- 11.11.2010, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Nichts geht mehr in der Weltwirtschaft - von Michael Laczynski
Der G20-Gipfel ist ein Schlussstrich unter die Ära der Kooperation
Wien (OTS) - Es hätte ein aufgelegter Elfer für Barack Obama sein
müssen: Das Freihandelsabkommen zwischen den USA und Südkorea ist
fertig ausverhandelt - der Deal wurde noch von Obamas Vorgänger
George W. Bush fixiert und müsste sich daher einer überparteilichen
Unterstützung erfreuen - Südkorea ist ein wichtiger Verbündeter in
Fernost und außerdem findet der G20-Gipfel ausgerechnet in Seoul
statt. Was läge also näher, als die Gastgeber mit einer netten Geste
zu erfreuen? Kleine Geschenke erhalten bekanntlich die Freundschaft.
Aber nichts da: Obamas Verhandlungen mit Südkoreas Staatschef Lee
Myung Bak endeten gestern ohne Ergebnisse - ebenso wie das Gespräch
mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao, in dessen Mittelpunkt die
Währungen der beiden Länder gestanden sind. Kein Wunder, dass der
kanadische Premier Stephen Harper verzagt war, als er nach den
Fortschritten bei den Verhandlungen gefragt wurde. Er sei "nicht
sicher", ob es noch gelingen werde, eine Lösung für die Probleme der
Weltwirtschaft zu finden.
Was getan werden müsste, ist kein Geheimnis. Zu lange hat sich die
Welt darauf verlassen, dass die USA mit ihrem Konsum (am Höhepunkt
der großen Kreditsause machte er gut ein Fünftel des globalen
Verbrauchs aus) die Konjunktur am Laufen halten. Dazu sind die USA
nicht mehr in der Lage - im Gegenteil: Sie müssen sparen und sind auf
Nachfrage aus dem Ausland angewiesen. Doch die Profiteure des Status
quo wollen davon nichts wissen.
In Seoul können wir nun beobachten, wie die G20 einen dicken
Schlussstrich unter die Ära der Kooperation ziehen. Da China nicht im
Traum daran denkt, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen, wird
es dazu gezwungen werden müssen. Das Öffnen der Geldschleusen durch
die US-Notenbank ist nur ein erster Schritt in diese Richtung.
In diesem Konflikt befindet sich Kanzlerin Angela Merkel genau
zwischen den Fronten. Zwar ist die US-Kritik am deutschen
Exportwunder unbegründet, denn es basiert nicht auf manipulierten
Wechselkursen, sondern auf Fleiß und Sparsamkeit. Doch mit ihren
gebetsmühlenartigen Forderungen nach einem freien und fairen
Welthandel klingt Merkel bestenfalls naiv. Fairness war gestern.
Heute ist Reichskanzler Otto von Bismarck angesagt: "Wer den Daumen
auf dem Geldbeutel hat, der hat die Macht."
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