WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Im Namen der Ehre und des Gesetzes - von Esther Mitterstieler

Vergütung von Top-Managern anders regeln

Wien (OTS) - Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Interpretationsspielraum das Gesetz in diesem Land jeden Tag aufs Neue bietet. Man mag zum Verfahren gegen OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer wegen Insiderhandels stehen, wie man will. In seltener Eile wurde da ein Verfahren durchgezogen, das nicht zu Unrecht die Vermutung einer politisch gesteuerten Henkerpartie aufkommen lässt. Sonst hätte Ruttenstorfer vielleicht einigen auch noch als ÖIAG-Vorstand auf die Nerven gehen können.

Wer wegen Insiderhandels unter Verdacht steht, hat keine weiße Weste mehr. Umso schlimmer, wenn er dazu eine 20.000-Euro-Strafe von der Finanzmarktaufsicht aufgebrummt bekommt. Und die Schlinge um den Hals wird immer enger. Das ist der Stoff, aus dem billige Schlagzeilen entstehen. Beide Seiten reklamieren das Recht für sich ein. Ruttenstorfer hat ungeschickt gehandelt, öffentlich anzukündigen, eben jenes OMV-Aktienpaket an der ungarischen MOL bis Jahresende 2009 zu halten, um es ein paar Tage später doch an die russische Surgutneftegas abzugeben. Fakt ist aber auch laut namhafter Rechtsexperten: Es war alles rechtens. Schön ausschauen tut das Ganze trotzdem nicht.

Machen wir einen kleinen Blick in die Historie, die sich leider in die Gegenwart hinübergerettet hat: Wo ist die Justiz eigentlich bei anderen glamourösen Fällen wie Immofinanz, Buwog oder Libro angekommen? Wie lange hat sie gebraucht, um die AvW genauer zu untersuchen? Bisher hat es eine einzige rechtskräftige Verurteilung wegen Insiderhandels gegeben - 2004 gegen einen Drucker der BWT. Ansonsten haben sich alle durch Diversion freigekauft. Von wegen Optik.

In Wahrheit kann man nur einige Grundbemerkungen dazu anstellen, weil letztendlich die Justiz entscheiden muss. Eine Lösung könnte sein, das gesamte Vergütungssystem für Manager neu zu ordnen, sprich: Kein Manager darf mehr Aktien von seinem eigenen Unternehmen kaufen. Das würde automatisch die Vorstandsgagen in die Höhe treiben. Die andere Seite der Medaille: Immer wieder wird gefordert, dass der Vorstand sich zu seinem Unternehmen bekennen und gerade deswegen Aktien desselben besitzen soll. Da geht es allenfalls um ein schlecht geratenes Perpetuum mobile. Diesen Knäuel aufzulösen wäre eine schöne Aufgabe für die Politiker aller Couleur.

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0002