- 13.10.2010, 11:30:11
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Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs startet RoboBraille-Deutsch
E-Mail-Service für visuell beeinträchtigte Menschen überwindet digitale Kluft
Wien (OTS) - Hinter der Bezeichnung RoboBraille steht ein
E-Mail-basierter Dienst, der elektronische Dokumente in synthetische
Sprache oder in Blindenschrift konvertiert. RoboBraille löst ein
universelles Problem: Es macht elektronische Texte für visuell
beeinträchtigte Menschen einfach und schnell zugänglich und hilft
auch Personen mit Lese-/Schreibschwäche. Durch das Angebot in
verschiedenen Sprachen (Dänisch, Englisch, Französisch usw.) wird der
Zugang zu Information und Bildung wesentlich erleichtert und ein
wichtiger Beitrag zur Überwindung der digitalen Kluft (Digital
Divide) geleistet. Für nicht-kommerzielle Anwender ist der
RoboBraille-Service kostenlos.
Bei der HILFSGEMEINSCHAFT der Blinden und Sehschwachen Österreichs
hat man das Potenzial des internationalen Projektes RoboBraille rasch
erkannt. 2009 erfolgte der Beitritt zum RoboBraille-Konsortium. Dank
der Projektförderung der Internet Privatstiftung Austria (IPA) im
Rahmen der "Netidee" konnte der Service für visuell beeinträchtigte
Menschen im deutschen Sprachraum bereits heuer implementiert werden.
Dazu Sabine Fleischmann vom Förderungsbeirat der IPA: "Die Netidee
ist eine Initiative der Internet Foundation Austria. Ziel ist die
Förderung von Projekten, welche die Internet-Nutzung in Österreich
quantitativ und qualitativ weiter entwickeln. Der Schwerpunkt in den
letzten zwei Jahren lag auf Projektideen, die helfen, den Digital
Divide weiter zu schließen. RoboBraille entspricht ganz unseren
Kriterien, deswegen hat die Netidee dieses äußerst nützliche Projekt
sehr gerne unterstützt."
Funktionen RoboBraille-Deutsch
Folgende Funktionen wurden in den deutschsprachigen
RoboBraille-Service www.robobraille.at integriert (die
Braille-Konvertierung wird zur Zeit noch implementiert):
- Konvertierung von elektronischen Dokumenten in deutsche synthetische Sprache (MP3-Files, DAISY - Digital Accessible Information System = strukturierte Hörbücher) - Konvertierung von elektronischen Dokumenten in Braille - Konvertierung von unzugänglichen PDF- oder Bild-Dateien (.tif oder .gif) in folgende Formate: Text (.txt), PDF (.pdf), Rich Text-Format (.rtf)
Bereits jetzt kann der deutschsprachige Service genutzt werden,
indem eine E-Mail mit einem beigefügtem Dokument (z. B. Text-Datei,
Word-File) an [email protected] geschickt wird. Innerhalb
kürzester Zeit kommt ein Link zur konvertierten Audiodatei per Mail
retour.
Nutzungspotenzial und neue Zielgruppen
RoboBraille-User profitieren von dem kostenlosen Service in der
Schule, an ihrem Arbeitsplatz, im Studium oder in der Freizeit. "Ein
Großteil der Informationen ist fast ausschließlich in Form
elektronischer Dokumente verfügbar - seien es Berichte, Broschüren,
Stellungnahmen, aber auch Presseunterlagen, Folder, Einladungen etc.
Diese Informationen sind allen BenutzerInnen zugänglich zu machen.
Nicht nur Menschen mit visuellen Behinderungen profitieren von
alternativen Formaten. Auch Menschen mit Lern- oder
Leseschwierigkeiten, Menschen mit nicht-deutscher Muttersprache
profitieren vom gesprochenen Wort", weist Edith Vosta, im
Bundeskanzleramt verantwortlich für die Internet-Koordination, auf
das enorme Potenzial von RoboBraille hin.
Einen weiteren Nutzen sieht Robert Lender, Referent für
Partizipation, Prävention und Informationsgesellschaft (e-Inclusion)
der Abteilung Jugendpolitik im BMWFJ: "RoboBraille ist ein guter
Ansatz, um behinderte Jugendliche auch in Freizeitaktivitäten zu
integrieren. Denn es verschafft Jugendorganisationen, Jugendzentren
und anderen Initiativen die Möglichkeit - mit wenig Ressourcen -
adäquate Informationen anzubieten und damit aktiv auf die
Jugendlichen zuzugehen. Das volle Potenzial wird aber sicherlich erst
ersichtlich, wenn man Jugendliche kreativ mit RoboBraille arbeiten
lässt", ist Lender überzeugt.
Entwicklung aus Dänemark
RoboBraille wurde 2004 vom Dänischen Zentrum für sehbehinderte und
blinde Kinder und Jugendliche (Synscenter Refsnaes) und Sensus ApS,
ein auf barrierefreie IT-Lösungen spezialisiertes
Beratungsunternehmen, entwickelt. Mit Hilfe von EU-Förderungen wurde
der Service erweitert und ist derzeit in unterschiedlichen
Ausbaustufen in zwölf Sprachen verfügbar, darunter Englisch,
Französisch, Griechisch, Italienisch, Litauisch und Portugiesisch.
Seit August 2004 wurden mehr als zwei Millionen Anfragen an den
RoboBraille-Server registriert, durchschnittlich waren es 1.000 bis
2.000 täglich.
Folgeprojekt MathInBraille
Die RoboBraille-Projektkoordinatoren der HILFSGEMEINSCHAFT,
Daniele Marano und Klaus Höckner, sind mit den bisherigen Ergebnissen
sehr zufrieden. Sie arbeiten bereits am Folgeprojekt MathInBraille,
das in Kooperation mit dem Institut Integriert Studieren der Johannes
Kepler Universität Linz umgesetzt wird. Ziel ist die Entwicklung
einer Open-Source-Software, die mathematische Inhalte für visuell
beeinträchtigte Menschen zugänglich machen soll.
Bernhard Stöger von der Uni Linz weiß aus eigener Erfahrung,
welche Schwierigkeiten blinde Menschen beim Lesen von Formeln haben:
"MathInBraille wird den Digital Divide vermindern. Geplant ist die
Konvertierung von Dokumenten die mathematische Formeln enthalten, in
Audiofiles und Braille. Diese Erweiterung von RoboBraille ist
besonders für SchülerInnen und StudentInnen interessant, jedoch auch
für blinde oder sehbehinderte Menschen, die sich mit
wissenschaftlicher Literatur beschäftigen."
Auch dieses Projekt wird von der Internet Foundation Austria
unterstützt.
Eine ausführliche Projektbeschreibung als Word-File oder als
Audioversion sowie druckfähige Fotos gibt es unter
http://www.hilfsgemeinschaft.at/index.php?id=116#c1648
Rückfragehinweis:
Mag. Dr. Gabriele Frisch, Tel. 01/330 35 45-81
[email protected]
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