"Kleine Zeitung" Kommentar: "Erheben wir das Glas auf eine aussterbende Art" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 31.12.2010

Graz (OTS) - Ein Annus mirabilis geht zu Ende, ein Jahr voll Glanz und Glorie für Österreich. Vollendet wird es durch die heimischen Wintersportler, die derzeit der Konkurrenz davonfliegen bzw. um die Ohren fahren. Doch schon in den Monaten davor gab es Erfolge, die einem so kleinen Land zur Ehre gereichen.

Der österreichische Schauspieler Christoph Waltz bekam für seine Leistung im Film "Inglourious Basterds" in Hollywood einen Oscar. Schon zuvor war der österreichische Regisseur Michael Haneke für "Das weiße Band" mit internationalen Preisen überschüttet worden. Markantes Detail: Wegen langjährig verweigerter Anerkennung lebt Waltz in London. Und Haneke hatte seinen Film nur mithilfe deutscher Financiers drehen können.

Um dieselbe Zeit wurde Wien zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt. Was wiederum etliche Oppositionspolitiker nicht davon abhielt, lautstark grundlegende Änderungen zu fordern.

Ein österreichischer Rennstall legte die beeindruckendste Formel-1-Performance seit Jahren hin. Red Bull gewann sowohl die Fahrer- als auch die Konstrukteursmeisterschaft. Aber: Eine wirklich nachhaltige (Wert)Schöpfung des visionären Unternehmers Dietrich Mateschitz für das wirtschaftlich ausbaufähige Aichfeld wurde mit fadenscheinigen Argumenten abgewürgt. Jetzt entsteht eine für Österreich so typische Kompromissvariante.

Dazu kommen kleinere und größere Firmen sonder Zahl, die auch unter trübsten Krisensignalen weltweit erfolgreich gearbeitet haben und dies auch weiterhin tun werden.

Wenn morgen der Dirigent Franz Welser-Möst im Goldenen Saal des Musikvereins den Stab hebt und die Wiener Philharmoniker durch das Neujahrskonzert geleitet, wird ein Publikum von rund 50 Millionen Menschen Zeuge österreichischer Exzellenz.

Und genau darum geht es: Auf Massenmärkten aller Art wird Österreich immer weniger Chancen vorfinden. Was hingegen zählt, sind unverwechselbare Qualität, konkurrenzorientierter Wissensvorsprung, kreatives Genie.

Mit Kompromissen und Weichschieberei ist das nicht zu erzielen. Hinsichtel und Rücksichtel haben in diesem Qualitätsmanagement nichts verloren. Ebenso wenig wie die Pfründe-Fafners der Parteien. Kurzum, all die Kreaturen, die durch unsere Politik kreuchen, Sachzwänge heucheln, wo Sachlichkeit gefragt wäre, und Elitebildung für Teufelszeug halten. Auf ihr Aussterben sollten wir heute Abend das Glas erheben. - Prosit 2011!

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, redaktion@kleinezeitung.at, http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001