GLOBAL 2000 warnt: Risikobewertung der europäischen Behörde von Industrie gekauft

Recherchen des Mitteldeutschen Rundfunks (mdr) belegen massive Interessenkonflikte innerhalb der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit

Wien (OTS) - Recherchen des Mitteldeuschen Rundfunks (mdr), die GLOBAL 2000 exklusiv vorliegen, belegen, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in ihrer Arbeit nicht unabhängig agiert. Entgegen ihres Auftrages einer Risikobewertung unter Maßgabe aller wesentlichen wissenschaftlichen Erkenntnisse, berücksichtigt die EFSA im Wesentlichen die Daten, die sie von der Industrie zur Verfügung gestellt bekommt. "Das mdr-Dossier legt nahe, dass für die Risikobewertung von Bisphenol A entscheidende Gremiumsmitglieder und wissenschaftliche BeraterInnen der EFSA gleichzeitig im Sold der Lebensmittelindustrie stehen. Sie erhalten Stipendien und Projektförderungen von den 'Big Players' der chemischen Industrie, wie etwa 'Dow Chemicals'. Ein derartiger Interessenskonflikt erklärt, warum die EFSA-Bewertungen häufig wie Gefälligkeitsgutachten zu Gunsten der Industrie ausfallen", erklärt Daniela Hoffmann, Chemie-Expertin der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000.
Die überwiegende Mehrheit der Studien zur hormonell wirksamen Chemikalie Bisphenol A belegen die Risiken dieser Substanz. Dennoch hält die EFSA an einem viel zu hohen Grenzwert für die tägliche Aufnahme fest. Somit bleibt der Einsatz von Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen - laut WHO die Haupteintragsquelle der Chemikalie in den Menschen - unbeschränkt.
Eine Metastudie des US-Toxikologen Frederick vom Saal legt nahe, dass Studienergebnisse zur Wirkung von Bisphenol A hauptsächlich durch den Geldgeber der Studien bestimmt werden. So zeigt keine der industriefinanzierten Studien gesundheitsrelevante Effekte, während die überwiegende Mehrheit der unabhängigen Studien Niedrig-Dosis-Effekte der Chemikalie nachweisen.
"Nach dem Motto, beiß nicht die Hand, die dich füttert, fallen die Bewertungen der Behörde aus. Studien, die nicht von der Inustrie finanziert wurden, fallen unter den Tisch. Damit wird de facto die EFSA zu einem Risiko für die Konsumentinnen und Konsumenten", so Hoffmann.
" Die wissenschaftlichen Fakten belegen das Risiko von BPA. Nachdem jetzt offen kund ist, dass man der Bewertung durch die EFSA nicht trauen kann, muss Minister Stöger zumindest das im September angekündigte nationalstaatliche Verbot von Bisphenol A in kindernahen Produkten umgehend umsetzen. GLOBAL 2000 wird sich weiter für ein Verbot der Risiko-Chemikalie in allen Lebensmittelverpackungen engagieren. Denn BPA darf nicht mit Lebensmitteln in Berührung kommen", so Hoffmann abschließend.

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