- 27.01.2011, 18:30:12
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Im Namen der Ehre und des Gesetzes - von Esther Mitterstieler
Vergütung von Top-Managern anders regeln
Wien (OTS) - Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel
Interpretationsspielraum das Gesetz in diesem Land jeden Tag aufs
Neue bietet. Man mag zum Verfahren gegen OMV-Chef Wolfgang
Ruttenstorfer wegen Insiderhandels stehen, wie man will. In seltener
Eile wurde da ein Verfahren durchgezogen, das nicht zu Unrecht die
Vermutung einer politisch gesteuerten Henkerpartie aufkommen lässt.
Sonst hätte Ruttenstorfer vielleicht einigen auch noch als
ÖIAG-Vorstand auf die Nerven gehen können.
Wer wegen Insiderhandels unter Verdacht steht, hat keine weiße Weste
mehr. Umso schlimmer, wenn er dazu eine 20.000-Euro-Strafe von der
Finanzmarktaufsicht aufgebrummt bekommt. Und die Schlinge um den Hals
wird immer enger. Das ist der Stoff, aus dem billige Schlagzeilen
entstehen. Beide Seiten reklamieren das Recht für sich ein.
Ruttenstorfer hat ungeschickt gehandelt, öffentlich anzukündigen,
eben jenes OMV-Aktienpaket an der ungarischen MOL bis Jahresende
2009 zu halten, um es ein paar Tage später doch an die russische
Surgutneftegas abzugeben. Fakt ist aber auch laut namhafter
Rechtsexperten: Es war alles rechtens. Schön ausschauen tut das Ganze
trotzdem nicht.
Machen wir einen kleinen Blick in die Historie, die sich leider in
die Gegenwart hinübergerettet hat: Wo ist die Justiz eigentlich bei
anderen glamourösen Fällen wie Immofinanz, Buwog oder Libro
angekommen? Wie lange hat sie gebraucht, um die AvW genauer zu
untersuchen? Bisher hat es eine einzige rechtskräftige Verurteilung
wegen Insiderhandels gegeben - 2004 gegen einen Drucker der BWT.
Ansonsten haben sich alle durch Diversion freigekauft. Von wegen
Optik.
In Wahrheit kann man nur einige Grundbemerkungen dazu anstellen, weil
letztendlich die Justiz entscheiden muss. Eine Lösung könnte sein,
das gesamte Vergütungssystem für Manager neu zu ordnen, sprich: Kein
Manager darf mehr Aktien von seinem eigenen Unternehmen kaufen. Das
würde automatisch die Vorstandsgagen in die Höhe treiben. Die andere
Seite der Medaille: Immer wieder wird gefordert, dass der Vorstand
sich zu seinem Unternehmen bekennen und gerade deswegen Aktien
desselben besitzen soll. Da geht es allenfalls um ein schlecht
geratenes Perpetuum mobile. Diesen Knäuel aufzulösen wäre eine schöne
Aufgabe für die Politiker aller Couleur.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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