• 19.01.2011, 18:30:11
  • /
  • OTS0232 OTW0232

WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Chance auf einen echten Neustart am Flughafen - von Robert Lechner

Die Macht einzelner Politgünstlinge wurde erheblich gestutzt

Wien (OTS) - Seit Jahren gibt es erstmals gute Nachrichten zum
Megaprojekt in Wien Schwechat. Wie sich anlässlich einer Begehung der
Baustelle zeigte, herrscht im Skylink derzeit nicht nur gespielte
Umtriebigkeit. Es geht tatsächlich etwas weiter. Momentan werden pro
Monat mehr als elf Millionen Euro verbaut. Ab Februar bis zur
geplanten Fertigstellung im Jahr 2012 werden es monatlich 15
Millionen Euro sein. Keine Angst, das Geld fließt in handfeste Dinge
wie Haustechnik inklusive Lüftung und Verkabelung, Innenausbau mit
tausenden Gipskartonplatten. Und bei den künftigen Andockstellen der
Flugzeuge sind auch schon technische Finessen wie elektronische
Einparkhilfen zu erkennen.

Positiv ist dabei auch die neue Offenheit zu vermerken, die offenbar
vom interimistischen Flughafen-Chef Christoph Herbst ausgeht. Diese
Einstellung, gepaart mit dem Willen, das Unternehmen neu
aufzustellen, ist die Chance auf einen echten Neustart für den durch
interne Turbulenzen gebeutelten Konzern. Die neue Geschäftsordnung im
Vorstand legt nämlich eines nahe: Die Zeit, in der vor allem
prononcierte Politgünstlinge bevorzugt wurden, neigt sich dem Ende
zu. Der eigentlich starke Mann ist ab sofort nämlich Gerhard Schmid.
Schmid hat zwar eine astreine SP-Nähe, weil er einst Sekretär von
Bürgermeister Helmut Zilk war. Kenner attestieren ihm aber, dass er
politische Spielchen, wenn überhaupt, nur sehr dezent betreibt. Im
Vordergrund steht bei ihm das Fachliche, sagen Insider. Gut also,
dass der Mann künftig für fast drei Viertel des Flughafen-Umsatzes
verantwortlich ist. Die Macht von Vorstandskollegen und
Ex-Landespolitiker Ernest Gabmann ist künftig im Wesentlichen auf die
Vergabe von Shop-Flächen beschränkt. Ein Job, der eigentlich bereits
im Jahr 2007 von der Beratungsfirma AT Kearney erledigt wurde. Wenn
man sich an die Ergebnisse der Consulter hält, kann nicht mehr viel
schiefgehen. Vorstands-Boss Herbst hat zudem ein ambitioniertes
Kostensenkungsprogramm angekündigt, das vor allem bei externen Kosten
ansetzen soll. Die Richtung am Airport stimmt also.

Leider birgt die geplante Neuausschreibung sämtlicher Vorstandsposten
ab Anfang 2012 erhebliche Rückschlagsgefahr. Kaum jemand kann sich
vorstellen, dass Gabmann seine operative Degradierung kampflos
hinnimmt. Fraglich ist auch, ob Schmid seine fachlich unbestrittene
Position letztlich absichern kann. Es liegt in den Händen der Länder
Wien und Niederösterreich, die nun eingeleitete positive Tendenz
nicht neuerlich durch fragwürdige Postenbesetzungen zu
konterkarieren.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel