Haiti ein Jahr nach dem Beben - Eine Bilanz der Hilfe von "Nachbar in Not"

Die österreichische Hilfsgemeinschaft liefert Beispiele für gelungene Projekte

Wien (OTS) - Das Erdbeben, das Haiti am 12. Jänner 2010 erschütterte, gehört zu den schlimmsten Naturkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte. 250.000 Menschen kamen ums Leben, mehr als 1,3 Millionen wurden obdachlos. Betroffen ist eines der ärmsten Länder der Welt. Im Oktober 2010 kam der Ausbruch der Cholera hinzu und Ende November verschärften die Präsidentschaftswahlen das politische Klima. "Vor diesem Hintergrund sind noch immer viel zu viele Menschen auf Nothilfe angewiesen und die Umstände erschweren auch den Wiederaufbau. Das darf aber nicht den Blick auf die geleistete Hilfe verstellen, die Hunderttausenden Menschen in Haiti das Überleben und die Zukunft sichert", betont der "Nachbar in Not"-Vorstandsvorsitzende und Auslandshilfechef der Caritas, Christoph Petrik-Schweifer.

Mayerhoffer: "Hilfe, die ankommt"

Als die Bilder der Katastrophe vom 12. Jänner 2010 um die Welt gingen, haben sich der ORF und die "Nachbar in Not"-Hilfsorganisationen - Arbeiter Samariterbund, CARE, Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Malteser Hospitaldienst, Rotes Kreuz und Volkshilfe - zusammengeschlossen und am 14. Jänner 2010 die Aktion "Nachbar in Not - Erdbeben Haiti" gestartet. 14,5 Millionen Euro sind von den Österreicherinnen und Österreichern innerhalb weniger Monate gespendet worden. "Geld", so betont Sissy Mayerhoffer, Leiterin des ORF-Humanitarian-Broadcasting, "mit dem die 'Nachbar in Not'-Organisationen allein Sofort- und Nothilfe in Höhe von 4,2 Millionen Euro geleistet haben. Weitere 9,5 Millionen Euro sind für Überbrückungsmaßnahmen wie Notquartiere und Zelte ausgegeben worden bzw. arbeiten in laufenden Projekten für den Wiederaufbau. Damit ist die Initiative von 'Nachbar in Not' ein wichtiger Baustein für ein besseres Leben der Menschen in Haiti."

Petrik-Schweifer: "Fortschritte, die Hoffnung geben"

"Insgesamt wurden und werden aus 'Nachbar in Not'-Spenden Hunderttausende Menschen mit Wasser, Nahrungsmitteln, medizinischen Hilfsgütern, Hygiene- und Küchensets, sanitären Anlagen, temporären Unterkünften, aber auch mit Schulunterricht, festen Häusern und existenzsichernden Maßnahmen unterstützt", betont Petrik-Schweifer. "So konnte das Caritas-Team beispielsweise nach Monaten schwieriger Verhandlungs- und Planungsarbeiten Ende des Jahres in Gressier, etwa 20 Kilometer nordwestlich von Port-au-Prince, die ersten Häuser an ihre neuen Besitzer übergeben. Auch dieses Wiederaufbau-Projekt der Caritas, das insgesamt 500 Familien ein neues Zuhause schenkt, wird mit Mitteln aus 'Nachbar in Not' finanziert. Ebenso wie Schulprojekte oder Cash-for-Work-Programme, die viele der 'Nachbar in Not'-Hilfsorganisationen ins Leben gerufen haben."

Opriesnig: "Unterkunft und Hygiene für langfristige Hilfe"

Auch Michael Opriesnig, "Nachbar in Not"-Vorstand und Leiter Kommunikation und Marketing des Österreichischen Roten Kreuzes, freut sich über Fortschritte im Wiederaufbau: Das Österreichische Rote Kreuz hat gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland im Dorf L'Acul bereits 1.000 Übergangshäuser errichtet. "Diese 1.000 Häuser sind erst der Anfang", sagt Opriesnig. "In den kommenden zweieinhalb Jahren werden weitere 2.000 dieser Unterkünfte errichtet." Das ÖRK kümmert sich in erster Linie darum, dass die Bewohner der neuen Häuser Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitären Anlagen haben. "Diese Kombination von neuen Unterkünften, sauberem Wasser und Hygienemaßnahmen unterstützt die betroffenen Menschen langfristig", erklärt Opriesnig. "Zusätzlich tun wir alles in unserer Macht Stehende, um die Ausbreitung der Cholera zu stoppen. In L'Acul gelingt das gut - dafür sind die Trinkwasserversorgung und die Hygieneschulungen besonders wichtig."

Lassmann: "Jeder Baustein der Hilfe zählt!"

Dagmar Lassmann, Leiterin der Diakonie-Auslandshilfe und ebenfalls im "Nachbar in Not"-Vorstand, betont die Notwendigkeit jeder Art von Hilfeleistung: "Jeder Baustein ist wichtig und trägt zum Wiederaufbau bei. Der Vorteil des 'Nachbar in Not'-Netzwerkes ist, dass jede Organisation nach ihrer jeweiligen Expertise dort tätig wird, wo sie gezielt helfen kann. Und die Bevölkerung wird, wo immer möglich, in die Durchführung der Projekte mit einbezogen, da wir sie nicht in erster Linie als Opfer, sondern als Menschen sehen, die ihre Zukunft selbst mitgestalten möchten. So kommen zum Beispiel beim Aufbau bzw. der Reparatur von Häusern Handwerker und Gehilfen aus der Bevölkerung zum Einsatz. Auf diese Weise können sie einerseits ein kleines Einkommen erwirtschaften und andererseits wichtiges Wissen hinsichtlich des Baus katastrophensicherer Häuser erwerben."

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