• 19.10.2010, 14:18:26
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Sozialpartner fordern Reformen für Wachstum und Beschäftigung ein

GeneralsekretärInnen der Sozialpartner resümieren über Bad Ischler Dialog 2010

Bad Ischl (OTS) - Muhm: Wachstum und Beschäftigung sichern

AK Direktor Werner Muhm betont am Ende einer erfolgreichen
Veranstaltung der Sozialpartner noch einmal die Wichtigkeit Wachstum
zu stärken und Beschäftigungschancen zu schaffen. Dabei muss der
Fokus auf die Realwirtschaft und die Sicherung der
Wettbewerbsfähigkeit gelegt werden. Es braucht mehr Regeln für den
Finanzsektor, dabei müssen insbesondere die Banken wieder auf ihre
ursprüngliche Rolle zurückgeführt werden, die Wirtschaft und den
Konsum zu finanzieren. Als wichtige Zukunftsbereiche definiert Muhm
den Bereich der Pflege und die Beschäftigung von Frauen. Wenn nun
mehr Geld für den Pflegebereich in die Hand genommen wird, muss aber
auch die Frage der legalen Beschäftigungsverhältnisse in diesem
Bereich angegangen werden. Die Beschäftigungsquote der Frauen kann
nur dann ausgeweitet werden, wenn die Vereinbarkeit von Beruf und
Familie verbessert wird und die Kinderbetreuungseinrichtungen
erweitert werden. Im Bereich der Arbeitszeitverkürzung spricht sich
Muhm für eine Enttabuisierung aus. Er verweist auf den erfolgreichen
Einsatz der Kurzarbeit während der Krise, betont aber gleichzeitig,
dass es nun andere Modelle geben muss. "Es kommt immer darauf an, auf
welchem Ende der Einkommenskette jemand steht", so Muhm.

Darüber hinaus spricht sich Muhm für eine ausgewogene
Wachstumsstrategie in Europa aus. Dabei geht es insbesondere um die
Stärkung der Binnennachfrage. Nur auf Exportüberschüsse zu setzen
fördert auch die Ungleichheiten in Europa, denn die Überschüsse der
einen sind immer auch die Defizite der anderen. Muhm sieht außerdem
die Zeit für Strukturreformen etwa im Bereich der Bildungspolitik
gekommen, denn ganztägige Schulformen werden sich nicht über
Überstunden der LehrerInnen finanzieren lassen. Auch im Bereich der
Universitäten muss darüber nachgedacht werden, mehrere Universitäten
zusammenzuführen, um Verwaltungskosten zu sparen. Abschließend
plädiert Muhm dafür, dass die österreichische Industrie wieder mehr
Steuern zahlen sollte. "Es gibt einen regelrechten Steuerwettlauf auf
Unternehmensseite. Hier sollte darüber nachgedacht werden einen
Korridor bei der Körperschaftssteuer auf europäischer Ebene
einzuführen", sagt Muhm mit Verweis auf den Korridor, der schon im
Bereich der Mehrwertsteuer auf EU-Ebene besteht.

Hochhauser: Sozialpartner sind Triebfeder für Reformen

"Die Erholungsphase der heimischen Wirtschaft ist noch nicht
abgeschlossen. Wir haben das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht. Zum
Beispiel fehlen im Export sieben Milliarden Euro, um auf das Volumen
von 2008 aufzuschließen", betonte Anna Maria Hochhauser,
Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Mit
Flexibilität und sozialpartnerschaftlich konsensorientiertem Handeln
werden wir Wachstum schaffen und die kommenden Herausforderungen
meistern", so Hochhauser, die als besondere Wachstumsbranchen die
Gesundheitswirtschaft, den Tourismus und die Umwelt- und
Energietechnik hervor hob.

Folgende Handlungsfelder sind für die WKÖ-Generalsekretärin zentral:
"Wir müssen unsere Strukturen, die Schulverwaltung und die
Pensionssysteme reformieren, um die Chancen unserer Jugend zu wahren.
Darüber hinaus müssen wir das Investitions- und Innovationsklima
durch Forschungsförderung, thermische Sanierung, Handwerkerbonus und
Investitionszuwachsprämie NEU verbessern." Hochhauser mahnte die
Bundesregierung, Reformen mutig anzugehen: "Wir Sozialpartner wollen
gemeinsam mit den Jungen in diesem Land die Triebfeder für Reformen
sein."

ÖGB-Achitz: Es ist nicht egal, welche Art Beschäftigung Wachstum
schafft

"Wir Sozialpartner sind uns einig, dass Beschäftigung der Schlüssel
für Wachstum ist. Es geht aber auch um die Qualität und die
Sicherheit , es ist nicht egal, welche Arbeitsplätze angeboten
werden, sagte Bernhard Achitz, Leitender Sekretär im ÖGB. Sichere
Arbeitsplätze steigern die Motivation der MitarbeiterInnen und die
Qualität der geleisteten Arbeit, davon würden wiederum die
Arbeitgeber profitieren.

Zu höherer Arbeitszufriedenheit würde - neben einem Betriebsrat -
auch Investitionen in die Qualität der Arbeitsplätze beitragen.
"Gesndheitsfördernde und alternsgerechte Arbeitsplätze sind keine
soziale Wohltat der Unternehmer, sondern sie bringen dem gesamten
Unternehmen etwas. Betriebliche Gesundheitsförderung muss von der
Ausnahmeerscheinung in ein paar Vrzeigefirmen zur Verpflichtung der
Unternehmen werden", forderte Achitz. Auch die betriebliche
Weiterbildung müsse forciert werden: "Es ist Aufgabe des Betriebs,
ständig neues Wissen zu vermitteln, statt jene Beschäftigten zu
kündigen, die nicht mehr auf dem aktuellsten Wissensstand sind. Davon
profitieren die Arbeitgeber mindestens sosehr wie die Beschäftigten."

Das Wirtschaftswachstum müsse nachhaltig gestaltet werden, forderte
Achitz, dafür sei es notwendig, dass alle davon profitieren und nicht
nur einige wenige. Zu nachhaltigem Wachstum gehöre
Verteilungsgerechtigkeit, damit auch die Binnennachfrage steigen
könne.

Astl: Nachhaltige Energieformen schaffen Beschäftigung

"Der Faktor Bildung ist für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes ein
zentrales Element", fordert August Astl, Generalsekretär der
Landwirtschaftskammer, die Umsetzung des Sozialpartnerpapiers zur
Bildungsreform. "Der Energie- und Umweltbereich - beispielsweise bei
der Wasserkraft und anderen erneuerbaren, nachhaltigen Energieformen
- hat ein hohes Potenzial für die Exportwirtschaft, generiert
Wachstum und hat einen beachtlichen Beschäftigungseffekt", pocht Astl
auf weitere Wachstumsimpulse in diesem Bereich. "Österreich hat im
Vergleich mit seinen europäischen Nachbarn die Absiedelung im
ländlichen Raum eingedämmt. Doch wir müssen uns weiterhin für eine
verstärkte ländliche Entwicklung einsetzen", so der LKÖ-General
abschließend.

Rückfragehinweis:

ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit
      Nani Kauer
      Tel.: (++43-1) 534 44/222 DW
      Fax: (++43-1) 533 52 93
      http://www.oegb.at
         
      Wirtschaftskammer Österreich,
      Stabsabteilung Presse
      Mag. Rupert Haberson
      Tel.: T:(+43) 0590 900-4362,
      Fax:(+43) 0590 900-263
      http://wko.at/Presse
         
      AK Wien Kommunikation
      Mag.a Olivia Weiss
      Tel.: (+43-1) 501 65-2641
      0664-845 42 14
      [email protected]
      http://wien.arbeiterkammer.at
         
      Landwirtschaftskammer Österreich
      Dr. Josef Siffert
      Tel.: +43/1/53441-8521
      mailto: [email protected]
      www.lk-oe.at

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