• 11.11.2010, 11:01:53
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People Mover - die Zukunft des öffentlichen Individualverkehrs? (+Fotos)

Symposium der ÖAMTC AKADEMIE in der Reihe "Mensch in Bewegung" am 10.11.2010

Wien (OTS) - Schon in den ersten Science-Fiction-Darstellungen
Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts waren futuristische
Verkehrsmittel, die Menschen rasch durch die Stadt bringen, ein
dominierendes Thema. Durch die Stadt fliegen werden wir in Zukunft
vermutlich nicht, aber mit modernen People Movern könnten einige
Visionen von vor hundert Jahren schon bald Realität werden. Automated
People Mover (APM) kommen weltweit als eine spezielle Form des
öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zum Einsatz. Sie ergänzen das
öffentliche Netz, erschließen neue Areale und zeichnen sich meist
durch innovative Technologien aus. Die ÖAMTC AKADEMIE stellte gestern
bei einem Symposium in der Reihe "Mensch in Bewegung" die Frage, ob
People Mover die Zukunft des öffentlichen Individualverkehrs sein
könnten. Geschäftsführerin Christine Zach: "Wir müssen aus unseren
festgefahrenen Bahnen heraustreten, denn in Zukunft geht es nicht um
die Frage Bus oder Bahn oder Auto versus Öffentlicher Verkehr, es
geht um Mobilität - und die erreichen wir mit einer Kombination
verschiedenster Systeme."

"Die Verknüpfung aller Verkehrsmodi ist uns ein großes Anliegen",
sagte Andreas Blust vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und
Technologie (bmvit) in seiner Begrüßungsrede. Um Themen wie
Verkehrssicherheit oder Staus in den Griff zu bekommen, seien neue
Konzepte, moderne Kommunikationssysteme und Informationstechnologien
gefragt, weshalb das bmvit die Entwicklung solcher Technologien mit
Forschungsgeldern unterstütze.

Einbindung in öffentliches Verkehrsnetz

"People Mover müssen unbedingt in das öffentliche Verkehrsnetz
eingebunden sein", betonte Ortfried Friedreich, Zivilingenieur für
Bauwesen bei Axis Ingenieurleistungen, in seinem Vortrag beim
Symposium der ÖAMTC AKADEMIE. Er gab einen globalen Überblick über
die bekanntesten People Mover-Systeme aus technologischer Sicht und
wies darauf hin, dass bei Überlegungen zum Verkehr der Zukunft alle
Aspekte berücksichtigt werden müssten: Energieverbrauch, Umwelt,
Lebensqualität, Stadtgestaltung, Verkehrsplanung, Technik und
Akzeptanz durch die Bevölkerung.

Werner Rothengatter, Professor am Karlsruher Institut für
Technologie, sieht People Mover als Ergänzungssysteme im
öffentlichen Verkehr: "Sie haben in der Regel kein Netz und dienen
abgegrenzten Einsatzbereichen." People Mover gibt es als Magnetbahn,
Hängebahn, Bergbahn oder Monorail, als gummibereifte Systeme, als
größere Wagen und Züge oder als Kleinkabinen. Schon in den 1960er
Jahren habe es Überlegungen zu automatischem Fahren mit Autos
gegeben. Damals sei die Sensortechnik aber noch nicht weit genug
entwickelt gewesen. Die Märkte für derartige neue
Verkehrstechnologien sieht er in den entstehenden Megacitys in Asien
und Afrika.

Katja Schechtner, Leiterin des Geschäftsfelds "Dynamic
Transportation Systems" am Austrian Institute of Technology (AIT)
zeigte in ihrem Vortrag beim Symposium der ÖAMTC AKADEMIE, dass es
zahlreiche spannende Forschungsprojekte zu autonomem Fahren gibt.
Viele dieser Technologien müssten aber erst weiterentwickelt werden.
Eines sei klar, sagte sie auf eine Frage aus dem Publikum: "Es kann
in Zukunft nicht funktionieren, Technologien gegeneinander
auszuspielen." Für die Integration von verschiedenen Systemen,
Bezahlmodellen und Kampagnen tritt auch die International Association
of Public Transport (UITP) ein, die kürzlich eine eigene Plattform
für kombinierte Mobilität gegründet hat. Sebastian Emig, Light Rail
Manager bei UITP: "Ein breites ÖPNV-Angebot kombiniert mit Leihrad,
Carsharing usw. ist die beste Lösung. Personal Rapid Transit-Systeme
sind nur sinnvoll, um bisher nicht erschlossene Gebiete mit geringem
Passagier-Aufkommen zu erschließen."

Eine Frage der Attraktivität

Der gebürtige Schweizer Heinz Schöttli, der vor kurzem Leiter des
Stadtplanungsamtes Graz wurde, erzählte, wie die Menschen in der
Schweiz zum Umstieg auf den ÖPNV angeregt werden und welche Rolle die
Stadtplanung dabei spielt. Ein großer Erfolg seien sogenannte
Begegnungszonen, in denen alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt
sind.

Warum Mobilität für den Menschen so wichtig ist und warum manche
Menschen trotz Staus nicht vom privaten Pkw auf öffentliche
Verkehrsmittel umsteigen wollen, erklärte der Wiener
Verhaltensforscher Karl Grammer beim Symposium der ÖAMTC AKADEMIE:
"Mobilität ist entstanden, weil die Menschen in Zeiten knapper
Ressourcen an Nahrung kommen mussten. Dieses Muster, dass mobil sein
von Vorteil ist, ist in unseren Gehirnen immer noch verankert." Das
Auto biete dabei das Gefühl der Selbstkontrolle, außerdem würde es
uns stressen, wenn wir zu vielen Menschen auf engem Raum begegnen und
von vielen Gerüchen überwältigt würden. Derlei Aspekte müsse man bei
der Planung zukünftiger Verkehrssysteme berücksichtigen und auch
individuelle Verkehrsmittel einbeziehen.

Helmut Ludwar, Chief Technologist von IBM Österreich, glaubt, dass
es bei der Mobilität in Zukunft eher um "benutzen statt besitzen"
gehen wird. Für People Mover und andere zukünftige Transportkonzepte
seien Technologien gefragt, die mit Hilfe von Informations- und
Kommunikationstechnologien eine vorausschauende Planung der
individuellen Mobilität ermöglichen. Laut Raumplaner Harald
Buschbacher, Leiter des Forschungsprojekts "RegInnoMobil", werden
sich People Mover vor allem in Stadterweiterungsgebieten und im
suburbanen Raum durchsetzen. In den Zentren der europäischen
Großstädte würden in Zukunft weiterhin U-Bahnen und Straßenbahnen
dominieren. People Mover-Systeme würden eine wichtige Rolle spielen,
weil sie geringeren Energieverbrauch haben, sagte Werner Rothengatter
in der Diskussion. Wo genügend Geld und Platz vorhanden seien, gebe
es für derlei Systeme keine Grenzen.

Christine Zach, Geschäftsführerin der ÖAMTC AKADEMIE, betonte zum
Schluss des Symposiums: "Die globalen Herausforderungen machen eines
ganz deutlich: Wir müssen lernen, die jeweils passenden Lösungen für
unsere Mobilitätsbedürfnisse zu finden, die möglichst wenig
Ressourcen verbrauchen. Dafür sind interdisziplinäre
Forschungsanstrengungen notwendig und die Kooperation zwischen allen
Beteiligten - den Errichtern, Betreibern und Nutzern von
Verkehrssystemen. Nur so bringen uns Real-Time-Informationen und
selbststeuernde Systeme in Zukunft ans Ziel. Letztendlich ist
Mobilität eine Frage der Lebensqualität."

Nähere Informationen zur ÖAMTC AKADEMIE, zum Symposium "People
Mover" und zur Veranstaltungsreihe "Mensch in Bewegung" findet man
online unter www.oeamtc-akademie.at .

Aviso an die Redaktionen:
Bildmaterial zu dieser Aussendung ist unter www.oeamtc.at/presse
abrufbar.

Rückfragehinweis:
ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +43 (0) 1 711 99-1218
mailto:[email protected]
http://www.oeamtc.at

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