"KURIER"-Kommentar von Gert Korentschnig: "Marxistisches Europa"

Kann man am ungarischen Rechtsruck Gutes finden? Nur wenn man Mölzer heißt.

Wien (OTS) - Zunächst die Überraschung: Andreas Mölzer ist politisch nach wie vor aktiv. Mölzer who? Lang, lang ist's her, aber er war einst Haider-Berater, dessen Chefideologe, wendete sich dann von diesem ab, blieb ein strammer Rechter und bezeichnet sich selbst als "nationalliberaler Kulturdeutscher".
Das wenig Überraschende: Der Mann, der Anfang der 1990er-Jahre mit seiner Angst vor der "Umvolkung" traurige, aber nur regionale Bekanntheit erlangte, setzt auf Provokation. In seiner Funktion als freiheitlicher Delegationsleiter im Europäischen Parlament spricht er von einer Hexenjagd der "politisch korrekten Moral- und Tugendwächter" gegen das EU-Vorsitzland Ungarn. Als Bösewicht ortet er die vereinigte Linke, die von einer rechtskonservativen Regierung verstört sei.
Jaja, die gemeine Linke ... Meint er die Ungarn-Kritikerin Angela Merkel, die vielleicht doch aus dem marxistisch-revolutionären Eck stammt? Oder Nicolas Sarkozy, den bekannt linkslinken Euro-Kommunisten?
Das Problem an Mölzers Aussage ist nicht, dass er gegen den Strom schwimmt. Nur: Mit solchen oberflächlichen Klischees macht er sich lächerlich. Gäbe es in Österreich ähnliche Mediengesetze wie in Ungarn, wäre dieser Kommentar übrigens ein Fall für die Justiz.

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