"Kleine Zeitung" Leitartikel: "Wer beim Klimaschutz resigniert, wird verlieren" (Von Günter Pilch)

Ausgabe vom 29.11.2010

Graz (OTS/Pressestimmen) - Wenn die UNO heute in Mexiko zur gemeinsamen Rettung des Weltklimas bläst, liegen die Erwartungen niedrig. Zu nahe sind die Bilder von der erfolglosen Konfreenz in Kopenhagen im Vorjahr. Was in Dänemark nicht möglich war, wird auch in Mexiko nicht gelingen, prophezeien Beobachter.

Tatsächlich stehen die Chancen schlecht, dass sich die Staatengemeinschaft auf ein verbindliches Klimaschutzabkommen einigt. Hauptverantwortlich dafür sind die USA und China, die zusammenmehr als 40 Prozent des globalen Treibhausgasausstroßes verantworten und sich beide vertraglich nicht festnageln lassen werden.

Angesichts des immer weiter wachsenden chinesischen Energiehungers mögen sich kleinere Staaten wie Österreich versucht sehen, ihre Handlungsbereitschaft resignierend zurückzuschrauben. Doch wer so denkt, hat bereits verloren.

Die ersten Auswirkungen der Erderwärmung sind schon spürbar. Dabei liegt das globale Temperaturmittel heute gerade 0,8 Grad Celsius über den vorindustriellen Werten. Bleiben wir untätig, dürften es gegen Ende des Jahrhunderts vier bis fünf Grad sein. So heiß war es auf diesem Planeten das letzte Mal vor 50 Millionen Jahren, lange bevor es Menschen gab.

Inzwischen verfügt die westliche Welt über einen Rekordstand an Wissen, Geld und Technologie. Wir können fast alles, bauen pro Jahr 65 Millionen Autos, pumpen Öl und Gas quer über Kontinente, konstruieren Mikrochips im Nanometerbereich. Und wir haben uns auf Basis unseres Wissens dem Ziel verschrieben, die globale Temperatur um nicht mehr als zwei Grad ansteigen zu lassen.

Um das zu erreichen, muss der weltweite Treibhausgasausstoß bis 2050 zumindest auf die Hälfte reduziert werden. Geht man davon aus, dass die Weltwirtschaft bis dahin jährlich um etwas mehr als zwei Prozent wächst, wird die Monstrosität dieser Herausforderung deutlich. Demnach müsste der Treibhausgasausstoß pro Produkteinheit um ganze 80 Prozent absinken.

Dazu bedarf es Investitionen. Investitionen, die sich mittelfristig rechnen werden: über eingesparte Ausgaben für Öl, Gas und Kohle und die vermiedenen Kosten für die Folgen des Klimawandels, die um ein Vielfaches höher liegen würden. Dazu kommt das wirtschaftliche Potenzial der alternativen Technologien. Gerade die Chinesen haben das erkannt und wollen die Märkte erobern.

Wer bei diesem Wettrennen mit dabei sein will, muss sich beeilen. Wer resigniert, bekommt die Rechnung am Ende des Tages doppelt präsentiert. ****

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