"Kleine Zeitung" Kommentar: "Belohnen von Aggression ist leider ohne Alternative" (von Bernhard Bartsch)

Ausgabe vom 24.11.2010

Graz (OTS) - Nordkoreas Diktator Kim Jong-il hat eine
eigenwillige Art, der Welt Verhandlungen anzubieten. Erst führte er US-Wissenschaftlern eine neue Nuklearfabrik vor, die zur Herstellung von atomwaffenfähigem Uran verwendet werden könnte - eine offene Aufrüstungsdrohung. Und dann ließ er unvermittelt Granaten auf eine südkoreanische Insel schießen - eine klare Warnung, dass er zu Gewalt bereit ist, wenn er nicht bekommt, was er will.

In anderen Ländern würden derartige Provokationen wohl Sanktionen und womöglich militärische Vergeltungsschläge hervorrufen. Doch in Nordkorea ist Aggression bisher letztlich immer belohnt worden. Seit Nordkoreas zweitem Atombombentest im Mai 2009 sind alle Bemühungen zur Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen den beiden Koreas, den USA, China, Japan und Russland gescheitert. Die Positionen sind verhärtet: Die Amerikaner wollen erst an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn Nordkorea sein Nuklearprogramm eingestellt hat, doch genau dafür wollen die Nordkoreaner Gegenleistungen bekommen, darunter die Aufhebung der UNO-Sanktionen und Hilfslieferungen.

Je aggressiver Nordkorea auftritt, umso mehr gerät Washington unter Druck, seine harte Position aufzugeben. Vor allem die Südkoreaner, aber auch die Japaner haben Angst vor einer weiteren atomaren Aufrüstung des Regimes, und auch den Amerikanern graust davor, dass Pjöngjang sein Nuklearwaffenarsenal vergrößern und verbessern könnte.

Eine Variante wäre nun, den Kollaps des Systems herbeizuführen -militärisch oder durch eine wirtschaftliche Totalblockade, bis die Nordkoreaner vor lauter Elend gegen ihre Tyrannen aufbegehren. Doch abgesehen von den unsicheren Erfolgsaussichten: An einem Zusammenbruch Nordkoreas hat keine Seite ein Interesse. Die Südkoreaner fürchten eine teure Wiedervereinigung, die Chinesen wollen Nordkorea als exklusive Einflusszone behalten und die USA, China und Russland sehen in dem Land einen willkommenen Pufferstaat zwischen ihren Einflusszonen.

Die andere Strategie wäre die erneute Einbindung Nordkoreas. Zwar ist wohl niemand so naiv, ernsthaft auf eine völlige Denuklearisierung Nordkoreas zu hoffen. Doch Pjöngjangs Aggressivität ist allemal leichter zu kontrollieren, wenn die Kims nicht auf Konfrontationskurs sind, sondern sich von Verhandlungen Vorteile erhoffen können. So war es in der Vergangenheit. Und so wird es auch in Zukunft wieder sein.****

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