- 04.10.2010, 09:51:22
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Sparen bei Medikamenten ist möglich, aber mit anderen Ansätzen
Das Salzburger Modell ist nach Ansicht von Ärztekammerpräsident Dr. Reisner berufsrechtlich problematisch
Wien (OTS) - Mit großer Sorge reagiert Dr. Christoph Reisner,
Präsident der NÖ Ärztekammer auf die Diskussion rund um billigere
Medikamentenkosten auf Basis des so genannten Salzburger Modells:
"Bei diesem Ansatz handelt es sich wieder einmal um versteckte
Rationierung zu Ungunsten der Patientinnen und Patienten auf dem
Rücken der Ärztinnen und Ärzte", so der Ärztekammerpräsident.
"Wir Ärztinnen und Ärzte unterliegen einem Berufsrecht, wonach wir
verpflichtet sind, nach den Regeln der ärztlichen Heilkunst zu
behandeln", so Präsident Dr. Reisner weiter. "Wenn ein Arzt der
Meinung ist, einem Patienten würde ein bestimmtes Medikament helfen,
macht er sich sogar strafbar wenn er ihm ein anderes gibt, von dem er
weiß, dass es nicht so gut wirkt." Für Präsident Dr. Reisner ist es
daher evident, dass dieses Modell nicht mit dem Ärztegesetz vereinbar
oder zumindest berufsrechtlich als problematisch zu sehen ist.
Zwitl.: Kostenverantwortung wird ohne Rücksicht auf medizinische
Verantwortung übertragen
Auch der Medikamentenreferent der NÖ Ärztekammer Dr. Wolfgang
Geppert schließt sich dieser Meinung an: "Wenn verschiedene
Medikamente wirklich gleich wären, sollte es doch aus Sicht der
Sozialversicherungsträger kein Problem sein, sich auf ein einziges
Medikament, beispielsweise das billigste einer Auswahl zu
beschränken. Und nicht wirklich alle Medikamente einer
Wirkstoffgruppe zuzulassen. Tatsache ist, dass es innerhalb einer
Wirkstoffgruppe sehr wohl Unterschiede gibt. Wer das ignoriert, nimmt
die moderne Medizin nicht ernst."
Mit dem Salzburger Modell wird den Ärztinnen und Ärzten daher eine
Kostenverantwortung übertragen, ohne auf die medizinische
Verantwortung der Ärztinnen und Ärzte gegenüber den Patientinnen und
Patienten zu achten. Das kann aus Sicht von Dr. Geppert nicht
akzeptiert werden. "Sparen im Bereich der Medizin und auch der
Medikamente ist möglich. Aber das Salzburger Modell ist sicherlich
der falsche Ansatz."
Zwitl.: Wenn die Politik weniger Geld in die Hand nehmen will, soll
sie es sagen
Das Salzburger Modell ist wieder einmal ein Versuch der
Verwaltungsbeamten, Geld an den falschen Stellen einzusparen und die
Verantwortung dafür Unbeteiligten zuzuschieben. "Wenn die Politik
weniger Geld in die Hand nehmen will soll sie es sagen", so Präsident
Dr. Reisner. "Die primäre Aufgabe der Ärzteschaft ist es jedenfalls,
die Patientinnen und Patienten nach den Regeln der ärztlichen
Heilkunst zu behandeln." Natürlich kann und wird auch der einzelne
Arzt auf das längst bestehende Ökonomiegebot achten. Aber die
Ärzteschaft in Sachen Verschreibung unter Druck zu setzen, wodurch
möglicherweise Fehler entstehen, ist aus Sicht von Präsident Dr.
Reisner der falsche Ansatz.
"Die Entscheidung, welche Medikamente vom öffentlichen System
bezahlt werden, muss an oberster Stelle fallen. Und die Politiker
sollten diese Verantwortung gegenüber der Wählerschaft auch
übernehmen. Den Politikern fehlt jedoch der Mut, wirklich
Entscheidungen zu treffen. Wenn es tatsächlich politischer Wille ist,
dass nur das billigste Medikament verschrieben werden soll, dann
dürfen alle anderen nicht zugelassen werden, oder sollten aus der
grünen oder gelben Box genommen werden. Den Ärztinnen und Ärzten erst
eine breite Palette an Auswahl zu bieten, diese dann bei der
Verschreibung berufsrechtlich problematisch wieder drastisch
einzuschränken ist aus meiner Sicht sicherlich der falsche Weg",
fasst Präsident Dr. Reisner zusammen.
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann
Tel.: 0664/144 98 94
mailto:[email protected]
www.arztnoe.at
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