"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Supersaubermann fällt vom hohen Ross" (von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 28.01.2011

Graz (OTS) - Die Justizministerin wünscht sich, man möge Karl-Heinz Grasser "von seinem hohen Ross herunterholen". Plumps -und schon liegt er unten. Wie das? Er selbst ließ sich fallen.

Grasser gestand der Finanz, dass er - als Finanzminister! - Steuern in der Höhe von etwa 18.000 Euro hinterzogen hätte. Das ist wenig gegen die Millionen, mit denen seine Stiftungen herumjonglieren; ein Bettel gegen die Millionen, die seine diversen Freunde bei diversen Privatisierungen erbeutet haben; eine Mezzie gegen den Preis, zu dem die Republik unter Minister Grasser die Eurofighter bestellt hat.

Umso schlimmer für ihn. 18.000 Euro über Jahre verteilt bedeuten nicht viel für einen Minister, kinderlos und Mitte dreißig, der 15.000 Euro brutto im Monat verdient. Aber es ist ein Haufen Geld für normale Steuerzahler. Es sind die geringen Beträge, die scheinbar nichtigen Anlässe, die das Volk nicht verzeiht. Bei Grassers Finanzkonstruktionen steigt offenbar nicht einmal die Korruptionsstaatsanwaltschaft durch. Unter 18.000 Euro kann sich jeder etwas vorstellen. Dafür bekommt man einen besseren Kleinwagen.

Wie kam der vermeintliche Supermann eigentlich auf sein hohes Ross? Steigbügelhalter war die FPÖ. Dann ist er, sehr geehrte Frau Justizministerin, die Sie auch im ÖVP-Team arbeiten, dann ist er vier Jahre lang auf dem Rappen geritten. Grasser galoppierte nicht nur kurz vorne mit. Er war sieben Jahre lang Finanzminister der Republik, für den damaligen Kanzler Wolfgang Schüssel "sicher einer der besten", die es je gab. Vor vier Jahren wäre er fast ÖVP-Obmann geworden.

Wie konnte die Volkspartei diesem Mann vertrauen? Ja, er behauptete stets, er habe ein "supersauberes Gewissen". Erst vorgestern schrieb er in einem offenen Brief, er habe "immer und ausschließlich im Interesse unseres Landes gehandelt". Und, gut, Haarschnitt und G'schau erinnern mitunter an Lady Diana.

Aber Hinweise auf Grassers wahren Charakter gab es schon zu dessen Amtszeit zuhauf: die steuerfreie Homepage; sündteure "Roadshows", organisiert von einem Spezi; Urlaub auf den Malediven, bezahlt von einem anderen Freund, der als solcher super Einkünfte für fragliche Leistungen hatte; Anzüge, gesponsert vom amerikanischen Nobelschneider; und, und, und.

Die ÖVP freute sich über den Wahlsieg 2002, den ihr Grasser bescherte, und schaute weg.

Für die Volkspartei gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung -wie für alle anderen Genannten in allen Fällen und überhaupt.****

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