"Kleine Zeitung" Kommentar: "Auch die "Zotteln" wollen zum Frieden beitragen" (Von Reinhold Dottolo)

Ausgabe vom 09.10.2010

Graz (OTS) - Es waren keine leeren Reden, die zu Beginn der
Feiern zum 90-jährigen Jubiläum der Kärntner Volksabstimmung geschwungen wurden. Wer angesichts der sich andeutenden Entspannung in der Ortstafelfrage ein rhetorisches Umschiffen der Klippen erwartet hatte, die einer Lösung entgegenstehen, wurde überrascht. Weder der für die slowenische Volksgruppe sprechende neue Obmann des Rates der Kärntner Slowenen, noch jene, die sich nach ihm zum großen Tag der Selbstbestimmung am 10. Oktober 1920 äußerten, vermieden Klartext.

Dennoch schien man am Ende nicht verhärtet, sondern optimistisch den Wappensaal des Landhauses zu verlassen. Inzko, hoher Repräsentant in Bosnien und Hoffnungsträger für eine vereinte Position der slowenischen Kärntner, schilderte eindrücklich, wie Versprechen nicht eingehalten wurden, die den Slowenen 1920 gemacht worden waren. Viele hatten bei der Volksabstimmung für den Verbleib bei Kärnten und Österreich gestimmt. Auch wenn Inzko im Detail zu viel wollte und den Bogen zeitlich überspannte -seine Feststellung, dass er angesichts einer verbesserten "Großwetterlage" für jede Lösung zur Verfügung stehe, die "mit Anstand" zustande komme, öffnete die Tür in die Zukunft weiter. Berührend auch seine Anmerkungen über das Kärntner Wesen, sei es mit slowenischem oder deutschem Hintergrund: Viele Kärntner litten unter Heimweh, selbst wenn sie daheim seien, und wären oft nur dann glücklich, wenn sie unglücklich sind.

Letzteres ließ sich bisher von der "Plattform Kärnten" vermuten, welche die eher beharrenden Kräfte vereint - vom Abwehrkämpfer bis zum Kameradschaftsbund. Es war die Überraschung des Tages, welch maßvolle, doch klare Worte deren Vertreter, der frühere sozialdemokratische Landeshauptmann-Stellvertreter, Rudolf Gallob, fand. Sein Verband bestehe nicht aus "Zotteln", die keine Lösung wollten, meinte er. Es dürfe bei dieser aber keiner sein Gesicht verlieren.

Damit schloss er den Kreis zu den Vorgesprächen, die Inzko mit dem Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler vor Monaten geführt hatte. Damals wurde ausgegeben, es dürfe im Ortstafelstreit keine Sieger und Verlierer geben. Es ist Dörfler anzurechnen, dass er erkennbar bemüht ist, diese Linie weiterzutragen. Als Landeshauptmann aller Kärntner, eben auch der slowenisch Sprechenden, trägt er hohe Verantwortung für den Weg in die Zukunft. Auch wenn auf diesem weniger Steine liegen als früher: Die Stolpergefahr ist nicht gebannt.****

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