- 21.10.2010, 18:30:11
- /
- OTS0275 OTW0275
WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Zum Glück ist Kovats ein Sanierer - von Jochen Hahn
Der A-Tec-Insolvenz liegen grobe Managementfehler zugrunde
Wien (OTS) - Zahlungsunfähig also. Vor dem A-Tec-Börsegang im
Herbst 2006 galt Mirko Kovats als Sanierer. Er spezialisierte sich
darauf, Firmen in Not zu helfen, und war bei fast jeder Pleite als
Retter in der Not, wenn auch nur medienwirksam, zur Stelle. Er liebte
es, Unternehmen zu kaufen, die entweder gerade in einem
Insolvenzverfahren steckten, oder die keiner mehr so richtig haben
wollte. Hochrisikodeals waren sein Steckenpferd.
Seit gestern gilt Mirko Kovats als gescheitert, denn die Insolvenz
von A-Tec wäre zu verhindern gewesen. Sie hat weder etwas mit der
Wirtschaftskrise noch mit unglücklichen und verlustreichen
Großaufträgen im Anlagenbau zu tun, sondern hat sich leider durch
grobe Managementfehler abgezeichnet.
Mirko Kovats positionierte A-Tec seit dem IPO als Hochrisikopapier
und setzte stets auf Wachstum durch Schulden. Dementsprechend führte
er seinen "Titel" als Sanierer rasch ad absurdum. Denn anstatt sich
den Margen seines Mischkonzerns zu widmen und ihn auf stabile Beine
zu stellen, hatte er nur Umsatzwachstum im Auge. Binnen drei Jahren
konnte er die A-Tec-Erlöse von einer auf drei Milliarden Euro
steigern. Als negative Begleitmusik schraubte sich die Verschuldung
in immer neue Höhen - mit Stichtag 30. Juni lag die Nettoverschuldung
bereits bei über 500 Millionen Euro.
Dafür verantwortlich waren aber auch "Zockereien", die nichts mit
"Old Economy" zu tun hatten. So versuchte er durch Zukäufe großer
Aktienpakete der Kupferkonzerne Norddeutsche Affinerie und Cumerio
einen "schönen Schnitt" zu machen, in dem er sich als Übernehmer und
Mastermind eines europäischen Kupferplayers darstellte. Die deutschen
Kartellbehörden schoben diesem Treiben allerdings einen Riegel vor.
Aktionäre mussten sich derweil damit abfinden, dass der Konzern zur
One-Man-Show verkam und dass Transparenz und Investor Relations für
Mirko Kovats Fremdwörter waren.
Nun kann Mirko Kovats also wieder das tun, was er angeblich am besten
kann, nämlich sanieren. Mit dem seit Jänner geltenden neuen
Insolvenzrecht hat er ein besseres Vehikel zur Verfügung als früher.
Wir wünschen ihm für den Sanierungsplan jedenfalls alles Gute. Die
geschorenen Aktionäre können sich darum allerdings nichts kaufen.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB






