Struktur schaffe Bodenhaftung und ermögliche neue Zugänge, denn
alle Ehrenamtlichen in der Kirche haben oder hatten einen Beruf und
würden ihre spezifischen Erfahrungen mitbringen.
Dank an Familie und Freunde
"Was ich mir wünsche, ist, dass es ein Recht auf 'Bildungstage'
gibt. Arbeitnehmer sollten keine Nachteile erfahren, wenn sie sich
Tage für die Fortbildung freinehmen. Es sollte eine Anrechnung geben
auf die Pensionszeit und eine wirklich gute Dokumentation der
geleisteten ehrenamtlichen Arbeit für die Zivilgesellschaft, etwa für
Bewerbungen", fordert Susanna Hackl, Vorsitzende der Evangelischen
Frauenarbeit im Burgenland, und seit vielen Jahren auf verschiedenen
Ebenen der Kirche ehrenamtlich aktiv.
Der ehrenamtliche Polizeiseelsorger Wiens und Lektor Stefan
Kunrath, ebenfalls "seit unzähligen Jahren" freiwillig in der
kirchlichen Arbeit tätig, bedankte sich bei Angehörigen von
Ehrenamtlichen: "Ein Dank geht mir ab: der Dank an die Angehörigen
der vielen freiwilligen Helfer und Helferinnen. Denn man muss
bedenken, dass Familie und Freunde oft verzichten müssen auf jene,
die ehrenamtliche Arbeit leisten."
Rückfragehinweis:
epdÖ
Dr. Thomas Dasek
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
mailto:[email protected]
http://www.evang.at
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