Apothekengesetz in Deutschland treibt seltsame Blüten

Kleinapotheken sterben aus, weite Landstriche sind dann unversorgt. Ähnliches oder sogar noch Schlimmeres könnte in Österreich drohen!

Wien (OTS) - In Deutschland gibt es mittlerweile mehr Apothekenschließungen als Neueröffnungen. "Bereits etwa 700.000 Bundesbürger müssen zwischen fünf und 16 Kilometer bis zur nächsten öffentlichen Apotheke fahren, um ihre Medikamente zu bekommen", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer. "Ich sehe durch unsere Apothekengesetzgebung ein ähnliches Szenario auf Niederösterreich zukommen. Der Wegfall von unzähligen ärztlichen Hausapotheken - ohne dass neue öffentliche Apotheken entstehen - wird in weiten Teilen für eine Verschlechterung der Versorgung mit rezeptpflichtigen Medikamenten führen."
Bemerkenswert ist der Lösungsansatz, der in Deutschland eingeführt wurde. Der Patient besucht so genannte CoBoxen, in denen er eine Verbindung mit dem Apotheker herstellt und sein Rezept übermittelt. Das Medikament wird ihm dann am Folgetag überliefert. "Der Patient bekommt so nach grotesken Umwegen und einem enormen technischen Mehraufwand um einen Tag verspätet sein dringend benötigtes Medikament, und zwar exakt auf Anweisung des behandelnden Arztes. Genau das hätte er schon unmittelbar beim Arzt bekommen können, wo das Medikament auf den Patienten abgestimmt wurde und wo der Patient über Verhaltensregeln, Neben- und Wechselwirkungen aufgeklärt wurde. Wer als Unbeteiligter diesen so genannten "Fortschritt" beurteilen muss, kann eigentlich nur darauf kommen, dass es sich um einen Witz oder einen Schildbürgerstreich handeln muss", so Präsident Dr. Reisner.

Zwitl.: Durch Kleinapotheken wird die ärztliche Versorgung am Land gefährdet

Zum Lachen ist dem Medikamentenreferenten der NÖ Ärztekammer, Dr. Wolfgang Geppert in diesem Zusammenhang jedoch nicht zumute. "Aus Deutschland hören wir, das Kleinapotheken zusperren, weil sie sich nicht rechnen. In Österreich gestattet das Gesetz einen Wildwuchs von neuen Kleinapotheken, die "strategisch" so aufgestellt werden, dass sie der Bevölkerung zwar nicht vom Nutzen sind, ärztliche Hausapotheken aber zum Schließen zwingen."
Der Dachverband der Österreichischen Ärztesteuerberater hat unlängst Zahlen veröffentlicht, wonach bei zwei Dritteln aller zu schließenden Hausapotheken auch der Fortbestand der dazugehörigen Arztpraxis akut gefährdet ist. "Das bedeutet, dass durch neue Kleinapotheken die ärztliche Versorgung in ländlichen Gebieten zum Aussterben verurteilt ist. Wenn diese Apotheker dann feststellen, dass sich der Apothekenbetrieb am Land doch nicht rechnet und sie zusperren müssen, ist die Bevölkerung aus medizinischer Sicht komplett ohne Versorgung, denn es gibt dann auch keine Ärztinnen und Ärzte mehr, die bis zum Zeitpunkt der Apothekeneröffnung die medizinische Versorgung gewährleistet haben", so Dr. Geppert

Zwitl.: Politik muss Missstände beseitigen

Aus Sicht von Präsident Dr. Reisner ist es daher dringend notwendig, dass die einschlägigen Gesetze dringend in Bezug auf ihre medizinische Sinnhaftigkeit und auch in Bezug auf das Ökonomiegebot überarbeitet werden. "In kaum einem Gesetz erkennt man so viele sinnentleerte Details wie im Apothekengesetz. Die dann auch regelmäßig dazu führen, dass man sich auf österreichische Art mit dem Gesetz arrangiert und grenzlegale oder illegale Ausweichlösungen praktiziert und duldet."
Dies ist jedoch aus Sicht von Präsident Dr. Reisner nicht der richtige Weg. "Gesetze müssen auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger abgestimmt sein und nicht dem Diktat irgendwelcher Interessenvertretungen folgen. Und die Gesetze müssen selbstverständlich eingehalten werden. Für mich ist es absehbar, dass durch die aktuelle Apothekengesetzgebung möglicherweise hunderttausende Bürgerinnen und Bürger in Niederösterreich in naher Zukunft ohne wohnortnahe ärztliche Versorgung dastehen. Ich erwarte daher von der Politik, dass sie solche Missstände erkennt, ernst nimmt und notwendige Gesetzesänderungen in die Wege leitet", so Präsident Dr. Reisner abschließend.

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