WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Chance auf einen echten Neustart am Flughafen - von Robert Lechner

Die Macht einzelner Politgünstlinge wurde erheblich gestutzt

Wien (OTS) - Seit Jahren gibt es erstmals gute Nachrichten zum Megaprojekt in Wien Schwechat. Wie sich anlässlich einer Begehung der Baustelle zeigte, herrscht im Skylink derzeit nicht nur gespielte Umtriebigkeit. Es geht tatsächlich etwas weiter. Momentan werden pro Monat mehr als elf Millionen Euro verbaut. Ab Februar bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2012 werden es monatlich 15 Millionen Euro sein. Keine Angst, das Geld fließt in handfeste Dinge wie Haustechnik inklusive Lüftung und Verkabelung, Innenausbau mit tausenden Gipskartonplatten. Und bei den künftigen Andockstellen der Flugzeuge sind auch schon technische Finessen wie elektronische Einparkhilfen zu erkennen.

Positiv ist dabei auch die neue Offenheit zu vermerken, die offenbar vom interimistischen Flughafen-Chef Christoph Herbst ausgeht. Diese Einstellung, gepaart mit dem Willen, das Unternehmen neu aufzustellen, ist die Chance auf einen echten Neustart für den durch interne Turbulenzen gebeutelten Konzern. Die neue Geschäftsordnung im Vorstand legt nämlich eines nahe: Die Zeit, in der vor allem prononcierte Politgünstlinge bevorzugt wurden, neigt sich dem Ende zu. Der eigentlich starke Mann ist ab sofort nämlich Gerhard Schmid. Schmid hat zwar eine astreine SP-Nähe, weil er einst Sekretär von Bürgermeister Helmut Zilk war. Kenner attestieren ihm aber, dass er politische Spielchen, wenn überhaupt, nur sehr dezent betreibt. Im Vordergrund steht bei ihm das Fachliche, sagen Insider. Gut also, dass der Mann künftig für fast drei Viertel des Flughafen-Umsatzes verantwortlich ist. Die Macht von Vorstandskollegen und Ex-Landespolitiker Ernest Gabmann ist künftig im Wesentlichen auf die Vergabe von Shop-Flächen beschränkt. Ein Job, der eigentlich bereits im Jahr 2007 von der Beratungsfirma AT Kearney erledigt wurde. Wenn man sich an die Ergebnisse der Consulter hält, kann nicht mehr viel schiefgehen. Vorstands-Boss Herbst hat zudem ein ambitioniertes Kostensenkungsprogramm angekündigt, das vor allem bei externen Kosten ansetzen soll. Die Richtung am Airport stimmt also.

Leider birgt die geplante Neuausschreibung sämtlicher Vorstandsposten ab Anfang 2012 erhebliche Rückschlagsgefahr. Kaum jemand kann sich vorstellen, dass Gabmann seine operative Degradierung kampflos hinnimmt. Fraglich ist auch, ob Schmid seine fachlich unbestrittene Position letztlich absichern kann. Es liegt in den Händen der Länder Wien und Niederösterreich, die nun eingeleitete positive Tendenz nicht neuerlich durch fragwürdige Postenbesetzungen zu konterkarieren.

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