WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Faymann spielt in Oberösterreich mit dem Feuer - von Hans Pleininger

Die Wirtschaft wird sich einen Westring light nicht bieten lassen

Wien (OTS) - Ob das schlau war? Bundeskanzler Werner Faymann und Infrastrukturministerin Doris Bures haben erneut Oberösterreich beim Linzer Westring anrennen lassen. Sie bieten weiterhin stur eine Schmalspurvariante statt der schon zugesagten Autobahnlösung über die Donau.

Nein, es war nicht schlau, Herr Ex-Infrastrukturminister und jetziger Spar-Bundeskanzler. Denn Linz, immerhin drittgrößte Stadt Österreichs, ist werktags eine Verkehrshölle. Kein Wunder, mit zweieinhalb Donaubrücken ist dieser wirtschaftlich pulsierende Großraum heillos unterversorgt.

Wie es ausschaut, wird sich diesmal Oberösterreichs Wirtschaft und Politik nicht von Wien abspeisen lassen. Über viele Parteigrenzen hinweg wird in seltener Einigkeit - wie das sonst nur beim Kampf gegen Temelin sichtbar ist - dem Bund die Stirn geboten. Landeshauptmann Josef Pühringer pocht auf die volle Zusage des 527-Millionen Euro-Projekts. Einen Westring light, also eine Landstraße um 200 Millionen Euro, wird sich die Wirtschaft nicht gefallen lassen. Weil eine "Zwergerlautobahn" zu kurz greift - also jetzt ein bisschen bauen, später merken, dass alles zu klein ist, um dann weit teurer zu reparieren und richtig auszubauen.

Oberösterreich braucht die große Straße. Schon jetzt produziert das Industrieland 27 Prozent aller Exporte Österreichs. Weniger wird es sicher nicht. Zigtausende Oberösterreicher müssen täglich durchs Nadelöhr Linz in den Zentralraum ein- und auspendeln, oder richtiger gesagt: im Stau stehen. Von der Lkw-Karawane durch die Stadt gar nicht reden.

Für Oberösterreich ist das Problem nicht mehr lustig. Für Faymann, Bures und Finanzminister Josef Pröll auch nicht, sollten sich alle wichtigen Oberösterreicher in Wien stark machen. Der Einfluss ist beträchtlich. Nur hat sich Oberösterreich bislang zurückgehalten. Doch immer öfter hört man, dass Oberösterreich der größte Nettozahler in die Bundeskasse ist. Aber um das geht es nicht. Sondern es geht darum, dass Linz ohne Westring zur Verkehrsprovinz wird, wie das Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl ausdrückt. Er muss es wissen: als Eferdinger, aufgewachsen im Speckgürtel von Linz. Vielleicht sollte Wirtschaftsminister und Wochenpendler Reinhold Mitterlehner den Bundeskanzler und seinen Parteiobmann mit nach Hause ins Mühlviertel nehmen - und Montagfrüh mit Faymann und Pröll nach Linz stauen. Viel Spaß. Den wird der Bund auch mit Pühringer im neuen Jahr haben, wenn der oberste Westring-Kämpfer auch als neuer Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz in Wien grüßt und zwickt.

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001