• 18.12.2010, 18:16:56
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das verwandelte Paar" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 19.12.2010

Graz (OTS) - Nicht jedes unerwartete Geschehen ist ein
Weihnachtswunder, aber man mit etwas theologischer Nachsicht könnte
man den spektakulären politischen Kulturbruch, der derzeit in der
Steiermark stattfindet, schon so nennen. Es handelt sich um den wohl
lichtesten Läuterungsprozess in der Düsternis heimischer Politik. Er
verdient österreichweite Würdigung.

Es geht um den sozialdemokratischen Landeshauptmann Franz Voves und
seinem knapp unterlegenen Herausforderer Hermann Schützenhöfer von
der ÖVP. Fünf Jahre lang waren sie einander in großkoalitionärer Haft
mit Misstrauen und Feindseligkeit begegnet. Das Land nahm Schaden,
und die Bürger wandten sich ab oder den Rechten zu. Bei den Wahlen
fielen beide Politiker in der Gunst stark ab, einer sank einen Deut
weniger tief, das sicherte Voves die Macht. Die Befürchtung war groß,
dass die Unkultur wechselseitiger Herabwürdigung ihren Fortgang
nehmen würde. Das Gegenteil geschah.

Beide Politiker brachen mit der Politik alten Stils. Sie erkannten,
dass in einem Bündnis die Beschädigung des anderen eine Form der
Selbstbeschädigung ist. Sie kamen überein, die eigenen Versäumnisse
durch entschlossenes gemeinsames Handeln wieder gutzumachen. Das
Besondere ihrer Lebenslage eint die Verwandelten: Keiner von beiden
muss jemals wieder in die Niederungen eines Wahlkampfs. Keiner muss
sich mehr in Stellung bringen. Sie möchten das Land gemeinsam aus der
finanziellen Bedrängnis herausführen und dem Bund ein Beispiel geben.

Die drastischen Vorgaben für das Budget legten sie Schulter an
Schulter dar. Und als sie vor Tagen für die rote Stadt Fohnsdorf, die
sich mit einer Therme überhoben hatte, die Ablösung des Gemeinderates
und die Einsetzung eines Kommissärs verkündeten, taten sie es mit
einer Stimme. Voves stellte sich hinter den verantwortlichen
Referenten Schützenhöfer, und die ÖVP vermied es, parteipolitisches
Kapital aus der Affäre zu schlagen. Auch wenn die Feuerproben erst
kommen: Das Verhalten markiert eine Zäsur. Die Kettenhunde und sind
zurück im Zwinger. Das Bellen im Land ist verklungen.

Nur so kann das versiegte Vertrauen in die Politik zurückgewonnen
werden. Katharsis und Neubeginn in der Steiermark müssen dem Bund ein
Vorbild sein. Für Werner Faymann und Josef Pröll war es ein vertanes
Jahr. In den Umfragen liegen sie dort, wo Gusenbauer und Molterer am
Ende standen. Zwei getrennte Regierungen verwalten den Stillstand.
Den kann sich das Land ebenso wenig leisten wie unsere Urangst vor
Veränderung. Die Ängstlichkeit der Politik ist ein Abbild der
eigenen. Der Aufruf zur Umkehr betrifft uns alle.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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