- 27.01.2011, 19:45:57
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Supersaubermann fällt vom hohen Ross" (von Eva Weissenberger)
Ausgabe vom 28.01.2011
Graz (OTS) - Die Justizministerin wünscht sich, man möge
Karl-Heinz Grasser "von seinem hohen Ross herunterholen". Plumps -
und schon liegt er unten. Wie das? Er selbst ließ sich fallen.
Grasser gestand der Finanz, dass er - als Finanzminister! - Steuern
in der Höhe von etwa 18.000 Euro hinterzogen hätte. Das ist wenig
gegen die Millionen, mit denen seine Stiftungen herumjonglieren; ein
Bettel gegen die Millionen, die seine diversen Freunde bei diversen
Privatisierungen erbeutet haben; eine Mezzie gegen den Preis, zu dem
die Republik unter Minister Grasser die Eurofighter bestellt hat.
Umso schlimmer für ihn. 18.000 Euro über Jahre verteilt bedeuten
nicht viel für einen Minister, kinderlos und Mitte dreißig, der
15.000 Euro brutto im Monat verdient. Aber es ist ein Haufen Geld für
normale Steuerzahler. Es sind die geringen Beträge, die scheinbar
nichtigen Anlässe, die das Volk nicht verzeiht. Bei Grassers
Finanzkonstruktionen steigt offenbar nicht einmal die
Korruptionsstaatsanwaltschaft durch. Unter 18.000 Euro kann sich
jeder etwas vorstellen. Dafür bekommt man einen besseren Kleinwagen.
Wie kam der vermeintliche Supermann eigentlich auf sein hohes Ross?
Steigbügelhalter war die FPÖ. Dann ist er, sehr geehrte Frau
Justizministerin, die Sie auch im ÖVP-Team arbeiten, dann ist er vier
Jahre lang auf dem Rappen geritten. Grasser galoppierte nicht nur
kurz vorne mit. Er war sieben Jahre lang Finanzminister der Republik,
für den damaligen Kanzler Wolfgang Schüssel "sicher einer der
besten", die es je gab. Vor vier Jahren wäre er fast ÖVP-Obmann
geworden.
Wie konnte die Volkspartei diesem Mann vertrauen? Ja, er behauptete
stets, er habe ein "supersauberes Gewissen". Erst vorgestern schrieb
er in einem offenen Brief, er habe "immer und ausschließlich im
Interesse unseres Landes gehandelt". Und, gut, Haarschnitt und
G'schau erinnern mitunter an Lady Diana.
Aber Hinweise auf Grassers wahren Charakter gab es schon zu dessen
Amtszeit zuhauf: die steuerfreie Homepage; sündteure "Roadshows",
organisiert von einem Spezi; Urlaub auf den Malediven, bezahlt von
einem anderen Freund, der als solcher super Einkünfte für fragliche
Leistungen hatte; Anzüge, gesponsert vom amerikanischen
Nobelschneider; und, und, und.
Die ÖVP freute sich über den Wahlsieg 2002, den ihr Grasser
bescherte, und schaute weg.
Für die Volkspartei gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung -
wie für alle anderen Genannten in allen Fällen und überhaupt.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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