- 02.12.2010, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ruttenstorfer und der Fleck auf seiner Weste - von Wolfgang Unterhuber
Sollte der OMV-Chef zum Abschied angepatzt werden?
Wien (OTS) - Die Insider-Affäre um OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer
ist um eine Nuance reicher. Bekanntlich hat er vor Kurzem eine Klage
ausgefasst, in der ihm Insiderhandel vorgeworfen wird. In einer
großen Kampagne werfen sich nun Top-Manager für Ruttenstorfer in die
Schlacht und sprechen ihm öffentlich ihre volle Unterstützung aus.
Die Affäre gehe durch die internationalen Medien und würde deshalb
dem Börsestandort Wien schaden. Außerdem sei es nichts Schlechtes,
wenn Manager Aktien ihres eigenen Unternehmens erwerben würden. Grund
für die Insider-Anklage war der Director's Deal des OMV-Chefs Ende
März 2009. Damals erwarb er um rund 600.000 Euro OMV-Aktien und
erklärte in einem Interview, dass die OMV ihren Anteil an der
ungarischen MOL auf jeden Fall bis Ende 2009 halten werde.
Dummerweise wurde der MOL-Anteil bereits eine Woche später verkauft.
Die OMV-Aktie stieg. Ruttenstorfer hatte einen Buchgewinn von 33.000
Euro.
Ist Ruttenstorfer nun ein eiskalter Fuchs? Um mit der obersten
moralischen Instanz des Wiener Finanzplatzes, Wilhelm Rasinger, zu
sprechen: Ruttenstorfer war ungeschickt. Diejenigen, die jetzt laut
nach einem Strick rufen, übersehen, dass der OMV-Chef die Aktien im
Rahmen des Incentive-Programms erworben hat und drei Jahre behalten
muss. Ruttenstorfer hatte mit Sicherheit nicht vor, sich großartig
auf Kosten anderer Aktionäre und des Unternehmens zu bereichern. Er
hätte aber wissen müssen, welches Risiko er mit seinem Deal eingeht
und dass er in seiner Rolle als Chef eines Big Players national und
international besonderen moralischen Anforderungen ausgesetzt ist.
Das noch dazu in einer Zeit, wo im Wochentakt dicke Fische aus der
Welt der Krisensümpfe geangelt wurden. Dafür wird der OMV-Chef vor
Gericht Rede und Antwort stehen müssen. Ihn jetzt aber mit der ganzen
ehrenwerten Gesellschaft zu vergleichen, gegen die seit Monaten und
Jahren ermittelt wird, wäre komplett falsch. Auffallend ist übrigens,
dass die Anklage nur wenige Monate vor seinem lang geplanten Abgang
eingetrudelt ist. Böse Zungen behaupten, dass Ruttenstorfer zum
Abschied angepatzt werden soll, um eine allfällige Spät-Karriere im
ÖIAG-Vorstand zu verhindern. Das ist natürlich Unsinn. Wir sind in
Österreich. Da sind alle immer sauber...
Rückfragehinweis:
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Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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