• 16.12.2010, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wie ein teurer Spaß noch Sinn machen kann - von Wolfgang Unterhuber

Niederösterreich und Wien müssen raus aus dem Flughafen

Wien (OTS) - Es ist vollbracht: Der Vorstand des Flughafen
Wien/Schwechat muss gehen. Vorstandssprecher Herbert Kaufmann gleich,
seine beiden Co-Vorstände Ernest Gabmann und Gerhard Schmid in einem
Jahr. Der neue starke Mann ist Christoph Herbst. Der bisherige
Aufsichtsratsvorsitzende will Kaufmann für ein Jahr ersetzen und in
dieser Zeit eine neue Führung suchen, die ab 2012 dann das Ruder
übernehmen soll. Somit ist es also noch nicht ganz überstanden. Denn
das Trio Herbst, Schmid, Gabmann (der nach dem Auffliegen des
Skylink-Desasters eingewechselt wurde) ist mit Sicherheit keine
Freundschaftsecke. Die typisch österreichische Nummer "Sagn ma jetzt,
es war nix" zerschellt allein an der Tatsache, das Herbst seine
beiden Kollegen - wenn auch auf Raten - in die Wüste geschickt hat.
Das verheißt noch ein wenig Spannung - allein auch deshalb, weil ja
alle (Kaufmann inklusive) dann irgendwie noch als Konsulenten
trabantengleich die Stätte ihres Tuns umrunden werden. Dabei täte dem
Unternehmen Ruhe jetzt dringend Not. Denn in der Skylink-Affäre war -
wie man so schön sagt - für jeden etwas dabei. Explodierende
Baukosten, skurrile Krisensitzungen, ein Finanzvorstand, der geht,
ein Landeshauptmannstellvertreter, der kommt, ein vollständiger
Baustopp, Auftragsneuvergaben, zahllose Hausdurchsuchungen,
vernichtende Rechnungshof-Berichte, gegenseitiger Argwohn, der in
Paranoia ausartet, anonyme Vernaderungen. Nur in einem unterscheidet
sich das Flughafen-Drama wesentlich von den anderen Skandalen und
Affären: Die betreffenden Personen haben nicht in die eigene Tasche
gewirtschaftet! Der Skandal ist passiert (was auch typisch
österreichisch ist) und wurde nicht durch kriminelle Energie
verursacht. Somit könnte man das ganze Unglück auch als Posse
bezeichnen. Doch auch eine Posse hat einen Regisseur. In diesem Fall
sind es sogar zwei, die wir nicht ausblenden dürfen: Den Wiener
Bürgermeister und den niederösterreichischen Landeshauptmann. Wien
und Niederösterreich sind ja die beiden Großaktionäre des
Unternehmens. Es liegt nun an Michael Häupl und Erwin Pröll, ob das
Stück prolongiert wird oder ein Ende findet. Ein Ende würde heißen:
Niederösterreich und Wien ziehen sich als Eigentümer vollständig
zurück. Dann hätte der teure Spaß wenigstens noch Sinn gemacht.

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