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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Blaue Taktik-Änderung"
Ausgabe vom 9. Dezember 2010
Wien (OTS) - Die Freiheitlichen ändern ihre Taktik, sie wollen den
Bürgern offensichtlich Vertrauen einflößender als bisher
entgegenkommen. Bei den Budgetdebatten im Nationalrat erschien H.C.
Strache im eleganten dunkelblauen Anzug, mit dezenter Krawatte,
stimmlich und inhaltlich mit angezogener Handbremse. Offener Kragen
und Pullover ist vorbei. Strache reiste - als Privatperson - nach
Israel und plauderte via FP-Pressedienst nett über das Land.
Am Freitag wird Strache mit dem Obmann des Rings Freiheitlicher
Wirtschaftstreibender, Fritz Amann, Inhaltliches zum Thema
Arbeitswelten abgeben. Amann hatte im Frühjahr Strache noch zum
Rückzug aufgefordert, nachdem dieser Barbara Rosenkranz zur
erfolglosen Präsidentschaftskandidatin gemacht hatte.
Die FPÖ will ganz offensichtlich aus der politischen Schmuddel-Ecke
kommen. Strache macht das, was Haider mit dem BZÖ vorgehabt hätte.
Jenen Imagewandel zu schaffen, der eine dauerhafte
Regierungsbeteiligung ermöglicht - und zwar sowohl mit der ÖVP als
auch mit der SPÖ.
Nazi-Sprüche und fremdenfeindliches Gegröle schlagender
Burschenschafter - das mag auch die Bevölkerung nicht. Zwar ist das
Unbehagen mit der - angeblich - untätigen und streitenden Regierung
groß, und die FPÖ liegt im Umfrage-Hoch. Doch Umfragen zeigen auch,
dass FP-Politiker desaströse Vertrauenswerte haben. Die Botschaft ist
klar: Als harte Opposition ja, in der Regierung nein.
Strache wird also staatsmännischer auftreten, und einige wenige in
der Tradition der früheren "Steger-Blauen" mit ihm. Doch die breite
FP-Funktionärsschicht dahinter wird nicht so leicht umzustimmen sein
- und sie wird vor allem nicht verschwinden. Martin Graf ist Dritter
Nationalratspräsident und Mitglied der Burschenschaft Olympia, als
"Kaderschmiede rechtsextremer Gesinnung" notorisch. Die FP-Riege im
Wiener Gemeinderat hat es auch in sich.
Ein bisschen erinnert das jetzige politische Spiel an das Märchen von
Rotkäppchen: Der Wolf war zwar im Gewand der Großmutter
biedermeierlich verkleidet - aber er blieb doch ein Wolf. SPÖ und ÖVP
wissen das, ohne dem etwas entgegenzusetzen. Was ihnen fehlt - um
beim Beispiel dieses Märchens zu bleiben -, ist der Jäger ...
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