"KURIER"-Kommentar von Gert Korentschnig: "Die Super-Zivis"

Durch den Streit ums Heer wird eine Gruppe geadelt, die oft belächelt wurde.

Wien (OTS) - Einen solchen Wandel in der gesellschaftlichen Wahrnehmung hat es schon lange nicht gegeben. Früher einmal, da waren Zivildiener für Teile der Bevölkerung Anarchos, die sich den Dienst mit der Waffe ersparen wollten, diejenigen, die man in Wien Obezahrer nennt. Lange Haare und ungeputzte Schuhe waren ihnen - im Gegensatz zu den Präsenzdienern - erlaubt.
Als der Autor dieser Zeilen zum Bundesheer einrückte, gab es noch eine Kommission, der man sich als Zivildiener in spe stellen musste. Unter Freunden wurden die besten Schmähs verraten, die man erzählen musste, um sich vor dem Dasein als Wehrmann zu drücken. 1991 wurde die Gewissensprüfung abgeschafft, was den Zugang zum Zivildienst erleichterte, das Image aber kaum verbesserte.
Jetzt, durch die Debatte um die Zukunft des Heeres, erfahren die für neun Monate verpflichteten, schlecht bezahlten Rot-Kreuz-Helfer und Krankenpfleger jene Wertschätzung, die ihnen gebührt. Als Systemerhalter sind sie unverzichtbar. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die Wehrpflicht zurzeit vor allem an der Notwendigkeit der neuen Super-Zivis hängt. Gut möglich, dass diejenigen, die sich dereinst für ein Berufsheer melden, ebenso belächelt werden wie früher Zivildiener.

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