- 29.10.2010, 14:33:01
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Anschober: Neues Isar-Gutachten sieht schwerwiegenden Konstruktionsfehler
"Die schwerwiegenden Konstruktionsmängel können durch Nachrüstungsmaßnahmen nicht ausgeglichen werden."
Linz (OTS) - Umwelt-Landesrat Rudi Anschober präsentiert den
Endbericht der von der oö. Antiatom-Offensive, den Ländern
Niederösterreich und Salzburg sowie der Wiener Umweltanwaltschaft in
Auftrag gegebenen Schwachstellenanalyse des deutschen AKW Isar 1 und
der entsprechenden Baureihe SWR 69. Von acht Nuklearexperten unter
Leitung des Risikoforschers Univ.-Prof. Wolfgang Kromp werden darin
gravierende Schwächen des grenznahen Reaktors aufgezeigt, die nicht
nachrüstbar sind. Vor allem dokumentiert das Gutachten als neues
Argument einen schwerwiegenden Konstruktionsfehler im Bereich des
Reaktordruckbehälters, der eine massive Schwachstelle darstellt und
mit langer Betriebsdauer immer problematischer wird, nur sehr
eingeschränkt kontrollierbar und nicht nachrüstbar ist. Anschober
fordert deshalb als Konsequenz eine sofortige Einleitung der
Stilllegung des in Grenznähe gelegenen Risikoreaktors und fordert von
der Bundesregierung, dass Österreich alle politischen und rechtlichen
Handlungsmöglichkeiten gegen Isar 1 nützen muss. Der alarmierende
Risikobericht wurde heute an die Regierungsspitze in Deutschland und
Bayern sowie die für die Reaktorkontrolle zuständigen Behörden
übermittelt. Anschober sieht gute Chancen, trotz deutscher
Regierungslinie einer Laufzeitverlängerung der Risikoreaktoren zu
verhindern und präsentiert ein Rechtsgutachten, das eine
Laufzeitverlängerung zwingend an die Zustimmung des dt. Bundesrates,
in dem es keine Mehrheiten für die Laufzeitverlängerung gibt, bindet.
Die oö. Anti-Atomoffensive startet eine Online-Petition gegen die
Laufzeitverlängerung unter http://www.atomenergie-protest.org/
LR Anschober: "Eine Laufzeitverlängerung wäre nach Vorliegen dieser
bisher härtesten Kritik mit teilweise neu aufgezeigten Risikopunkten
völlig verantwortungslos. Ich appelliere daher an die Regierung
Berlin und München, die Sicherheitsinteressen vor die
Gewinninteressen zu stellen und die Laufzeitverlängerung
zurückzunehmen und habe deshalb die den neuen Risikobericht bereits
an die Regierungsspitzen und die zuständigen Behörden für die
Reaktorkontrolle übermittelt" Darüber hinaus fordert Anschober auch
viel mehr Engagement von der österreichischen Bundesregierung:
"Derzeit gibt es nur weiche Scheinmaßnahmen. Der nun vorliegende
Endbericht muss auch Wien wachrütteln: die Bundesregierung muss
sofort alle Rechtsschritte überprüfen und alle politische und
rechtliche Möglichkeiten engagiert umsetzen."
Insgesamt sieht Anschober gute Chancen, die Laufzeitverlängerung bei
den Risikoreaktoren noch zu stoppen: die gemeinsame
grenzüberschreitende Allianz der Antiatombewegungen Bayerns und
Oberösterreichs werde immer stärker und ein neues Rechtsgutachten von
Prof. Alexander Rossnagel von der Universität Kassel, das Anschober
heute vorlegt, belegt, dass das Gesetz zur Verlängerung der
Laufzeiten der Zustimmung des dt. Bundesrates bedarf. Das dt.
Bundesverfassungsgericht könnte das Gesetz für nichtig erklären. Auch
die EU-Kommission ist bereits mit den Kritikpunkten an der
Laufzeitverlängerung beschäftigt.
Anschober: "Der nun vorliegende Schlussbericht der österreichischen
und deutschen Atomexperten über die veraltete Baureihe SWR69 liefert
für den Widerstand und die rasche Stilllegung neue Argumente. Es wäre
völlig fahrlässig, diese zu übergehen. Zwar wurden gestern von
Bayerns Umweltminister Absichten für eine Nachrüstung von Isar1
präsentiert, in den Kernpunkten halten die Erstellung des neuen
Risikoberichtes Isar1 aber nicht nachrüstbar."
Die Autoren der Analyse kommen zu Schluss (Auszug):
Eine Untersuchung der Schwachstellen in den Kernkraftwerken SWR 69
Brunsbüttel, Isar 1, Krümmel und Philippsburg ergab folgende
grundlegende Probleme:
- Die schwerwiegenden Konstruktionsmängel können durch
Nachrüstungsmaßnahmen nicht ausgeglichen werden.
- Das Design des Reaktordruckbehälters erfüllt nicht die
Grundbedingungen der Basissicherheit, weder hinsichtlich der
Minimierung der Anzahl der Schweißnähte noch hinsichtlich der
ausreichenden Prüfbarkeit.
- Die grundlegende Forderung des Basissicherheitskonzepts nach einem
optimierten RDB-Werkstoff ist nicht erfüllt.
Rückfragehinweis:
Büro Landesrat Rudi Anschober, Mag. Rudi LEO, Pressesprecher, Tel: +436648299969, mailto:[email protected], Promenade 37, 4020 Linz, www.anschober.at
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