- 01.10.2010, 20:18:06
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Migranten fordern und fördern: Mit klaren Spielregeln und Bildungsangeboten
Integrationspolitik in Europa - wo steht Wien? - Diskussion mit ÖAAB-Bundesobmann Außenminister Dr. Michael Spindelegger und ÖAAB-Landesobmann Klubchef Dr. Matthias Tschirf
Wien (OTS) - Die Zusammenhänge von Bildung, Integration und
Arbeitsmarkt diskutierten Außenminister ÖAAB-Obmann Dr. Michael
Spindelegger und der Wiener ÖVP Klubchef und ÖAAB Landesobmann Dr.
Matthias Tschirf im Rahmen einer ÖAAB-Veranstaltung in der Urania am
Donnerstag, den 30. September 2010. Unter der Moderation von Dr.
Angela Pariasek-Pichler forderten die Diskutanten von der Stadt Wien
ein umfassendes Integrationskonzept, das sowohl konkrete Maßnahmen im
Bildungs-, Gesundheits- und Wohnbereich aufzeige wie auch Konzepte
für Stadtentwicklung und Arbeitsmarktpolitik enthalten müsse. Obwohl
in Wien jeder Dritte nicht-österreichischer Herkunft ist, sei das
Rote Wien hier seit langem säumig.
= Proaktives System der Zuwanderung =
Die ÖVP zeige in ihrem Wahlkampf, wie das Thema Integration seriös
und kompakt anzusprechen sei, erläuterte Klubobmann und
ÖAAB-Landesobmann Dr. Tschirf. "Wir brauchen Zuwanderung, wir
brauchen qualifizierte Fachkräfte, und die sollten wir selbst
aussuchen." Qualifizierte Zuwanderer seien sehr willkommen, müssten
sich aber an die Spielregeln halten, fügte Außenminister
ÖAAB-Bundesobmann Dr. Spindelegger hinzu: "Sprache ist nun mal der
Schlüssel zu Integration. Wir brauchen deshalb handfeste
Integrationsvereinbarungen, die sowohl die Teilnahme an Deutschkursen
mit einbeziehen wie auch ein Anerkennen unserer *Hausordnung*." Für
die Zukunft wünsche er sich ein System der Zuwanderung, das aktiv um
die besten Köpfe in ausgesuchten Ländern wirbt.
= Bildung erschließt Kompetenzen der Eingewanderten =
Integration dürfe nicht mit einer generellen Assimilation
gleichgesetzt werden, forderte Außenminister Spindelegger. Sowohl die
kulturelle Vielfalt als auch die interkulturelle Kompetenz vieler
Migranten seien ein großes Potenzial, das nicht ungenutzt bleiben
dürfe, um eine Teilhabe am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen
Leben zu erwirken.
Die entscheidende Schnittstelle in die Gesellschaft hinein stellt
dabei für Tschirf die Bildung dar. "Wir haben in Österreich seit
200-300 Jahren die Tradition, gesellschaftlichen Aufstieg über
Bildung zu erreichen." Dieser Ansatz sei durch das falsch verstandene
egalitäre Verständnis der SPÖ gebrochen worden. "Hier haben wir
akuten Handlungsbedarf", so Tschirf.
Aktuell sitzen allein in Wien rund 10.000 Kinder mit
Migrationshintergrund aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse als
"außerordentliche" Schülerinnen und Schüler im Unterricht. Das
derzeitige Schulsystem entlasse diese häufig ohne
Basisqualifikationen für das Berufsleben - die Folge: Zwei Drittel
der jugendlichen Arbeitslosen haben. "Dies ist ein klares
schulpolitisches Versagen der SPÖ, das den Lebensweg junger Menschen
entscheidend beeinflusst. Sie sind an Betriebe kaum zu vermitteln,
weil sie für eine Lehre kaum die Basisqualifikationen haben",
kritisiert Tschirf.
"Das können wir uns nicht leisten", so Außenminister Spindelegger.
"Es wäre eine Schande, wenn wir diese Talente, die die Kinder von
Einwanderern genauso haben wie unsere, verschleudern würden. Wir
brauchen in Österreich für die Zukunft bestausgebildetste Fachkräfte,
um im internationalen Wettbewerb, der immer härter wird, bestehen zu
können."
Als Lösung nannte er das Bildungskonzept des ÖAAB, nach welchem
Kinder zunächst im verpflichtenden letzten Kindergartenjahr
ausreichend Deutsch lernen sollen, um den Regelunterricht besuchen zu
können. "Kinder, die aufgrund mangelhafter Sprachkenntnisse dem
Unterricht dennoch nicht folgen können, müssen in einer eigenen
Vorbereitungsklasse mit intensivem Deutsch-Sprachunterricht gefördert
werden, statt immer wieder aus dem Regelunterricht herausgerissen zu
werden und im Klassenverband chancenlos mitgeschleift zu werden.",
postulierte Spindelegger.
= Rolle der Stadtentwicklung bei der Integration =
Eine scharfe Rüge erteilte Tschirf der Wiener SPÖ, die mit ihrer
Siedlungspolitik bewusst die Bildung von Ghettos in Kauf genommen und
so die Entwicklung von Parallelgesellschaften gefördert habe. Dabei
könnten durchdachte Stadtentwicklungsprojekte viel zur Integration
beitragen", betonte Tschirf. "Geförderte Renovierungen von
Gründerzeitbauten wären hier eine effektive Maßnahme. Denn
anspruchsvoller Wohnraum und höhere Mieten bewirken eine
Durchmischung der Bevölkerung und wirken so der Ghettoisierung
mancher Grätzel entgegen." Dadurch werde auch eine Revitalisierung
der Freizeit-, Kultur- und Gastronomieszene herbeigeführt.
= Religion und Integration =
Ein heißes Eisen diskutierten Spindelegger und Tschirf im Bereich
Religion und Toleranz. Die ÖVP nehme Grundfragen wie
Religionsfreiheit prinzipiell sehr ernst. "Jeder muss seine und ihre
Religion ausüben dürfen. Das muss aber für Christen ebenso gelten wie
für Muslime. Das Abhängen von Kreuzen aus Klassenzimmern ist ein
Zeichen von Intoleranz dem Christentum gegenüber.", formulierte
Tschirf und betonte, dass Toleranz gegenüber anderen Kulturen und
Religionen nicht in Beliebigkeit münden dürfe. "Nur wenn ich einen
eigenen Standpunkt habe, kann ich auch tolerant sein. Wir müssen auch
unsere christlich-sozialen Werte verstärkt in die Gesellschaft
tragen."
Integration sei letztlich ein Geben und Nehmen, resümierte
Spindelegger. "Wir brauchen eine klare Balance von Rechten und
Pflichten. Den Erwartungen und Ansprüchen der Migranten müssen klare
Vorgaben wie Deutschkenntnisse und das Anerkennen unserer
*Hausordnung* gegenüber stehen. Im Gegenzug erhalten sie hier
großartige Chancen und Freiräume zur Lebensgestaltung."
Rückfragehinweis:
Gabriele Fügenschuh ÖAAB Wien - Pressestelle Tel.: 01/40 143 -230 Mobil: 0676 / 510 6 580 [email protected] www.oeaab-wien.at
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