- 07.12.2010, 12:22:23
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Falter exklusiv: Die Grasser- Telefonprotokolle
Wien (OTS) - Telefonlauschangriff belastet Grasser-Freunde und den
Ex-Finanzminister/ Verdacht auf 800.000 Euro Schmiergeld von
Baukonzern Porr für Übersiedlung von Finanzbeamten in Immobilien des
Baukonzerns.
Die Wiener Wochenzeitung Falter berichtet in ihrer morgen,
Mittwoch, erscheinenden Ausgabe exklusiv über neue polizeiliche
Telefonabhörprotokolle in der Causa Grasser. Sie wurden dem Falter
zugespielt.
Die Polizei belauschte im Jänner und Februar dieses Jahres den
Ex-Finanzminister sowie dessen Freunde, den Lobbyisten Walter
Meischberger und den Immobilien-Makler Ernst Karl Plech, der unter
Grasser im Aufsichtsrat der staatlichen Immobiliengesellschaften
Buwog und BIG saß. Die Abschriften der Gespräche liegen dem Falter
vor. Sie sprechen eine eindeutige Sprache.
Das Bundeskriminalamt wollte ergründen, wofür rund 10 Millionen
Euro Provision im Rahmen des Buwog-Deals geflossen waren. Die Polizei
hat nach der Telefonüberwachung ihre Ermittlungen massiv ausgeweitet
und erhebt nun neue schwere Vorwürfe. In einem streng geheimen
Zwischenbericht meldet das BKA dem ermittelnden Staatsanwalt, dass
Grassers Trauzeuge in Summe 800.000 Euro "Provision" vom Baukonzern
Porr erhalten hat. Das Geld, so der Verdacht der Ermittler, floss
rund um die Übersiedlung von hunderten Finanzbeamten aus
Bundesgebäuden in Immobilien der Porr in der Wiener Brehmstraße,
sowie den Terminaltower in Linz.
Walter Meischberger hatte für die hohen Provisionen vor der
Polizei keine Erklärung anzubieten. Er gab an, dass er in Ungarn und
Rumänien für die Porr tätig gewesen sei. Doch bei der Porr konnte
sich niemand an Aufträge in Rumänien und Ungarn erinnern, viele
Manager entschlugen sich überdies der Aussage, "aus Angst vor
strafrechtlicher Verfolgung".
Vor einem weiteren Polizeiverhör telefonierte Meischberger deshalb
mit seinem Freund Grasser und mit seinem Freund Ernst Plech, der
unter Grassers Amtszeit als Aufsichtsrat in den staatlichen
Immobiliengesellschaften BIG und Buwog tätig war und nun mit Grasser
eine Immobilienfirma betreibt.
Die Gespräche haben kabarettistische Qualität und geben erstmals
Einblicke, was unter Grassers Amtszeit wirklich gelaufen ist. Grasser
Anwalt Manfred Ainedter bestätigt gegenüber dem Falter, dass es
"Ratschläge" am Telefon gab: "Karl Heinz Grasser hatte damals mit
Meischberger am Telefon beratschlagt, wie Meischberger feststellen
kann, welche Leistungen er für die Porr erbracht hat. Er riet ihm, im
Internet zu recherchieren, in welchen Ländern die Porr tätig ist,
damit er seinem Gedächtnis wieder auf die Sprünge verhilft. Es war
der harmlose Rat eines Freundes, aber keinesfalls der Versuch,
Einfluss auf seine Aussage zu nehmen".
Die Polizei, so berichtet der Falter, wollte Meischberger wegen
Verabredungsgefahr in U-Haft nehmen. Doch die Justiz sah davon ab,
weil die Beschuldigten dann volle Akteneinsicht bekommen hätten. Den
gesamten Geheimbericht zur Causa Porr, sowie nähere Details zu den
Telefonlauschangriffe lesen Sie im aktuellen Falter. Für alle
Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. Sie weisen
Korruptionsvorwürfe zurück.
Rückfragehinweis:
Dr. Florian Klenk
Stv. Chefredakteur Falter
Marc Aurelstraße 9, A-1011 Wien
Tel: +43/1/53660/924
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