"KURIER"-Kommentar von Josef Votzi: "Heilsame Provokation"

Der türkische Botschafter in Wien hätte das Zeug zum heimischen Sarrazin.

Wien (OTS) - Thilo Sarrazin löste mit dem Bestseller "Deutschland schafft sich ab" jüngst eine Integrationsdebatte aus, deren Heftigkeit bis nach Österreich ausstrahlte. Gestern trat der türkische Botschafter Kadri Ecved Tezcan eine neue Debatte los - von den Ursachen für die türkische Gettos in Wien bis zur zwiespältigen Haltung zur Türkei. Das offizielle Österreich reagiert empört. Ob ein Diplomat so über sein Gastland reden darf und warum er es gerade jetzt tut, ist eine Sache (siehe Kommentar unten). Wer sich nicht nur an Tezcans Provokation reiben will, sondern ihm offen zuhört, wird dem Ex-Grünen-Chef Alexander Van der Bellen beipflichten:
"Tezcan hat in erfrischend undiplomatischer Weise den Finger auf viele wunde Punkte gelegt."
Wird Tezcan so zum türkischen Sarrazin? Wenn die Debatte derart oberflächlich weitergeht, wie sie eröffnet wurde, leider nein. Unerhört, rufen Kanzler, Vizekanzler, Außen- und Innenminister. Hinaus mit dem Schuft, trompetet der blaue Oppositionsführer. Im Fall des deutschen Tabu-Brechers hat man sich wenigstens ein paar Wochen Zeit für eine gründliche Auseinandersetzung genommen, bevor dieser seinen Job los war. Österreich wäre eine solche Debatte dringend zu wünschen.

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