- 30.11.2010, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Faymann spielt in Oberösterreich mit dem Feuer - von Hans Pleininger
Die Wirtschaft wird sich einen Westring light nicht bieten lassen
Wien (OTS) - Ob das schlau war? Bundeskanzler Werner Faymann und
Infrastrukturministerin Doris Bures haben erneut Oberösterreich beim
Linzer Westring anrennen lassen. Sie bieten weiterhin stur eine
Schmalspurvariante statt der schon zugesagten Autobahnlösung über die
Donau.
Nein, es war nicht schlau, Herr Ex-Infrastrukturminister und jetziger
Spar-Bundeskanzler. Denn Linz, immerhin drittgrößte Stadt
Österreichs, ist werktags eine Verkehrshölle. Kein Wunder, mit
zweieinhalb Donaubrücken ist dieser wirtschaftlich pulsierende
Großraum heillos unterversorgt.
Wie es ausschaut, wird sich diesmal Oberösterreichs Wirtschaft und
Politik nicht von Wien abspeisen lassen. Über viele Parteigrenzen
hinweg wird in seltener Einigkeit - wie das sonst nur beim Kampf
gegen Temelin sichtbar ist - dem Bund die Stirn geboten.
Landeshauptmann Josef Pühringer pocht auf die volle Zusage des
527-Millionen Euro-Projekts. Einen Westring light, also eine
Landstraße um 200 Millionen Euro, wird sich die Wirtschaft nicht
gefallen lassen. Weil eine "Zwergerlautobahn" zu kurz greift - also
jetzt ein bisschen bauen, später merken, dass alles zu klein ist, um
dann weit teurer zu reparieren und richtig auszubauen.
Oberösterreich braucht die große Straße. Schon jetzt produziert das
Industrieland 27 Prozent aller Exporte Österreichs. Weniger wird es
sicher nicht. Zigtausende Oberösterreicher müssen täglich durchs
Nadelöhr Linz in den Zentralraum ein- und auspendeln, oder richtiger
gesagt: im Stau stehen. Von der Lkw-Karawane durch die Stadt gar
nicht reden.
Für Oberösterreich ist das Problem nicht mehr lustig. Für Faymann,
Bures und Finanzminister Josef Pröll auch nicht, sollten sich alle
wichtigen Oberösterreicher in Wien stark machen. Der Einfluss ist
beträchtlich. Nur hat sich Oberösterreich bislang zurückgehalten.
Doch immer öfter hört man, dass Oberösterreich der größte Nettozahler
in die Bundeskasse ist. Aber um das geht es nicht. Sondern es geht
darum, dass Linz ohne Westring zur Verkehrsprovinz wird, wie das
Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl ausdrückt. Er muss es
wissen: als Eferdinger, aufgewachsen im Speckgürtel von Linz.
Vielleicht sollte Wirtschaftsminister und Wochenpendler Reinhold
Mitterlehner den Bundeskanzler und seinen Parteiobmann mit nach Hause
ins Mühlviertel nehmen - und Montagfrüh mit Faymann und Pröll nach
Linz stauen. Viel Spaß. Den wird der Bund auch mit Pühringer im neuen
Jahr haben, wenn der oberste Westring-Kämpfer auch als neuer
Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz in Wien grüßt und zwickt.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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