Wien: Große Demonstration für die Christen im Irak

Rund 3.000 aus dem Zweistromland stammende Christen zogen vom Stephansplatz zur irakischen Botschaft - Totengedenken in der Karlskirche

Wien (OTS) - Wien, 13.11.10 (PEW) Rund 3.000 aus dem Irak
stammende Christen unterschiedlicher Konfession beteiligten sich am Samstag in Wien an einer Solidaritätsdemonstration für die Christen im Zweistromland. An der Demonstration im Gedenken an die mehr als 50 Opfer des islamistischen Überfalls auf die syrisch-katholische Kathedrale von Bagdad am 31. Oktober nahmen auch Repräsentanten aus Kirche und Politik teil, unter ihnen die Weihbischöfe Franz Scharl (Wien) und Andreas Laun (Salzburg) sowie der Präsident der Stiftung "Pro Oriente", Hans Marte. Ausgehend vom Stephansplatz zog die Demonstration über die Kärntner Straße zur irakischen Botschaft in der Johannesgasse. Dort formierte sich eine Prozession zur Karlskirche, wo Weihbischof Laun einem Totengedenken für die christlichen Opfer des islamistischen Terrors im Irak vorstand.

Bei der Demonstration wurden zahlreiche Plakate mitgetragen, die auf die dramatische Lage der Christen im Irak Bezug nahmen: U.a. hieß es auf den Plakaten "Rettet die Christen im Irak" und "Wieviel Blut soll noch fließen?" Ein Plakat nahm ausdrücklich auf die blutigen Verfolgungen durch die damalige osmanische Regierung während des Ersten Weltkriegs Bezug; die mit Wien und Berlin verbündete Regierung in Konstantinopel wurde damals von der jungtürkischen Bewegung für Einheit und Fortschritt (Ittihad ve Terakki) gestellt. Auf dem Plakat hieß es wörtlich: "Der Genozid - Seyfo - von 1915 wiederholt sich". Mit dem Begriff "Seyfo" (Schwert) bezeichnen die Christen im östlichen Anatolien und Mesopotamien die von der osmanischen Regierung generalstabsmäßig durchgeplante Verfolgung ab 1915, die sich bis in die frühen zwanziger Jahre hinzog. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demonstration skandierten Slogans wie "Stoppt die Massaker" und "Wir bleiben Christen". Bei der Demonstration wurden auch Fahnen der Assyrischen Nationalbewegung und das Emblem des "Sterns von Assur" mitgetragen, der für den Stern von Bethlehem steht und zugleich auch ein Symbol des Namens Jesu ist.

Zu der Demonstration hatten die Wiener Pfarrgemeinden der chaldäisch-katholischen Kirche, der Apostolischen Kirche des Ostens und der syrisch-orthodoxen Kirche gemeinsam mit Kultur-, Sport- und politischen Organisationen der in Österreich lebenden Christen aus Ostanatolien und Mesopotamien eingeladen. Eine ähnliche Demonstration wie in Wien hatte bereits am Samstagvormittag in Brüssel stattgefunden, weitere Demonstrationen sind am Sonntag in Paris und Stockholm vorgesehen.

In einer Erklärung der Veranstalter der Wiener Demonstration hieß es wörtlich: "Alle Kirchen, Institutionen und Vereine der Christen aus Mesopotamien in Österreich trauern mit den Familien der Opfer vom 31. Oktober und verurteilen diesen unmenschlichen Angriff der Terroristen". Es sei nicht das erste Mal seit 2003 gewesen, dass Kirchen im Irak angegriffen wurden. Begonnen habe es am 1. August 2004, als fünf Kirchen in Bagdad und Mossul während der Sonntagabendmesse attackiert und Dutzende von Menschen getötet oder verletzt wurden. "Seitdem nehmen die Angriffe auf christliche Bürger, auf Priester und Bischöfe, auf christliche Gotteshäuser kein Ende mehr", betonten die Veranstalter der Demonstration. Sowohl die irakische Regierung als auch die Koalitionstruppen seien Zeugen dieser Grausamkeiten; trotzdem habe es bisher keine wirksamen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der christlichen Bevölkerung gegeben.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demonstration appellierten an Bundespräsident Heinz Fischer, an die Bundesregierung und an den Nationalrat, Solidarität mit den Christen im Irak zu zeigen und sie in ihrem Überlebenskampf zu unterstützen. Eine schnelle politische Reaktion könne den internationalen Druck erhöhen, damit die Christen im Irak - und auch andere religiöse Minderheiten - im Nahen Osten bleiben und in Sicherheit leben können. Das "systematisch organisierte Massaker" im Irak müsse gestoppt werden, eine internationale Kommission solle die "geplante ethnische Säuberung" im Irak untersuchen und eine Strategie ausarbeiten, die das Überleben der Christen im Irak und in anderen Ländern des Nahen Ostens sichert.

Der heutige Irak war ursprünglich eines der Kernländer der orientalischen Christenheit. Die Apostolische Kirche des Ostens -deren Patriarch zunächst in Seleukia-Ktesiphon und dann in Bagdad seinen Sitz hatte - trug die Botschaft des Evangeliums in den Iran, nach Zentralasien, auf die arabische Halbinsel, nach Indien, China, Japan und Indonesien. (ende)

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