• 14.11.2010, 20:10:54
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Mit Stallorder hätte sich Red Bull selbst besiegt" (Von Gerald Pototschnig)

Ausgabe vom 15.11.2010

Graz (OTS) - Red-Bull-Chef und -Erfinder Dietrich Mateschitz
hatte schon immer ein Faible für alles, was fliegt und was schnell
fährt. Zwar müsste man deshalb nicht gleich zwei Formel-1-Rennställe
kaufen. Andererseits, wenn man es sich leisten kann? Viel bessere und
weltweit sichtbarere Werbeflächen gibt es nicht.
Doch schon als Mateschitz vor 15 Jahren beim Sauber-Rennstall in die
Formel 1 eingestiegen ist, wollte er nicht nur Sponsor spielen. Er
kaufte sich als Miteigentümer ein, er wollte mitentscheiden und vor
allem wollte er mitgestalten. Als Mateschitz das bei Sauber nicht
mehr nach seinen Vorstellungen konnte, besorgte er sich eigene
Rennställe. Red Bull war mit der Prämisse, mehr Farbe und mehr Spaß
in den sterilen Grand-Prix-Zirkus zu bringen, angetreten. Die ersten
Rennautos wurden auf Privatinseln und in Hafen-Docks präsentiert, man
logiert in Monaco auf einem überdimensionalen Floß und lädt die
Formel 1 zu Hollywood-Premieren ein.
Weil man Formel-1-Rennen aber nicht auf Partys gewinnt, ist das nur
die Fassade, das schrille Äußere. Dahinter gruppierte Dietrich
Mateschitz die genialsten Köpfe der Branche um seine Boliden. Allen
voran Star-Designer Adrian Newey, der mit 9 Millionen Euro Jahresgage
mehr verdient als die meisten Formel-1-Piloten.
Man ist nach einem Fünfjahresplan losgefahren. Pünktlich im fünften
Jahr hatte Sebastian Vettel schon 2009 den WM-Titel vor Augen, aber
durch teils mangelnde Reife noch verspielt. Heuer hatte Red Bull das
schnellste Auto. Hatte mit Vettel und Mark Webber die schnellste
Pilotenpaarung. Aber war trotz des bereits eine Woche zuvor sicher
gestellten Marken-WM-Titels mit dem Rücken zur Wand ins gestrige
Finale gegen Ferrari und Fernando Alonso gestartet.
Red Bull hatte anfangs die Haltbarkeit der Schnelligkeit geopfert.
Vettel und Webber haben zu den ungünstigsten Zeitpunkten Unfälle
gebaut. Von Istanbul, wo sich die beiden gegenseitig torpediert
haben, und vom geplatzten Motor knapp vor dem Sieg in Korea ganz zu
schweigen.
Mit der Stallorder-Diskussion hat Red Bull die Formel 1 gespalten.
Damit, keinen seiner Piloten zur Nummer eins zu erklären, hat man
sich mehr Kritik als Respekt eingehandelt. Aber die Hartnäckigkeit
hat Herrn Mateschitz und seinem Team recht gegeben. Hätten sie, wie
gefordert, alles auf den in der WM lange in Führung gelegenen, am
Ende aber ins Schleudern geratenen Mark Webber gesetzt, dann wären
Österreich und Red Bull heute nicht Formel-1-Weltmeister. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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