- 07.12.2010, 15:11:41
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Gesundheitssystem: Schlechte Qualität kostet ein Vermögen
Gesundheitsleistungen müssen endlich transparent, messbar und damit vergleichbar werden

Wien (OTS) - Die Qualität der österreichischen
Gesundheitsleistungen müsse endlich transparent, messbar und damit
vergleichbar gemacht werden. Nur so sei es möglich, den Patienten
Orientierung zu geben und gleichzeitig Rechenschaft für die Kosten
abzulegen, die das System benötige. "Wir müssen Qualität messbar
machen, um die hohen Ausgaben für das Gesundheitswesen zu
legitimieren und sinnvoll zu steuern", erklärte Mag.a Sonja Wehsely,
Stadträtin für Gesundheit und Soziales in Wien, bei der
Podiumsdiskussion "Kostendruck versus Patientenorientierung - wo
bleibt die Qualität?", zu der die Vinzenz Gruppe gestern, Montag
Abend, in den Wiener Ringturm geladen hat.
Wesentlich für die Qualitätsmessung seien einheitliche
Richtlinien, auf die sich alle Partner im Gesundheitswesen
verständigen müssten. Diese Transparenz zähle neben einem einfachen
Zugang zum Gesundheitssystem und der Begegnung zwischen Arzt und
Patienten auf gleicher Augenhöhe zu den wesentlichen
vertrauensbildenden Maßnahmen. Es sei sehr wohl möglich, Qualität mit
Effizienz zu verbinden, etwa durch Kooperationen zwischen kleinen und
großen Kliniken oder die Bildung abteilungsübergreifender
medizinischer Zentren. Schlechte Qualität koste jedenfalls ein
Vermögen. Wettbewerb im Gesundheitswesen solle gefördert werden,
allerdings nicht als freies Spiel der Kräfte, sondern unter ganz
klaren Rahmenbedingungen.
Zu diesen Schlüssen kamen am Montagabend im Wiener Ringturm neben
Gesundheitsstadträtin Mag.a Wehsely, Dr. Martin Gleitsmann, Leiter
der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit der Wirtschaftskammer
Österreich und stv. Obmann der Sozialversicherungsanstalt der
gewerblichen Wirtschaft, Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der
Patientenanwälte Österreichs, Dr.in Helene Karmasin, Motivforscherin,
und Dr. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe
Krankenhausbeteiligungs- und Management GmbH.
Ein klares Bekenntnis zur Vergleichbarkeit von
Gesundheitsleistungen legte Gesundheitsstadträtin Wehsely ab. "Wir
sollten uns gemeinsam darüber verständigen, dass wir Qualität messbar
machen, denn wir brauchen einen Vergleich nicht zu scheuen", so
Wehsely. "Die Patienten müssen wissen, was mit dem Geld geschieht,
das in unser Gesundheitssystem fließt." Die Stadträtin betonte zudem,
dass Qualität im Gesundheitswesen die Kosten senke. Daher sprach sie
sich dafür aus, die Qualitätsmessung durch die Entwicklung
einheitlicher Parameter mitzugestalten und sie nicht anderen zu
überlassen.
Ein Plädoyer für die Qualität als zentralen Faktor im
Gesundheitswesen kam von Patientenanwalt Gerald Bachinger: "Studien
bestätigen, dass die Patienten mehr Informationen über die Qualität
der Leistungen wollen. Sie wollen mehr Mitentscheidungsmöglichkeiten,
wollen keine passiven Opfer sein, sondern bestens informiert und bei
der Therapie mitreden." Bachinger: "Wir haben keine
Qualitätstransparenz, daher kann man die Frage nach dem
bestgeeigneten Krankenhaus für jemanden nicht beantworten."
"Wenn man auf Qualitätssicherung im Gesundheitsbereich verzichtet,
dann droht irgendwann der Infarkt", warnt Dr. Michael Heinisch,
Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe. Die einzige Therapie, um den
Infarkt abzuwenden: "Qualität regelmäßig messen, Ergebnisse
veröffentlichen und entschlossen handeln." Neben dem offenen Umgang
mit Qualitätszahlen und der zwischenmenschlichen Begegnung ortet
Heinisch auch in der externen Prüfung von Prozessen in Krankenhäusern
vertrauensbildendes Potenzial: "Der Patient wird sich zunehmend
darauf verlassen, dass jemand stellvertretend für ihn eine Prüfung
durchführt, etwa im Rahmen von Qualitätszertifizierungen von
Spitälern. Um solche Zertifizierungen werden wir im Gesundheitssystem
nicht herumkommen", sagt der Spitalsmanager.
Ähnlich wie Patientenanwalt Bachinger sieht auch Heinisch
keinerlei Widerspruch zwischen Qualität und Kostenbewusstsein.
Qualität lässt sich nach Meinung des Geschäftsführers der Vinzenz
Gruppe gut mit Effizienz verbinden - vorausgesetzt, die Mittel werden
richtig eingesetzt. Als Beispiele nennt Heinisch Kooperationen
zwischen kleinen, spezialisierten und großen Krankenhäusern, wie etwa
die Zusammenarbeit des Herz-Jesu-Krankenhauses mit dem AKH Wien bei
der Refluxchirurgie, des St. Josef Krankenhauses mit dem Krankenhaus
Hietzing im Bereich Strahlentherapie und Nuklearmedizin oder des
Krankenhauses Göttlicher Heiland mit dem Wilhelminenspital sowie die
Bildung von medizinischen Zentren. Heinisch: "Wenn wir uns auf wenige
Dinge spezialisieren und abteilungsübergreifend am Krankheitsbild
eines Patienten arbeiten, können wir die Fallzahlen erhöhen und
qualitätvoll und effizient arbeiten." Als funktionierende Modelle für
solche Zentren führt Heinisch das Brustgesundheitszentrum St. Josef,
das Darmgesundheitszentrum Gumpendorf und das Rheumazentrum Herz-Jesu
an. "Schlechte Qualität kostet jedenfalls ein Vermögen", so Heinisch.
Weitgehende Einigkeit herrschte in der Frage des Wettbewerbs, dem
man vorsichtig positiv gegenübersteht. Es solle der Wettbewerb um die
bessere Qualität in den Mittelpunkt gestellt werden, meint etwa Dr.
Martin Gleitsmann, stv. Obmann der Sozialversicherungsanstalt der
gewerblichen Wirtschaft. Er bedauert, dass es in Österreich derzeit
noch wenig vergleichbare Daten gebe: "Es ist den Menschen im 21
Jahrhunderts zuzugestehen, dass sie aufgrund von Informationen
mitentscheiden." Motivforscherin Helene Karmasin warnt vor freier
Marktwirtschaft im Gesundheitswesen: "Beim Wettbewerb muss man
aufpassen. Gesundheit ist ein Allgemeingut. Man sollte daher Prozesse
der Marktwirtschaft übernehmen - wie etwa Prozesse des
Qualitätsmanagements, nicht aber die ideologischen Denkansätze."
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Rückfragehinweis:
Vinzenz Gruppe Krankenhausbeteiligungs- und Management GmbH Annemarie Kramser, Leitung Kommunikation Gumpendorfer Straße 108, 1060 Wien Mobil: +43 (0)664 412 50 39 E-Mail: [email protected] www.vinzenzgruppe.at
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