• 30.12.2010, 20:01:18
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Erheben wir das Glas auf eine aussterbende Art" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 31.12.2010

Graz (OTS) - Ein Annus mirabilis geht zu Ende, ein Jahr voll Glanz
und Glorie für Österreich. Vollendet wird es durch die heimischen
Wintersportler, die derzeit der Konkurrenz davonfliegen bzw. um die
Ohren fahren. Doch schon in den Monaten davor gab es Erfolge, die
einem so kleinen Land zur Ehre gereichen.

Der österreichische Schauspieler Christoph Waltz bekam für seine
Leistung im Film "Inglourious Basterds" in Hollywood einen Oscar.
Schon zuvor war der österreichische Regisseur Michael Haneke für "Das
weiße Band" mit internationalen Preisen überschüttet worden.
Markantes Detail: Wegen langjährig verweigerter Anerkennung lebt
Waltz in London. Und Haneke hatte seinen Film nur mithilfe deutscher
Financiers drehen können.

Um dieselbe Zeit wurde Wien zur lebenswertesten Stadt der Welt
gekürt. Was wiederum etliche Oppositionspolitiker nicht davon
abhielt, lautstark grundlegende Änderungen zu fordern.

Ein österreichischer Rennstall legte die beeindruckendste
Formel-1-Performance seit Jahren hin. Red Bull gewann sowohl die
Fahrer- als auch die Konstrukteursmeisterschaft. Aber: Eine wirklich
nachhaltige (Wert)Schöpfung des visionären Unternehmers Dietrich
Mateschitz für das wirtschaftlich ausbaufähige Aichfeld wurde mit
fadenscheinigen Argumenten abgewürgt. Jetzt entsteht eine für
Österreich so typische Kompromissvariante.

Dazu kommen kleinere und größere Firmen sonder Zahl, die auch unter
trübsten Krisensignalen weltweit erfolgreich gearbeitet haben und
dies auch weiterhin tun werden.

Wenn morgen der Dirigent Franz Welser-Möst im Goldenen Saal des
Musikvereins den Stab hebt und die Wiener Philharmoniker durch das
Neujahrskonzert geleitet, wird ein Publikum von rund 50 Millionen
Menschen Zeuge österreichischer Exzellenz.

Und genau darum geht es: Auf Massenmärkten aller Art wird Österreich
immer weniger Chancen vorfinden. Was hingegen zählt, sind
unverwechselbare Qualität, konkurrenzorientierter Wissensvorsprung,
kreatives Genie.

Mit Kompromissen und Weichschieberei ist das nicht zu erzielen.
Hinsichtel und Rücksichtel haben in diesem Qualitätsmanagement nichts
verloren. Ebenso wenig wie die Pfründe-Fafners der Parteien. Kurzum,
all die Kreaturen, die durch unsere Politik kreuchen, Sachzwänge
heucheln, wo Sachlichkeit gefragt wäre, und Elitebildung für
Teufelszeug halten. Auf ihr Aussterben sollten wir heute Abend das
Glas erheben. - Prosit 2011!

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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