Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Lebenslanges Lernen"

Ausgabe vom 6. November 2010

Wien (OTS) - In der Bildungspolitik gilt die Idee des
"lebenslangen Lernens" als ein Konzept, die Globalisierung des Wissens zu bestehen. Viele Politiker verwenden den Begriff gerne, wenige nur wenden ihn auch an sich an. Das von Hannes Androsch initiierte Bildungs-Volksbegehren ist eine Chance, die Politiker daran zu erinnern.

Die Gemengelage aus Bundes- und Länder-Zuständigkeiten, parteipolitischen Schulinteressen, Lehrer-Dienstrecht und Zersplitterung auf zwei Ministerien erweist sich zunehmend als lebensfremd - und gefährlich. Eine der spärlichen gemeinsamen Positionen von Industriellenvereinigung und Gewerkschaften lautet:
Der Wohlstand im Land kann nur gehalten werden, wenn die Menschen bestmöglich ausgebildet werden. Stimmt.

Die Grundlage dieser beruflichen Fertigkeiten ist eine gute Bildung. Möglich wird dies nur, wenn der gordische Knoten in diesem Bereich aufgeknüpft oder eben zerschlagen wird.

So wird trefflich diskutiert, ob die Schulen nun komplett "verländert" werden sollen oder nicht. Kein Mensch diskutiert aber eine Ausweitung der schulischen Autonomie, was der pädagogischen Kreativität der Lehrer gut tun würde. Ein solch positives Beispiel ist die Fachhochschule bfi Wien, die den europäischen "Jean-Monnet-Lehrstuhl" zuerkannt bekam und großartige Lehr-Aktivitäten auch in Osteuropa damit setzt. Abseits jeder Partei-Politik.

Dass der Rechnungshof vor Monaten feststellte, dass ein Hochschul-Plan für diesen Bildungsbereich ausständig ist, kratzt niemand. Dass derselbe Rechnungshof Mängel bei der Steuerung der Fachhochschulen kritisiert, führte zu keinerlei Aktivitäten bisher. Stattdessen wird das schmale Thema Studiengebühren rauf unter runter gebetet.

Das Bildungs-Volksbegehren ist daher ein richtiger Schritt zur richtigen Zeit. Um der offiziellen Bildungspolitik schon jetzt eine Chance zur Einkehr zu geben, hier das Statement zur OECD-Bildungskonferenz vom Freitag: "So soll die Schule die Fähigkeit zum kritischen Denken stärken und den SchülerInnen die Möglichkeit geben, ihre natürlichen Talente zu entdecken und zu entwickeln. Gefordert wird eine qualitätvolle Bildung und faire Chancen für alle, unabhängig von der sozialen Zugehörigkeit und Abstammung." Noch Fragen?

Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/leitartikel

Rückfragen & Kontakt:

Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: +43 1 206 99-474
redaktion@wienerzeitung.at
www.wienerzeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWR0001