- 23.11.2010, 19:43:22
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Belohnen von Aggression ist leider ohne Alternative" (von Bernhard Bartsch)
Ausgabe vom 24.11.2010
Graz (OTS) - Nordkoreas Diktator Kim Jong-il hat eine
eigenwillige Art, der Welt Verhandlungen anzubieten. Erst führte er
US-Wissenschaftlern eine neue Nuklearfabrik vor, die zur Herstellung
von atomwaffenfähigem Uran verwendet werden könnte - eine offene
Aufrüstungsdrohung. Und dann ließ er unvermittelt Granaten auf eine
südkoreanische Insel schießen - eine klare Warnung, dass er zu Gewalt
bereit ist, wenn er nicht bekommt, was er will.
In anderen Ländern würden derartige Provokationen wohl Sanktionen und
womöglich militärische Vergeltungsschläge hervorrufen. Doch in
Nordkorea ist Aggression bisher letztlich immer belohnt worden. Seit
Nordkoreas zweitem Atombombentest im Mai 2009 sind alle Bemühungen
zur Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen den beiden
Koreas, den USA, China, Japan und Russland gescheitert. Die
Positionen sind verhärtet: Die Amerikaner wollen erst an den
Verhandlungstisch zurückkehren, wenn Nordkorea sein Nuklearprogramm
eingestellt hat, doch genau dafür wollen die Nordkoreaner
Gegenleistungen bekommen, darunter die Aufhebung der UNO-Sanktionen
und Hilfslieferungen.
Je aggressiver Nordkorea auftritt, umso mehr gerät Washington unter
Druck, seine harte Position aufzugeben. Vor allem die Südkoreaner,
aber auch die Japaner haben Angst vor einer weiteren atomaren
Aufrüstung des Regimes, und auch den Amerikanern graust davor, dass
Pjöngjang sein Nuklearwaffenarsenal vergrößern und verbessern könnte.
Eine Variante wäre nun, den Kollaps des Systems herbeizuführen -
militärisch oder durch eine wirtschaftliche Totalblockade, bis die
Nordkoreaner vor lauter Elend gegen ihre Tyrannen aufbegehren. Doch
abgesehen von den unsicheren Erfolgsaussichten: An einem
Zusammenbruch Nordkoreas hat keine Seite ein Interesse. Die
Südkoreaner fürchten eine teure Wiedervereinigung, die Chinesen
wollen Nordkorea als exklusive Einflusszone behalten und die USA,
China und Russland sehen in dem Land einen willkommenen Pufferstaat
zwischen ihren Einflusszonen.
Die andere Strategie wäre die erneute Einbindung Nordkoreas. Zwar ist
wohl niemand so naiv, ernsthaft auf eine völlige Denuklearisierung
Nordkoreas zu hoffen. Doch Pjöngjangs Aggressivität ist allemal
leichter zu kontrollieren, wenn die Kims nicht auf Konfrontationskurs
sind, sondern sich von Verhandlungen Vorteile erhoffen können. So war
es in der Vergangenheit. Und so wird es auch in Zukunft wieder
sein.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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