Könige, Magier, Weise: Geschichte und Mythos der Heiligen Drei

Wien (OTS) - Aus der Geschichte des Abendlandes sind die "Drei Weisen aus dem Morgenlande" nicht mehr wegzudenken. Die wunderschöne biblische Geschichte von den Königen, die dem Kind in der Krippe huldigen und Geschenke bringen, fasziniert die Menschen seit mehr als zwei Jahrtausenden. Heute verbindet die Sternsingeraktion der Katholischen Jungschar traditionelles Brauchtum mit solidarischem Engagement für Menschen in den Entwicklungsländern.

Drei Weise aus dem Morgenland: Die Bibel spricht von "Magiern aus dem Morgenland". Diese waren wahrscheinlich Sterndeuter am Hof in Mesopotamien. Ihren astronomischen Berechnungen nach erwarteten sie ein Heilsereignis mit Bedeutung für alle Völker der Erde. Daher folgten sie dem Stern bis zu dem Stall, in dem Jesus geboren wurde.

Der Stern: Im Alten Orient galten Sterne als mächtige Wesen, die auf das Leben der Menschen entscheidend einwirkten. Heutzutage interpretieren Astrologen den Stern von Bethlehem als eine Tripel-Konjunktion, ein dreimaliges Zusammentreffen der Planeten Saturn und Jupiter im Sternbild der Fische. In der jüdischen Kultur gilt der Saturn als Stern der Juden und Jupiter als Glücksbringer. Für die Sterndeuter könnte es ein Zeichen dafür gewesen sein, dass sich Großes ereignet, der Messias geboren wurde. Übrigens: Die Sternenkonstellation, die den Weisen den Weg wies, soll im Jahr 2238 wieder stattfinden.

Gold, Weihrauch und Myrrhe: Die Gaben der Heiligen Drei zählten damals zu den kostbarsten Handelsgütern. Weihrauch und Myrrhe sind wohlriechende Harze, die ausschließlich in den Bergregionen Südarabiens, Somalias und Abessiniens gewonnen wurden (und Grundlage für den sagenhaften Reichtum der dort lebenden Minäer und Sabäer waren). Weihrauch und Myrrhe wurden seit dem fünften Jahrtausend im Orient bei kultischen Handlungen verwendet, der aufsteigende Rauch symbolisierte die Gebete zu den Göttern.

Über die Bedeutung dieser Gaben gibt es zahlreiche Angaben. Aus der "Legenda aurea" von Jakobus a Voragine (die beliebtesten mittelalterliche Sammlung von Heiligenlegenden) sind einige Hinweise über die Bedeutung der königlichen Geschenke herauszulesen: St. Bernhard spricht darin, dass die Könige Gold opferten wegen der Armut Marias, Weihrauch, um den bösen Geruch des Stalles zu vertreiben, und Myrrhe, um die Glieder des Kindes zu stärken und gegen die bösen Würmer. Oder: Gold als Zins, weil Christus der oberste König ist, Weihrauch als Opfer, weil er Gott ist, und Myrrhe für ein Begräbnis, da er sterblicher Mensch ist.

Caspar, Melchior und Balthasar: Caspar ("Schatzmeister"), Melchior ("Mein König ist Licht") und Balthasar (Schütze sein Leben") wurden erst im 5.Jhdt. durch die Überlieferung zu den "Heiligen Drei Königen". Jeder von ihnen stand für einen der damals bekannten Erdteile (Afrika, Asien und Europa) bzw. für das Jünglings-, Mannes-und Greisenalter. Das sogenannte armenische Kindheitsevangelium spricht hingegen von drei Brüdern, den Königen von Indien, Persien und Arabien.

Die Wintersonnwende: Zwischen Wintersonnwende und neuem Jahr (die Rauhnächte) galten in der vorchristlichen Zeit die Dämonen und bösen Mächte als entfesselt. Eine Reihe von Bräuchen, sollte Unheil abwenden und das Glück für das kommende Jahr sichern. Auch die Drei Heiligen Könige sollten die bösen Geister bannen und für das ganze Jahr Segen bringen. Früher galt der Dreikönigssegen als Schutz gegen "Zauberey", geweihtes Dreikönigswasser wurde gegen Krankheiten verabreicht und auf die Felder gesprengt. Seit alters her heißt es, dass jene Felder, über welche die Sternsinger gehen, doppelte Ernte tragen.

Der Segen: 20 C+M+B 11 schreiben die Sternsinger mit geweihter Kreide an die Tür. Es bedeutet "Christus mansionem benedicat", übersetzt "Christus segnet dieses Haus. Die drei Kreuze stehen für die Dreifaltigkeit.

Heiligenverehrung im Mittelalter: Die Heiligen Drei Könige hatten in der Volksfrömmigkeit eine herausragende Bedeutung. Sie wurden als mächtige Patrone bei Krankheit, Feuer oder Diebstahl angerufen. Ihrer langen beschwerlichen Reise wegen wurden sie auch als Schutzpatrone der Reisenden verehrt. Dreikönigsspiele fanden schon um die erste Jahrtausendwende in den Kathedralen statt. Gesang begleitete die Prozession der Könige zum Altar, der die Krippe symbolisierte. Mit der Übertragung der Reliquien von Mailand nach Köln (1164) nahm der Dreikönigskult starken Aufschwung. Man verwahrte die angeblich von Kaiserin Helena (255-330) aufgefundenen Gebeine im größten und kostbarsten Schrein des Mittelalters und nahm diesen zum Anlass für den Bau des Kölner Doms. Im Wappen der Stadt finden sich seither drei Kronen. Von hier verbreiteten sich Kult und Verehrung der drei Könige im ganzen Abendland.

Das Sternsingen als eigenständiger Brauch war ab dem 16.Jhdt. den Schülern, Studenten und Handwerksburschen vorbehalten, die mit den Spenden für ihre Darbietung ihre materielle Not milderten. Es gibt noch alte Notizen, Belege und Regungen, die auf die Sternsingerei hinweisen. 1552 erlaubte die Stadt Eggenburg/Niederösterreich "dem Schulmeister und seinen Assistenten, mit dem Stern zu gehen, doch müsse er selbst mitsingen und verhüten, dass Unfug, Rumor oder andere Unzucht vorkomme; er solle auch zeitlich zur Bierglockenzeit aufhören."

Lebendiges Brauchtum der Gegenwart: Winter 1954/55: Auf Bitte der MIVA gehen Jungschargruppen in 269 Pfarren Sternsingen. Das Ziel der ersten Aktion war bescheiden: Mit dem Spendengeld sollte ein Motorrad für P. Michael Ortner, einem Missionar in Uganda, finanziert werden. Begeisterung und Resonanz in der Bevölkerung übertrafen alle Erwartungen: Die Wunden des Krieges waren in unserem Land noch nicht zur Gänze verheilt. Trotzdem war die Hilfsbereitschaft der Österreicher/innen gewaltig: 42.381,72 Schilling (3.080,- Euro) wurden ersungen. Der Startschuss war geglückt - die Jungschar hat einen alten Brauch mit neuem Sinn erfüllt: die befreiende Botschaft des Evangeliums für Menschen in Not spürbar und erfahrbar zu machen.

Aus den bescheidenen Anfängen ist eine starke Aktion geworden, mit dem in rund 3.000 Pfarren gesammelten Geld setzen die 85.000 Sternsinger/innen ein starkes Zeichen gegen Armut und Unrecht: 500 Hilfsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika werden jährlich unterstützt und führen zu positiven Veränderungen für eine Million Menschen. Im letzen Jahr hat die österreichische Bevölkerung 14,5 Millionen Euro gespendet. Seit den Anfängen im Jahr 1954 wurden insgesamt mehr als 300 Mio. Euro für notleidende Mitmenschen ersungen. Damit ist die Sternsingeraktion die größte Sammlung für Entwicklungsländer und das viertgrößte österreichische Hilfswerk.

Pressetexte und Fotos zur Sternsingeraktion 2011:
http://www.dka.at/index.php?id=417

Laufende Informationen rund um die Sternsingeraktion unter www.dka.at

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