• 06.11.2010, 19:37:00
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Beihilfe zur Ineffizienz" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 08.11.2010

Graz (OTS) - Es ist gut, wenn sich ein Staat zum Fürsprecher
der Familien macht. Sie sind ein brüchiges, verwundbares Gebilde, da
helfen festigende Maßnahmen und Gesten, die das Ja zum Kind fördern.
Das hat nichts mit alter Ideologie zu tun, sondern liegt im
elementaren Interesse jeder Gesellschaft, will sie vital bleiben und
sich nicht dem eigenen Wegaltern hilflos ausliefern.

Vor diesem Hintergrund war es problematisch, den Sparstift so
prononciert bei den Familien anzusetzen, während man sich gegenüber
Beamten, Länderfürsten oder Pensionisten betont konziliant gab und
die Lobbyisten in Loipersdorf sogar zu Tisch bat.

Eine solche Asymmetrie untergräbt das Gefühl für Gerechtigkeit. So
erwirbt man keine Akzeptanz für Opfergänge.

Freilich gibt auch der schrille Aufschrei der Betroffenen zu denken.
Kann der notwendige Rückbau des Sozialstaates je gelingen, wenn das
Land schon bei diesem halbherzigen Sparpaket derart in Wallung gerät?

Nicht jede Eingrenzung einer Sozialleistung ist schon ein Attentat
auf Familie und Zukunft, nicht jede finanzielle Wohltat schon ein
Garant für Kinderreichtum. Bestünde eine Korrelation zwischen
Geldfluss und Familienglück, besäße Österreich eine andere
Geburtenstatistik. Sie ist so trist wie anderswo, obwohl kaum ein
Land so viel Geld in die Familienförderung pumpt wie Österreich.

Es ist daher vernünftig, das System der rein monetären Zuwendung zu
hinterfragen und zu prüfen, ob es nicht klügere Formen gibt, Familien
im Spagat zwischen Beruf und Erziehung zu stützen. Eine Umschichtung
der Geldströme hin zu verbesserten Serviceleistungen, etwa in der
Kinderbetreuung, ist eine der Antworten.

Das sind debattenpflichtige Grundsatzfragen. Wäre die Regierung dazu
befähigt, könnte man auch in Ruhe klären, ob Mittzwanziger an
kostenfreien Hochschulen tatsächlich bis zum letzten Schein der
Fürsorge bedürfen und ob es wirklich emanzipatorisches Engagement
ist, wenn Studierende den Status als Kinderbeihilfen-Empfänger
einfordern.

Am Disput klebt das falsche Etikett. Es geht nicht um Familien-,
sondern um Studienförderung und um die Frage, welchen Anteil der
Staat leisten sollte, weil er vom hohen Ausbildungsgrad zehrt, und
welchen Beitrag der Einzelne, weil ein Studium ein Privilegium ist.

Wäre das Thema diskursfähig, könnte am Ende ein ideologiefreier
Konsens stehen, sei es eine moderate Eigenleistung (bei ordentlichen
Studienbedingungen) oder ein Kreditmodell. Es wäre eine Einübung in
Eigenverantwortung und eine Abkehr vom Anspruchsdenken. Die Studenten
sind nicht anzuklagen. Sie haben nur sehr rasch von dieser
Gesellschaft gelernt.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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