- 13.01.2011, 16:05:11
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"KURIER"-Kommentar von Gert Korentschnig: "Die Super-Zivis"
Durch den Streit ums Heer wird eine Gruppe geadelt, die oft belächelt wurde.
Wien (OTS) - Einen solchen Wandel in der gesellschaftlichen
Wahrnehmung hat es schon lange nicht gegeben. Früher einmal, da waren
Zivildiener für Teile der Bevölkerung Anarchos, die sich den Dienst
mit der Waffe ersparen wollten, diejenigen, die man in Wien Obezahrer
nennt. Lange Haare und ungeputzte Schuhe waren ihnen - im Gegensatz
zu den Präsenzdienern - erlaubt.
Als der Autor dieser Zeilen zum Bundesheer einrückte, gab es noch
eine Kommission, der man sich als Zivildiener in spe stellen musste.
Unter Freunden wurden die besten Schmähs verraten, die man erzählen
musste, um sich vor dem Dasein als Wehrmann zu drücken. 1991 wurde
die Gewissensprüfung abgeschafft, was den Zugang zum Zivildienst
erleichterte, das Image aber kaum verbesserte.
Jetzt, durch die Debatte um die Zukunft des Heeres, erfahren die
für neun Monate verpflichteten, schlecht bezahlten Rot-Kreuz-Helfer
und Krankenpfleger jene Wertschätzung, die ihnen gebührt. Als
Systemerhalter sind sie unverzichtbar. Es ist eine Ironie der
Geschichte, dass die Wehrpflicht zurzeit vor allem an der
Notwendigkeit der neuen Super-Zivis hängt. Gut möglich, dass
diejenigen, die sich dereinst für ein Berufsheer melden, ebenso
belächelt werden wie früher Zivildiener.
Rückfragehinweis:
KURIER, Kulturredaktion
Tel.: (01) 52 100/2722
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