• 01.11.2010, 14:59:01
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"Jachym hat den Christen Augen für die Zukunft geöffnet"

Weihbischof Krätzl segnete Denkmal für den 1984 verstorbenen Erzbischof-Koadjutor in Wien-Favoriten

Wien (OTS) - Wien, 01.11.10 (PEW) "Erzbischof-Koadjutor Franz
Jachym war nicht nur der große Bau-Bischof, er hat als Präsident der
Wiener Diözesansynode 1969/71 auch den Christen die Augen für die
Zukunft geöffnet": Dies betonte Weihbischof Helmut Krätzl bei der
Segnung des neuen Jachym-Denkmals auf dem Franz-Jachym-Platz und beim
anschließenden Festgottesdienst in der Laaerberg-Kirche in
Wien-Favoriten. Franz Jachym (1910-1984), der selbst aus Favoriten
stammte, hatte im Auftrag von Kardinal Franz König mehr als 150
Gotteshäuser neu erbauen oder restaurieren lassen. Zur Finanzierung
ging er neue Wege und schuf die Kirchliche Aufbauanleihe. Diese
Anleihe auf dem Geldmarkt (Motto: "Die Kirche baut - die Kirche
bürgt") löste international großes Aufsehen aus, auch beim damaligen
Erzbischof von Mailand, Giovanni Montini, der später als Papst Paul
VI. (1963-1978) in die Geschichte einging.

Weihbischof Krätzl, der immer eng mit Jachym zusammengearbeitet
hatte, erinnerte daran, dass sich im Leben des Wiener
Erzbischof-Koadjutors die Geschichte von Stadt und Kirche im 20.
Jahrhundert spiegelt. Jachym habe in seiner Jugend und auch später
die tiefe Spaltung zwischen Kirche und Arbeiterschaft erlebt, als
die Kirche wegen ihrer engen Verbindung mit der Christlich-Sozialen
Partei von vielen als "politische Gegnerin" empfunden wurde. Der
spätere Erzbischof-Koadjutor habe aber auch das NS-Regime leidvoll
miterlebt: Er war es, der am 7. Oktober 1938 "mit starker Hand"
Kardinal Theodor Innitzer vor dem Zugriff der "Hitler-Jugend" in
Sicherheit brachte. Am Wiederaufbau habe Jachym zunächst als
Moralprofessor und dann ab 1950 als Erzbischof-Koadjutor tatkräftig
Anteil genommen. In der Zeit Jachyms sei es der Kirche in Wien durch
das Verdienst von Kardinal Franz König gelungen, die politischen
Spannungen zu überwinden. Heute sei allen in Wien bewusst, welche
Bedeutung die Kirche für das soziale Wohl, die immer drängenderen
Sorgen der Hilfe für Arme, Alte, Behinderte, aber auch für die
versöhnliche Begegnung mit Immigranten hat.

Als "Bau-Bischof" sei für Jachym klar gewesen, dass christliche
Gemeinden Gotteshäuser brauchen, vor allem in den damals rasant
wachsenden Neubaugebieten. Oft habe der Erzbischof -Koadjutor
jahrelang um einen Kirchenbauplatz ringen müssen, das sei heute
leichter, betonte Weihbischof Krätzl. Auch am Laaerberg habe sich
Jachym 20 Jahre gemüht, eine Kirche bauen zu können. Weihbischof
Krätzl unterstrich, dass Kirchenbau kein "Prestigeobjekt" der Kirche
sei; ein Gotteshaus sei vielmehr "ein Zeichen für Einheit und
Frieden, ein Haus, in dem sich alle ohne Ansehen ihrer politischen
Meinung daheim fühlen sollen". Wörtlich sagte der Bischof: "Christen
müssen sich versammeln können, nicht um sich abzuschließen, sondern
um ein Zeichen zu setzen, dass Gott da ist".

Wesentliches habe Erzbischof Jachym bei der Wiener Diözesansynode
geleistet, erinnerte Krätzl. Das Zweite Vatikanische Konzil habe die
Christen gelehrt, dass Kirche nicht nur Priester und Bischöfe sind,
sondern alle getauften und gefirmten Christen. Bei der Diözesansynode
habe Jachym eine "Streitkultur" entwickelt, die es den Vertretern
unterschiedlicher Auffassungen möglich machte, miteinander zu reden.
Die Beschlüsse der Synode seien auch heute grundlegend für das
Zusammenleben der Katholiken in der Erzdiözese Wien. "Wir leben von
den Beschlüssen dieser Synode", so der Wiener Weihbischof. Wie
selbstverständlich sei heute die erneuerte Liturgie, "die nur mehr
die Älteren als neu empfinden", die Pfarrgemeinderäte, die Gliederung
der Erzdiözese Wien in drei Territorialvikariate. Bei der Synode sei
es aber auch darum gegangen, den "großen Schritt von Papst Johannes
XXIII." zu den "anderen christlichen Kirchen", den Weltreligionen,
zur Welt insgesamt für die Erzdiözese Wien anzuwenden.

Das von Architekt Herbert Schmid entworfene Jachym-Denkmal aus
Carrara-Marmor bezeichnete Weihbischof Krätzl als ein Zeichen dafür,
"wie Christen heute leben sollen". Das Denkmal sei ein Symbol, wie
sich heutige Seelsorge den Menschen zuwende. In das Denkmal - eine
prismenförmige Architekturskulptur - ist u.a. ein Zitat von Kardinal
Franz König integriert: "Durch seine umsichtige Leitung einer
umfangreichen Bautätigkeit gelang Jachym der äußere Wiederaufbau und
großzügige Ausbau in der Erzdiözese Wien. Dies alles sah er im Blick
auf die geistige und geistliche Erneuerung der Kirche von
Wien".Anlass zur Errichtung des Denkmals war der 100. Jahrestag der
Geburt von Franz Jachym am 3. September 2010. (ende)

Rückfragehinweis:
Erzdiözese Wien, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation
Tel. 0664/ 515 52 69
E-Mail: [email protected]

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