"KURIER"-Kommentar von Josef Votzi: "Sozial-Semester für alle"

Die Zeit ist reif, über echte Alternativen zur Wehrpflicht nachzudenken.

Wien (OTS) - Robben für das Vaterland? Im Dienst beim Heer sehen mehr als 20 Jahre nach Fall des Eisernen Vorhangs immer weniger Sinn. Kein Wunder, dass die allgemeine Wehrpflicht abschussreif ist. Offen sind für die Zeit danach zwei brennende Fragen: Wer rückt aus, wenn das nächste Hochwasser kommt? Und wer ersetzt die unentbehrlich gewordenen Zivildiener an der Sozialfront? Der Sozialminister will mit der Auszahlung des Mindestlohns von rund 1300 Euro einem "freiwilligen Sozialdienst" auf die Sprünge helfen. Praktiker glauben, dass das als Anreiz nicht reichen wird. Es droht ein halbherziger Ersatz, der mehr Probleme schafft, als er löst. Ehrlicher ist es da, einen echten Neustart anzudenken. Österreich braucht 2011 keine Armee zum Grenzschutz mehr, aber ein Heer von Helfern an der Katastrophen- und Sozialfront. Die Zeit wäre also reif, über ein verpflichtendes "soziales Semester" anstelle der Wehrpflicht nachzudenken. Das macht mehrfach Sinn: Die Pflegekosten explodieren, ein soziales Halbjahr entlastet die defizitären Sozialtöpfe. Statt "Geiz-ist-geil" und "Gier-ist-gut" tut der Ich-AG-Gesellschaft eine Prise "Sozial-ist-ein-Must" gut. Ob die jungen Menschen im Sozial-Semester zum Hochwasser oder ins Altersheim ausrücken, sollen sie so wie bisher selber entscheiden.

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