• 07.12.2010, 19:56:47
  • /
  • OTS0280 OTW0280

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Nicht sofort, nicht gleich, jetzt!" (von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 08.12.2010

Graz (OTS) - Gratulation! Wenn Sie diese Zeitung in der Hand
haben und bis zu dieser Seite gekommen sind, dann können Sie - lesen!
Eine Selbstverständlichkeit? Auch wenn man das Ergebnis des
Pisa-Tests mit Vorbehalt genießt: Jeder Vierte 16- bis 17-jährige
Pflichtschulabgänger hat diese Kulturtechnik nicht hinreichend
erlernt. Für das Land eine demokratiepolitische und, zumal arm an
Rohstoffen, eine wirtschaftliche Katastrophe. Oder wollen wir darauf
vertrauen, dass uns der Wasserreichtum in dreißig Jahren herausreißen
wird?

Da interessiert es niemanden, ob die rote Unterrichtsministerin daran
schuld sein könnte, weil sie ihr Reformeifer stur mache; oder ihre
schwarze Vorgängerin, die viel zu wenig davon gezeigt habe; oder die
machtgierigen schwarzen Landeshäuptlinge; oder, nein, doch die Roten,
die das deficit spending verinnerlicht haben, weshalb jetzt kein Geld
da sei. Geschenkt.

Es hat da zu sein. Es muss. Jetzt. Kindergarten und Schule gehören
verbessert.

Abgesehen davon gibt Österreich selten viel Geld für Bildung aus und
die Reformer haben sogar Dutzende Pläne in der Lade, die nichts
kosten: Schuldirektoren sollen sich ihre Lehrer selbst aussuchen und
Sekretäre den Pädagogen den Verwaltungskram abnehmen. Sicher, andere
Notwendigkeiten wie echte Ganztagsschulen für alle Familien, die das
wollen, mehr Lehrer, welche die vielfältigen Muttersprachen der
Schüler beherrschen, mehr Deutschförderkurse oder eine
Hochschulausbildung für Kindergartenpädagogen sind kostspielig,
dürfen uns aber nicht teuer genug sein.

Die Bundesregierung hat den Tanker Österreich recht sicher durch die
Krise gesteuert. Als die Banken zu sichern waren, wusste sie, wie das
Gebot der Stunde lautete. Als der Euro zu retten war, handelte sie.
Innenpolitisch aber treibt der Kahn ziellos umher - bald den Bach
hinunter? Das Budget von Loipersdorf will nichts. Eine Verwaltungs-
oder Bundesstaatsreform, die ihren Namen verdient, wird nicht kommen.

Kanzler und Vizekanzler müssen Bildung endlich zur Chefsache
erklären. Werner Faymann klang gestern schon danach. Josef Pröll
putzte sich noch an Unterrichtsministerin Claudia Schmied ab.
Deklamationen alleine werden aber ohnehin nicht reichen. Auch
Faymanns Vorgänger, Alfred Gusenbauer, hatte die Bildung zum
"Herzstück" seiner Amtszeit ausgerufen.

Also, nicht sofort, nicht gleich, jetzt: Anlauf genommen und mit
einem Satz über den Graben der Ideologie gesprungen!****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel