"Kleine Zeitung" Kommentar: "Mit Stallorder hätte sich Red Bull selbst besiegt" (Von Gerald Pototschnig)

Ausgabe vom 15.11.2010

Graz (OTS) - Red-Bull-Chef und -Erfinder Dietrich Mateschitz
hatte schon immer ein Faible für alles, was fliegt und was schnell fährt. Zwar müsste man deshalb nicht gleich zwei Formel-1-Rennställe kaufen. Andererseits, wenn man es sich leisten kann? Viel bessere und weltweit sichtbarere Werbeflächen gibt es nicht.
Doch schon als Mateschitz vor 15 Jahren beim Sauber-Rennstall in die Formel 1 eingestiegen ist, wollte er nicht nur Sponsor spielen. Er kaufte sich als Miteigentümer ein, er wollte mitentscheiden und vor allem wollte er mitgestalten. Als Mateschitz das bei Sauber nicht mehr nach seinen Vorstellungen konnte, besorgte er sich eigene Rennställe. Red Bull war mit der Prämisse, mehr Farbe und mehr Spaß in den sterilen Grand-Prix-Zirkus zu bringen, angetreten. Die ersten Rennautos wurden auf Privatinseln und in Hafen-Docks präsentiert, man logiert in Monaco auf einem überdimensionalen Floß und lädt die Formel 1 zu Hollywood-Premieren ein.
Weil man Formel-1-Rennen aber nicht auf Partys gewinnt, ist das nur die Fassade, das schrille Äußere. Dahinter gruppierte Dietrich Mateschitz die genialsten Köpfe der Branche um seine Boliden. Allen voran Star-Designer Adrian Newey, der mit 9 Millionen Euro Jahresgage mehr verdient als die meisten Formel-1-Piloten.
Man ist nach einem Fünfjahresplan losgefahren. Pünktlich im fünften Jahr hatte Sebastian Vettel schon 2009 den WM-Titel vor Augen, aber durch teils mangelnde Reife noch verspielt. Heuer hatte Red Bull das schnellste Auto. Hatte mit Vettel und Mark Webber die schnellste Pilotenpaarung. Aber war trotz des bereits eine Woche zuvor sicher gestellten Marken-WM-Titels mit dem Rücken zur Wand ins gestrige Finale gegen Ferrari und Fernando Alonso gestartet.
Red Bull hatte anfangs die Haltbarkeit der Schnelligkeit geopfert. Vettel und Webber haben zu den ungünstigsten Zeitpunkten Unfälle gebaut. Von Istanbul, wo sich die beiden gegenseitig torpediert haben, und vom geplatzten Motor knapp vor dem Sieg in Korea ganz zu schweigen.
Mit der Stallorder-Diskussion hat Red Bull die Formel 1 gespalten. Damit, keinen seiner Piloten zur Nummer eins zu erklären, hat man sich mehr Kritik als Respekt eingehandelt. Aber die Hartnäckigkeit hat Herrn Mateschitz und seinem Team recht gegeben. Hätten sie, wie gefordert, alles auf den in der WM lange in Führung gelegenen, am Ende aber ins Schleudern geratenen Mark Webber gesetzt, dann wären Österreich und Red Bull heute nicht Formel-1-Weltmeister. ****

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