Marek: Armut gilt als zentrale Ursache für Kinderhandel

Familienstaatssekretärin eröffnet Veranstaltung "Gemeinsam gegen Menschenhandel" anlässlich des "EU-Anti-Trafficking-Day 2010"

Wien (OTS/BMWFJ) - "Armut gilt als zentrale Ursache für Kinderhandel. Kinder sind dann besonders gefährdet verkauft und ausgebeutet zu werden, wenn ein niedriger Bildungsgrad, Gewalt und Suchtverhalten in der Familie fehlende Perspektiven im sozialen Umfeld ergänzen", betonte Familienstaatssekretärin Christine Marek heute, Freitag, im Rahmen der Eröffnung der Veranstaltung "Gemeinsam gegen Menschenhandel" anlässlich des "EU-Anti-Trafficking-Day 2010" an der Diplomatischen Akademie Wien. Die Umsetzung der Kinderrechte, der Schutz vor Gewalt und die Sicherstellung von Lebensperspektiven seien die wichtigsten Bausteine, um dem wachsenden Geschäft mit Kindern effektiv entgegenzuwirken.

Nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks UNICEF werden weltweit jedes Jahr 1,2 Millionen Mädchen und Burschen unter 18 Jahren Opfer von Kinderhandel.
"Da Kinderhandel im Verborgenen stattfindet und die Identifikation von Opfern so schwierig ist, gibt es leider sehr wenig konkrete Zahlen für Österreich", bedauerte Marek. Österreich sei jedoch sowohl als Transit- als auch als Zielland betroffen. "Bei uns als Opfer von Kinderhandel identifizierte Fälle kommen in der Regel aus Südosteuropa aber auch aus asiatischen und afrikanischen Ländern", so Marek.

Das Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend setzt im Kampf gegen Menschen- bzw. Kinderhandel auf verschiedensten Ebenen an. Die Familienstaatssekretärin wies dabei beispielsweise auf die im Jahr 2007 im Rahmen der Task Force Menschenhandel eingerichtete "Arbeitsgruppe Kinderhandel" hin. Diese erfülle nicht nur die von den Vereinten Nationen geforderte Funktion der Vernetzung und Koordinierung aller Akteure. In ihr würden auch aktuelle Entwicklungen und Lösungsvorschläge zum Schutz vor Kinderhandel und im Bereich des Opferschutzes diskutiert. So habe die Arbeitsgruppe, um die Identifizierung von Opfern zu erleichtern, den Informationsfolder "Kinderhandel in Österreich" entwickelt. Dieser enthält Hintergrundinformationen und eine "Checkliste" mit Indikatoren, die Mitarbeiter/innen der Jugendwohlfahrt, der Polizei, von Fremdenbehörden, Botschaften und Konsulaten aber auch von der Justiz auf die Problematik "Kinderhandel" aufmerksam machen und informieren soll.

"Der Großteil der Opfer von Menschenhandel wird sexuell ausgebeutet", erklärte Marek, "deshalb wurde kürzlich im Familienministerium auch eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet." Die Aufgabe dieses "Koordinationsgremiums für den Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung" sei es, die Umsetzung des Zusatzprotokolls zur Kinderrechtskonvention betreffend den Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornographie zu koordinieren und zu evaluieren.

Kampagne zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung im Tourismus

Kinderhandel sei nicht immer grenzüberschreitend. Es gäbe ebenso viel Binnenhandel - Stichwort Kindersextourismus. Marek unterstrich im Rahmen der Eröffnung die Bedeutung der von der Tourismus-Sektion des BMWFJ mit Vertreter/innen der Reisebranche und NGOs im "Round Table - Ethik im Tourismus" erarbeiteten Sensibilisierungs- und Weiterbildungsprogramme, die einen wesentlichen Beitrag im Kampf gegen Kindersextourismus leisten.

"Der Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung im Tourismus ist mir seit vielen Jahren auch persönlich ein wichtiges Anliegen", betonte Marek, die in diesem Zusammenhang darauf hinwies, dass sie erst vor kurzem - am Welttourismustag - eine neue, länderübergreifende Kampagne zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung im Tourismus präsentiert habe. Kern der Kampagne sei ein Videospot mit dem Titel "Witness", der Reisende mit der Botschaft "Nicht wegsehen" für das Thema sensibilisieren soll. "Der Film ist ein Aufruf an Urlauber, die Fälle von Missbrauch beobachten, diese Verdachtsfälle weiterzugeben - und nicht wegzusehen", erklärte Marek eindringlich. "Wir können sexuellen Missbrauch von Kindern verhindern, wenn wir nicht wegsehen."

Wichtig sei, dass es erstmals auch eine leicht zu merkende Meldeadresse in jedem Land zum Melden von Verdachtsfällen gibt. In Österreich können Reisende Hinweise an die Mailadresse meldestelle@interpol.at schicken. Marek zeigte sich abschließend erfreut darüber, dass diese Kampagne in den drei beteiligten Ländern Österreich, Schweiz und Deutschland auch durch die Wirtschaft breit unterstützt werde. Zum Start der Kampagane hätten sich bereits einige Unternehmen bereit erklärt, den Film zu zeigen. In Österreich werden Austrian Airlines und Accor Hotels Österreich den Videospot über einen längeren Zeitraum ausstrahlen. Auch y-doc Wartezimmerfernsehen und Infoscreen werden den Film zeigen, womit ein breiter Personenkreis erreicht werden kann.

Umfassende Informationen zu dieser neuen Kampagne und Informationsmaterialien zum Thema "Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung" finden Sie auf der Website des BMWFJ unter www.bmwfj.gv.at .

Informationen zum Thema Kinderrechte sowie die Berichte zum Thema Kinderhandel bietet das Familienministerium auf der Kinderrechtewebsite unter www.kinderrechte.gv.at .

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