EU eröffnet formell Private Lagerhaltung von Schweinefleisch

EU-Kommission will deutliches Zeichen für Marktstützung senden

Brüssel (OTS/aiz.info) - Der zuständige EU-Verwaltungsausschuss fasste heute, Donnerstag, in Brüssel den formellen Beschluss mit den Details zur Eröffnung der Privaten Lagerhaltung für Schweinefleisch. Die Verordnung der Kommission wird voraussichtlich am Freitag oder Samstag im Amtsblatt der EU veröffentlicht und tritt drei Tage danach, also nächste Woche, in Kraft. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos verkündete seine Bereitschaft zur Eröffnung dieser marktstabilisierenden Maßnahme Anfang der Woche im Agrarministerrat, nachdem zahlreiche Mitgliedstaaten, darunter auch Österreich, vertreten durch Nikolaus Berlakovich, Hilfen für den als Folge des Dioxin-Skandals in Deutschland noch stärker als zuletzt schon unter einem Preisverfall leidenden Schweinemarkt gefordert haben. Zudem bringt eine starke Verteuerung der Futtermittel als Folge des aktuellen Getreidepreis-Hochs die Margen der Schweineproduzenten zusätzlich unter Druck. "Die Kommission legt Wert darauf, ein klares Zeichen für die Unterstützung des Marktes auszusenden", so eine Mitteilung von Ciolos' Behörde.

Laut Angaben von Johann Schlederer, Chef der heimischen Schweinebörse, sei der Schweinepreis in Österreich seit Jahresbeginn bis zur Vorwoche um rund 14% auf EUR 1,21 pro kg Schlachtkörpergewicht verfallen, in Deutschland sogar um 23,6% auf EUR 1,07. "Spottbillige Ware" aus Deutschland und verunsicherte internationale Märkte wegen des Dioxin-Skandals hätten auch den Preis in Österreich gedrückt.

Zuschüsse je nach Lagerdauer und Fleischkategorie

Unternehmen, die Schweinefleisch auf eigene Kosten und eigenes Risiko entweder drei, vier oder und fünf Monate lagern, erhalten demnach von der EU Lagerkostenbeihilfen gestaffelt nach Zeitraum und Fleischkategorie, das heißt für den jeweiligen Zuschnitt. So beträgt der Lagerkostenzuschuss pro Tag und t für die Kategorie 1 (Schweinehälften) 74 Cent, für Kategorie 2 (Schinken) 65 Cent, Kategorie 3 (Schultern) 67 Cent, Kategorie 4 (Karree) 65 Cent und Kategorie 5 (Bäuche) 66 Cent sowie Kategorie 6 ("Middles") 73 Cent. Nach der Auslagerung gelangt das Schweinefleisch wieder auf den Binnenmarkt oder kann auch schon nach zwei Monaten für den Export bestimmt werden. Sollten es die Marktlager erfordern, kann die Kommission weiters den Einlagerungszeitraum verlängern. Die Mitgliedstaaten - in Österreich die Agrarmarkt Austria AMA -übermitteln der Kommission jeden Montag und Donnerstag bis 12.00 Uhr die eingelangten Anträge auf Lagerkostenzuschüsse für das Zuschlagsverfahren. Die Antragsteller müssen eine Sicherheit von 20% des beantragten Zuschusses hinterlegen. Als Mindestmengen pro Antrag wurden 10 t entbeintes und 15 t anderes Schweinefleisch festgesetzt.

Kein Budget- und Mengenrahmen

Laut Kommission gebe es keinen Budget- und Mengenrahmen für diese Maßnahme. Aus der Erfahrung der letzten derartigen Marktstützung 2007/08 ließen sich Kosten von etwa EUR 37 Mio. pro 100.000 t Schweinefleischlagerung ableiten, wobei jedoch noch die zwischenzeitliche Änderung der Zinsniveaus und Wechselkurse zu berücksichtigen sei.

Kommission ergreift bei Bedarf weitere Maßnahmen - Expertengruppe schon fixiert

Die Kommission bekräftigte weiters, den Markt weiterhin sehr genau verfolgen zu wollen und bei Bedarf weitere Maßnahmen zu ergreifen. So gab Ciolos etwa beim Rat die Einrichtung einer High Level-Arbeitsgruppe auf Expertenebene an, die sich mit möglichen Versicherungssystemen sowie mit der Absatzförderung in Drittländern befassen soll. Außerdem sollen weitere Marktmanagement-Maßnahmen für Krisenzeiten von der Expertengruppe angedacht und erarbeitet werden, um diese in die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) einfließen zu lassen. Zusammensetzen soll sich die Expertengruppe aus Branchenvertretern des beratenden Ausschusses und den nationalen Fachbeamten des Verwaltungsausschusses. Die erste Sitzung der Arbeitsgruppe wird schon am 08.02. in Brüssel stattfinden. (Schluss) pos

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