• 26.12.2010, 15:39:28
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"Druck bei den sozial Schwächsten steigt"

Wiener Caritasdirektor Michael Landau betont in Weihnachtsinterviews: "Zukunft des Landes beruht auf sozialer Balance"

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Wien (OTS) - Wien, 26.12.10 (PEW) Der Druck bei den sozial
Schwächsten steigt, betonte der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael
Landau in einem weihnachtlichen "Kurier"-Interview. Das sei aus den
Anfragen der Caritas-Beratungsstellen ersichtlich. Wörtlich meinte
Landau: "Wenn bei uns die Armen immer ärmer und die Reichen immer
reicher werden - was seit Jahren so ist - dann läuft etwas schief".
Diese "Gerechtigkeitslücke" müsse kleiner gemacht werden. Das könne
durch Arbeit geschehen, von der man leben kann ("es gibt zu viele
working poor"), durch eine Mindestsicherung, "die diesen Namen
verdient", und durch einen fairen Zugang zu sozialen Dienstleistungen
wie Bildung, Gesundheit, Pflege.

Von der Mindestsicherung müsse man "würdevoll" leben können,
verlangte der Wiener Caritasdirektor und merkte an: "Was die
Umsetzung angeht, fehlen bis auf Wien und Niederösterreich fast alle
anderen Bundesländer": Die Einführung der Mindestsicherung sei "sehr
sinnvoll" gewesen, aber das Thema sei "längst nicht erledigt".

Grundsätzlich betonte Landau: "Wir müssen an den Rändern der
Gesellschaft eine neue Aufmerksamkeit entwickeln, damit nicht aus der
Wirtschaftskrise eine soziale Krise wird". Notwendig sei eine
"Mut-Injektion" im Hinblick auf die Zukunft. Österreich sei gut
aufgestellt, es gehe jetzt aber darum, den "Grundwasserspiegel an
Solidarität und Menschlichkeit" hochzuhalten. Die Caritas verlange,
dass die Regierung "in einem halben Jahr die Folgen des Budgets auf
soziale Verträglichkeit prüft". Denn offensichtlich gebe es immer
noch die Versuchung, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen.

Eine vernünftige "Zukunft des Landes" gründe auf "sozialer Balance",
erinnerte der Wiener Caritasdirektor. Es gehe darum, wohin die Reise
Österreichs in den Bereichen Bildung, Soziales, Pflege, Gesundheit
gehen soll. Man müsse sich davor hüten, "blindem Wirtschaftsglauben"
und "blinder Wirtschaftsangst" zu verfallen. Leistung, Erfolg und
Einsatz seien wichtig für Österreich: "Aber es braucht Wirtschaft um
der Menschen willen und nicht umgekehrt".

In einem "Standard"-Interview wandte sich Msgr. Landau gegen
Fehlmeinungen über die Mindestsicherung: "Faktum ist, dass sie an
sehr strenge Regelungen gebunden ist, mit der Bereitschaft, dem
Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen". Die österreichische Regelung
sei da besser als die deutsche ("Hartz IV"). Das Ziel sei in
Österreich, dass die Menschen den Wiedereinstieg in den
Erwerbsarbeitsprozess schaffen. Auch in den Caritas-Beratunsgsstellen
sei zu sehen: "Viele Menschen suchen Arbeit wie einen Bissen Brot und
finden keine. Ich wünsche mir kein Ausspielen mehr von working poor
und Beziehern von Mindestsicherung".

Im Hinblick auf die "Ausländer-Diskussion" betonte der Wiener
Caritasdirektor seine Hoffnung, dass es bei den Österreichern
"zunehmend soziale Sensibilität" gibt. Landau verwies etwa auf die
Initiative "Kinder gehören nicht ins Gefängnis", für die innerhalb
weniger Wochen mehr als 100.000 Menschen Unterstützungserklärungen
abgaben. Auch die Pfarrgemeinden seien "so etwas wie Kraftwerke der
Solidarität".

In Wien habe sich offensichtlich schon vor der Wahl einiges positiv
weiterentwickelt. Die Caritas-Forderungen seien aber immer die
gleichen: Es brauche einen "Rationalitätsschub" in der Debatte. Die
"Rot-weiß-rot-Card" sei dafür ein sinnvolles Instrument. Denn das
Hauptproblem sei ja, "dass es derzeit keine geordnete
Migrationspolitik gibt". Es mangle nicht an Papieren und Plänen,
sondern an Tempo und Willen, diese Pläne mit Leben zu erfüllen.
(ende)

Rückfragehinweis:
Erzdiözese Wien, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation
Tel. 0664/515 52 69
E-Mail: [email protected]

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