• 24.01.2011, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Neue Abenteuer des Raumschiffs Sarkozy - von Michael Laczynski

Frankreichs Präsident legt bewundernswerten Tatendrang an den Tag

Wien (OTS) - Die Weltpolitik, unendliche Weiten. Wir schreiben das
Jahr 2011. Dies sind die Abenteuer von Nicolas Sarkozy, der mit
seiner 65 Millionen Mann starken französischen Besatzung ein Jahr
lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neue ökonomische
Modelle und und neue multilaterale Abkommen. Viele Lichtjahre von
Paris entfernt dringt Sarkozy in Themenbereiche vor, die nie ein
Politiker zuvor gesehen hat.

Wer die Karriere von Nicolas Sarkozy mitverfolgt, weiß, dass der Mann
in seinen besten Momenten einen Tatendrang an den Tag legt, um den
ihn selbst James T. Kirk beneiden könnte. Wie der furchtlose Kapitän
aus der TV-Serie "Raumschiff Enterprise" stürzt sich der französische
Staatschef kopfüber ins Geschehen, greift Ideen von links und rechts
auf, verspricht große Reformwürfe - und scheitert allzu oft am
Kleinkram des Tagesgeschäfts. Um keine Missverständnisse aufkommen zu
lassen: Der Autor dieser Zeilen hat großen Respekt vor den Leistungen
des Monsieur Sarkozy. Selbst eine kleine Dosis seines hemdsärmeligen
Charmes würde in der verschnarchten politischen Landschaft
Österreichs Wunder bewirken. Manchmal überkommt einen dennoch das
Gefühl, dass Sarkozy die Grenzen des Möglichen überschreitet.

Ein aktuelles Beispiel ist die gestrige Präsentation der Schwerpunkte
der einjährigen französischen G8- und G20-Präsidentschaft:
Frankreichs dynamischer Staatschef will bis Jahresende die
Rohstoffmärkte regulieren, China zur Aufwertung des Yuan bewegen, die
Verwaltung des Internets reformieren, eine Finanztransaktionssteuer
durchsetzen und ein neues internationales Währungssystem konzipieren
- bei der letztgenannten Denkaufgabe soll immerhin Deutschland
mithelfen.

Es ist eine imposante Liste mit wichtigen Themen. Ob sie sich
umsetzen lässt, steht auf einem anderen Blatt. In Peking mag Sarkozys
Elan unter Umständen Wirkung zeigen. Doch die Rohstoffmärkte lassen
sich davon mit Sicherheit nicht beeindrucken. Französischer
Savoir-vivre kann gegen das Gesetz von Angebot und Nachfrage wenig
ausrichten.

Doch zurück zum letzten Punkt der französischen
Präsidentschaftsagenda. Der Rückgriff auf die deutsche Kompetenz
zeigt, dass es noch eine Gemeinsamkeit zwischen Nicolas Sarkozy und
James T. Kirk gibt. Dem Kapitän der "Enterprise" zur Seite steht
nämlich Mister Spock, der emotionslose und überkorrekte Erste
Offizier, dessen Hauptaufgabe es ist, Kirk auf den Boden der Realität
zurückzuholen.

Und Sarkozy? Er hat Angela Merkel.

Rückfragehinweis:
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