- 27.01.2011, 09:53:02
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Europa versus China: Unser Ass ist die Kreativität - von Wolfgang Unterhuber
Was können die Euro-päer vom Aufstieg Chinas lernen?
Wien (OTS) - Westlicher Individualismus contra asiatische
Kollektivkultur: Das ist eines der zentralen Themen auf dem
Weltwirtschaftsforum in Davos. Laut Handelsblatt ist fast jede zweite
Führungskraft in Deutschland davon überzeugt, dass sich künftig
asiatische Normen durchsetzen werden. Unter asiatisch-fernöstlichen
Werten verstehen die Manager strenge Erziehungssysteme, primär aber
staatlichen Dirigismus in der Wirtschaft und unfaire
Geschäftspraktiken. Wenn in Davos von Asien die Rede ist, so meint
man China. Die neue große (Wirtschafts-)Macht, um die heute niemand
mehr herumkommt.
Was für eine Ironie der Geschichte. Mitte des 19. Jahrhunderts
öffneten die imperialistischen Europäer den isolierten chinesischen
Markt mit Waffengewalt. Eineinhalb Jahrhunderte später zwingen die
Chinesen den westlichen Konzernen lächelnd ihre Geschäftspraktiken
auf. Die westliche Autoindustrie darf auch 30 Jahre nach der
Öffnungspolitik nur in Gemeinschaftsunternehmen produzieren. Gewisse
Sparten - wie der chinesische Windkraft-Markt, der über ein
gigantisches Wachstumspotenzial verfügt - bleiben westlichen Firmen
verschlossen. Und dass die Chinesen große Kopierweltmeister sind, ist
hinlänglich bekannt.
Das alles wird natürlich als unfair und ungerecht betrachtet. Ganz
so, als würde bei uns im Westen nicht abgekupfert, lobbyiert und
getrickst. Eine Debatte über Werte an den Geschäftspraktiken der
Chinesen festzumachen, kann also gehörig nach hinten losgehen.
Die Frage ist eine andere. Was kann der Westen, im Speziellen Europa,
aus dem Aufstieg Chinas lernen? Zunächst sollten wir uns von der
Arroganz befreien. Zu glauben, dass sich andere Kulturkreise an
unsere gesellschaftsmoralischen Vorstellungen zu orientieren haben,
ist Unsinn. Die Chinesen denken etwa nicht im Traum daran, uns ihre
Normen überzustülpen.
Europa sollte seine Kräfte bündeln. Es hat eine Vielzahl von
sozialpolitischen und wirtschaftlichen Erfolgsmodellen - die
österreichische Sozialpartnerschaft ist übrigens eines davon -, die
sich großflächig anwenden lassen. Und dann sollten wir die große
Stärke des westlichen Individualismus ausspielen: die Kreativität.
Hier ist Europa noch immer stark. Auch oder gerade in der Wirtschaft,
wenngleich dort alle Kreativität zuletzt nur auf das Senken von
Kosten fokussiert wurde. Europa muss die Herausforderung gegen China
annehmen und sich immer wieder mit neuen Technologien und mit neuem
Wissen bewaffnen.
Rückfragehinweis:
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