- 13.10.2010, 09:02:47
- /
- OTS0025 OTW0025
Apothekengesetz in Deutschland treibt seltsame Blüten
Kleinapotheken sterben aus, weite Landstriche sind dann unversorgt. Ähnliches oder sogar noch Schlimmeres könnte in Österreich drohen!
Wien (OTS) - In Deutschland gibt es mittlerweile mehr
Apothekenschließungen als Neueröffnungen. "Bereits etwa 700.000
Bundesbürger müssen zwischen fünf und 16 Kilometer bis zur nächsten
öffentlichen Apotheke fahren, um ihre Medikamente zu bekommen", so
Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer. "Ich sehe durch
unsere Apothekengesetzgebung ein ähnliches Szenario auf
Niederösterreich zukommen. Der Wegfall von unzähligen ärztlichen
Hausapotheken - ohne dass neue öffentliche Apotheken entstehen - wird
in weiten Teilen für eine Verschlechterung der Versorgung mit
rezeptpflichtigen Medikamenten führen."
Bemerkenswert ist der Lösungsansatz, der in Deutschland eingeführt
wurde. Der Patient besucht so genannte CoBoxen, in denen er eine
Verbindung mit dem Apotheker herstellt und sein Rezept übermittelt.
Das Medikament wird ihm dann am Folgetag überliefert. "Der Patient
bekommt so nach grotesken Umwegen und einem enormen technischen
Mehraufwand um einen Tag verspätet sein dringend benötigtes
Medikament, und zwar exakt auf Anweisung des behandelnden Arztes.
Genau das hätte er schon unmittelbar beim Arzt bekommen können, wo
das Medikament auf den Patienten abgestimmt wurde und wo der Patient
über Verhaltensregeln, Neben- und Wechselwirkungen aufgeklärt wurde.
Wer als Unbeteiligter diesen so genannten "Fortschritt" beurteilen
muss, kann eigentlich nur darauf kommen, dass es sich um einen Witz
oder einen Schildbürgerstreich handeln muss", so Präsident Dr.
Reisner.
Zwitl.: Durch Kleinapotheken wird die ärztliche Versorgung am Land
gefährdet
Zum Lachen ist dem Medikamentenreferenten der NÖ Ärztekammer, Dr.
Wolfgang Geppert in diesem Zusammenhang jedoch nicht zumute. "Aus
Deutschland hören wir, das Kleinapotheken zusperren, weil sie sich
nicht rechnen. In Österreich gestattet das Gesetz einen Wildwuchs von
neuen Kleinapotheken, die "strategisch" so aufgestellt werden, dass
sie der Bevölkerung zwar nicht vom Nutzen sind, ärztliche
Hausapotheken aber zum Schließen zwingen."
Der Dachverband der Österreichischen Ärztesteuerberater hat
unlängst Zahlen veröffentlicht, wonach bei zwei Dritteln aller zu
schließenden Hausapotheken auch der Fortbestand der dazugehörigen
Arztpraxis akut gefährdet ist. "Das bedeutet, dass durch neue
Kleinapotheken die ärztliche Versorgung in ländlichen Gebieten zum
Aussterben verurteilt ist. Wenn diese Apotheker dann feststellen,
dass sich der Apothekenbetrieb am Land doch nicht rechnet und sie
zusperren müssen, ist die Bevölkerung aus medizinischer Sicht
komplett ohne Versorgung, denn es gibt dann auch keine Ärztinnen und
Ärzte mehr, die bis zum Zeitpunkt der Apothekeneröffnung die
medizinische Versorgung gewährleistet haben", so Dr. Geppert
Zwitl.: Politik muss Missstände beseitigen
Aus Sicht von Präsident Dr. Reisner ist es daher dringend
notwendig, dass die einschlägigen Gesetze dringend in Bezug auf ihre
medizinische Sinnhaftigkeit und auch in Bezug auf das Ökonomiegebot
überarbeitet werden. "In kaum einem Gesetz erkennt man so viele
sinnentleerte Details wie im Apothekengesetz. Die dann auch
regelmäßig dazu führen, dass man sich auf österreichische Art mit dem
Gesetz arrangiert und grenzlegale oder illegale Ausweichlösungen
praktiziert und duldet."
Dies ist jedoch aus Sicht von Präsident Dr. Reisner nicht der
richtige Weg. "Gesetze müssen auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und
Bürger abgestimmt sein und nicht dem Diktat irgendwelcher
Interessenvertretungen folgen. Und die Gesetze müssen
selbstverständlich eingehalten werden. Für mich ist es absehbar, dass
durch die aktuelle Apothekengesetzgebung möglicherweise
hunderttausende Bürgerinnen und Bürger in Niederösterreich in naher
Zukunft ohne wohnortnahe ärztliche Versorgung dastehen. Ich erwarte
daher von der Politik, dass sie solche Missstände erkennt, ernst
nimmt und notwendige Gesetzesänderungen in die Wege leitet", so
Präsident Dr. Reisner abschließend.
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann
Tel.: 0664/144 98 94
mailto:presse@arztnoe.at
www.arztnoe.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AEN