"Druck bei den sozial Schwächsten steigt"

Wiener Caritasdirektor Michael Landau betont in Weihnachtsinterviews: "Zukunft des Landes beruht auf sozialer Balance"

Wien (OTS) - =

Wien, 26.12.10 (PEW) Der Druck bei den sozial
Schwächsten steigt, betonte der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau in einem weihnachtlichen "Kurier"-Interview. Das sei aus den Anfragen der Caritas-Beratungsstellen ersichtlich. Wörtlich meinte Landau: "Wenn bei uns die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden - was seit Jahren so ist - dann läuft etwas schief". Diese "Gerechtigkeitslücke" müsse kleiner gemacht werden. Das könne durch Arbeit geschehen, von der man leben kann ("es gibt zu viele working poor"), durch eine Mindestsicherung, "die diesen Namen verdient", und durch einen fairen Zugang zu sozialen Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheit, Pflege.

Von der Mindestsicherung müsse man "würdevoll" leben können, verlangte der Wiener Caritasdirektor und merkte an: "Was die Umsetzung angeht, fehlen bis auf Wien und Niederösterreich fast alle anderen Bundesländer": Die Einführung der Mindestsicherung sei "sehr sinnvoll" gewesen, aber das Thema sei "längst nicht erledigt".

Grundsätzlich betonte Landau: "Wir müssen an den Rändern der Gesellschaft eine neue Aufmerksamkeit entwickeln, damit nicht aus der Wirtschaftskrise eine soziale Krise wird". Notwendig sei eine "Mut-Injektion" im Hinblick auf die Zukunft. Österreich sei gut aufgestellt, es gehe jetzt aber darum, den "Grundwasserspiegel an Solidarität und Menschlichkeit" hochzuhalten. Die Caritas verlange, dass die Regierung "in einem halben Jahr die Folgen des Budgets auf soziale Verträglichkeit prüft". Denn offensichtlich gebe es immer noch die Versuchung, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen.

Eine vernünftige "Zukunft des Landes" gründe auf "sozialer Balance", erinnerte der Wiener Caritasdirektor. Es gehe darum, wohin die Reise Österreichs in den Bereichen Bildung, Soziales, Pflege, Gesundheit gehen soll. Man müsse sich davor hüten, "blindem Wirtschaftsglauben" und "blinder Wirtschaftsangst" zu verfallen. Leistung, Erfolg und Einsatz seien wichtig für Österreich: "Aber es braucht Wirtschaft um der Menschen willen und nicht umgekehrt".

In einem "Standard"-Interview wandte sich Msgr. Landau gegen Fehlmeinungen über die Mindestsicherung: "Faktum ist, dass sie an sehr strenge Regelungen gebunden ist, mit der Bereitschaft, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen". Die österreichische Regelung sei da besser als die deutsche ("Hartz IV"). Das Ziel sei in Österreich, dass die Menschen den Wiedereinstieg in den Erwerbsarbeitsprozess schaffen. Auch in den Caritas-Beratunsgsstellen sei zu sehen: "Viele Menschen suchen Arbeit wie einen Bissen Brot und finden keine. Ich wünsche mir kein Ausspielen mehr von working poor und Beziehern von Mindestsicherung".

Im Hinblick auf die "Ausländer-Diskussion" betonte der Wiener Caritasdirektor seine Hoffnung, dass es bei den Österreichern "zunehmend soziale Sensibilität" gibt. Landau verwies etwa auf die Initiative "Kinder gehören nicht ins Gefängnis", für die innerhalb weniger Wochen mehr als 100.000 Menschen Unterstützungserklärungen abgaben. Auch die Pfarrgemeinden seien "so etwas wie Kraftwerke der Solidarität".

In Wien habe sich offensichtlich schon vor der Wahl einiges positiv weiterentwickelt. Die Caritas-Forderungen seien aber immer die gleichen: Es brauche einen "Rationalitätsschub" in der Debatte. Die "Rot-weiß-rot-Card" sei dafür ein sinnvolles Instrument. Denn das Hauptproblem sei ja, "dass es derzeit keine geordnete Migrationspolitik gibt". Es mangle nicht an Papieren und Plänen, sondern an Tempo und Willen, diese Pläne mit Leben zu erfüllen. (ende)

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