- 29.11.2010, 14:12:51
- /
- OTS0200 OTW0200
ÖGDV: Haut und Seele im Wechselspiel - Gründung einer Arbeitsgruppe für Psychodermatologie
Wien (OTS) - Psychische Störungen äußern sich nicht selten in
Hautsymptomen, dermatologische Erkrankungen können die Psyche schwer
in Mitleidenschaft ziehen. Das Spektrum reicht vom Leidensdruck durch
eine Fieberblase, Neurodermitis, Psoriasis bis zu schwer
psychiatrischen Zustandsbildern mit Selbstverunstaltung von
Körperteilen. Der Leidensdruck der Betroffenen als auch deren
Angehörigen ist hoch. Um sich vermehrt diesem Themenbereich
anzunehmen plant die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie
und Venerologie eine Arbeitsgruppe für Psychodermatologie zu gründen.
Die Haut schützt nicht nur den Körper vor schädlichen
Umwelteinflüssen und erfüllt wichtige Aufgaben für Stoffwechsel und
Immunabwehr, sie vermittelt auch Sinneseindrücke und steht in enger
Beziehung zu unserem Seelenleben. Die Beziehung zwischen Haut und
Seele ist eng und funktioniert in beide Richtungen: Zum einen
erzeugen Hautkrankheiten einen erheblichen psychischen Leidensdruck,
zum anderen äußern sich psychische Probleme oft in Hautsymptomen. Die
große Gruppe der psychokutanen Krankheiten wird in psychiatrische,
psychosomatische und somatopsychische Krankheitsbilder unterteilt.
Rund ein Drittel von psychosomatischen Hauterkrankungen betroffen
Bei psychosomatischen Hauterkrankungen handelt es sich um
Hauterkrankungen, für deren Entstehung und Verarbeitung
psychosomatische Aspekte eine bedeutende Rolle spielen. Hier sind
unter anderem Psoriasis, Neurodermitis, Akne sowie Nesselsucht
(Urtikaria) aber auch Fieberblasen (Herpes labialis) zu nennen.
Stress spielt dabei oft eine große Rolle: "Psychologischer Stress ist
unbestreitbar ein wesentlicher Triggerfaktor für entzündliche
Dermatosen. Geschätzt rund ein Viertel aller behandelten Patienten in
der Ambulanz finden sich mit psychosomatischen Haut-Problemen
belastet. Etwa 30, 40 bzw. 70 Prozent der Neurodermitis-, Psoriasis-
bzw. Akneschübe scheinen durch Stressfaktoren ausgelöst zu sein",
fasst Prim. Univ. Prof. Dr. Josef Auböck, Abteilung für Dermatologie
und Venerologie, Allgemeines Krankenhaus der Stadt Linz, zusammen.
Stress wirkt sich aber auch auf die Wundheilung aus. "Wie eine
aktuelle Übersichtsarbeit zeigt, ist Stress sogar mit einer
verschlechterten Wundheilung bzw. mit der Dysregulation von
wundheilungs-assoziierten Biomarkern vergessellschaftet", so der
Dermatologe weiter.
Hoher Leidensdruck, soziale Ausgrenzung, Suizid als Folge
Bei den somatopsychischen Hauterkrankungen stehen körperliche
Aspekte im Vordergrund und die seelischen Probleme entstehen bei der
Krankheitsbewältigung. In diese Gruppe fallen chronische,
fortschreitende und entstellende Hautkrankheiten. Worunter
beispielsweise auch das maligne Melanom, der schwarze Hautkrebs
fällt, der am häufigsten tödlich verlaufende Hautkrankheit mit
weltweit stark steigender Anzahl an Neuerkrankungen. Weiter fallen
darunter aber auch der Lupus erythematodes, eine systemischen
Autoimmunerkrankung, die sich durch Rötungen im Gesicht zeigt, die
Wolfsbissen ähneln und vorwiegend Frauen im gebährfähigen Alter
betreffen kann. "Die Betroffenen dieser Erkrankungen sind nicht nur
körperlich geplagt, sondern müssen oft zusätzlich unter sozialer
Ausgrenzung leiden. Bei Hautkrankheiten, die besonders entstellend
sind, kann das über Depressionen oft bis zum Tod führen", fasst Dr.
Auböck zusammen.
Oft bis zur Selbstverstümmelung
Bei den psychiatrischen Hauterkrankungen stehen psychische Aspekte
im Vordergrund. Ursache können Traumatisierungen im Kindesalter und
Persönlichkeitsstörungen wie das Boderline-Syndrom sein. In diese
Gruppe fallen Störungen wie Pruritus sine materie, ein starker
Juckreiz ohne organisch fassbarer Ursache, Dysästhesien,
Sensibilitätsstörungen, bei der eintreffende Reize in ihrer Qualität
verstärkt und auch meist als unangenehm oder schmerzhaft empfunden
werden. Weiters fällt in diese Gruppe auch die Dermatitis artefacata.
Bei diesem oftmals schwer zu erkennenden Krankheitsbild fügen sich
die Betroffenen selbst Verletzungen auf der Haut zu, beispielsweise
durch aggressive Substanzen, die Symptome von Hautkrankheiten
imitieren sollen. "Leider gelingt das den Patienten oft allzu gut.
Beispielsweise habe ich Patienten erlebt, die sich Fäkalkeime unter
die Haut geführt haben. Dies hat zu schweren Schädigungen bis hin zur
Amputation von Körperteilen geführt", erläutert Dr. Auböck.
Gründung einer Arbeitsgruppe für Psychodermatologie
Psychokutane Krankheiten nehmen zu. "Daher ist es auf jeden Fall
wichtig, sich in der ursprünglich 'rein organischen' Fachrichtung
Dermatologie vermehrt mit seelischen und psychosozialen Problemen zu
beschäftigen, d. h. mit den Ursachen, Auslösern, zu chronischem
Verlauf beitragend, rückfallgefährdet - und vor allem mit
Alltags-Beeinträchtigungen belastend. Dieser Entwicklung gilt es in
der Arbeitsgruppe gerecht zu werden", so Dr. Auböck. Darüber hinaus
soll die Arbeitsgruppe eine Gesprächsplattform für alle im
Gesundheitsbereich tätigen Institutionen und Organisationen in Fragen
Psychodermatologie schaffen. "Da viele Erscheinungen auf der Haut
meist nur die Spitze des Eisberges sind, und von Hautkrankheiten
oftmals auch innere Organe betroffen sind, ist die
fächerübergreifende Arbeit in der Dermatologie besonders wichtig", so
Dr. Auböck abschließend.
Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und
Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in
einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide
Geschlechter bezogen.
Rückfragehinweis:
Welldone GmbH, Werbung und PR
Mag. Elisabeth Kranawetvogel | Mag. Nina Bennett | Public Relations
Lazarettgasse 19/4.OG, 1090 Wien
Tel.: 01/402 13 41-40, bzw. -37 | e-Mail: [email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WDM






