Kardinal Schönborn: "Wir stehen auf der Seite der Opfer"

Erzbischof von Wien nahm aus Rom zur Diskussion um die Kirchenaustritte Stellung

Wien (OTS) - Wien, 11.01.11 (PEW) 2010 war ein "schweres Jahr für die Kirche", sagte Kardinal Christoph Schönborn am Dienstagabend in der ORF-"Zeit im Bild 2" in einem Gespräch aus Rom über die Kirchenaustritte (der Kardinal nimmt derzeit an einer Plenarversammlung der vatikanischen Glaubenskongregation teil). Er sei persönlich "tief erschüttert", dass er " so viel über Missbrauch erfahren musste", so der Wiener Erzbischof in dem ORF-Gespräch. Es sei aber nicht einfach zugeschaut, sondern gehandelt worden, die Kirche habe sich klar auf die Seite der Opfer gestellt. Die von Waltraud Klasnic geleitete Kommission handle völlig unabhängig. Kardinal Schönborn stellte auch klar, dass er zusammen mit anderen Bischöfen nach 1995 in der "Causa Groer" entschieden um Aufklärung bemüht war.

An die Adresse der aus der Kirche Ausgetretenen sagte der Wiener Erzbischof, dass er ihren Schritt respektiere, aber die Hoffnung hege, dass sie sich "weiter der Gottesfrage stellen". Die drei Fragen, die sein Vorvorgänger Kardinal Franz König formuliert habe -woher komme ich, wohin gehe ist, wozu ist mein Leben -, hätten für jeden Menschen Gültigkeit, ob er in der Kirche bleibt oder austritt.

Kardinal Schönborn verwies in dem Gespräch auf die größeren Zusammenhänge: Österreich sei ein "traditionell" katholisches Land, dabei habe auch viel "Druck und Konvention" eine Rolle gespielt:
"Jetzt kommen wir von einer traditionsgebundenen zu einer Entscheidungskirche". Es tue der Kirche gut, wenn sie auf ihre eigentliche Kompetenz - die Gottesfrage, die Verkündigung des Evangeliums - verwiesen werde.

Die Gottesfrage sei die eigentliche Grundfrage, auch wenn die Fragen der Kirchenreform "auf dem Tisch bleiben". Diese Fragen könnten aber nur auf der Ebene der Weltkirche gelöst werden, betonte der Wiener Erzbischof: "Wir können unsere Meinung einbringen, aber wir werden uns nicht von der Weltkirche abkoppeln". Was in Österreich gelöst werden könne, werde getan. Wörtlich sagte Kardinal Schönborn: "Der Papst gibt uns eine klare Richtlinie: Es geht um die Vertiefung des Glaubens. Was nützt die Reform, wenn wir am Wesentlichen vorbeigehen". (ende)

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