- 30.09.2010, 13:31:59
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AHS-Scholik zu Leistungsgruppen: Bildungsforscher Eder verleugnet eigene Studie
Eders Evaluation von 2002 spricht klar für Leistungsdifferenzierung
Wien (OTS) - Mit großem Erstaunen nimmt die Vorsitzende der
AHS-Gewerkschaft Eva Scholik die jüngsten Aussagen des Salzburger
Bildungswissenschaftlers Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Eder im STANDARD
vom 28.9.2010 zur Kenntnis. Eder bezeichnete dort die Forderung nach
Leistungsgruppen wörtlich als "Schwachsinn".
Diese bedauerlich unakademische Argumentation stehe nicht zuletzt
deshalb auf tönernen Beinen, weil Eder selbst in einer von ihm und
anderen Bildungsforschern veröffentlichten Studie (1) das krasse
Gegenteil feststellt, nämlich dass die Abschaffung der
Leistungsgruppen keine Vorteile für die SchülerInnen der dritten
Leistungsgruppe gebracht hat. Auszugsweise heißt es dort:
"Die Evaluationsuntersuchungen ergaben jedoch, dass SchülerInnen
vom Niveau der Leistungsgruppe III in leistungsheterogenen
Mittelschulklassen (Anm.: also ohne Leistungsgruppen) keine
günstigeren Ergebnisse hinsichtlich Lernerfolgen, Befindlichkeit und
Einschätzung des Klassenklimas aufwiesen als Schülerinnen der
Leistungsgruppe III von Regel-Hauptschulen - obwohl in den
Versuchsklassen sehr viel unternommen wurde, um sie durch
Teamteaching und Methoden eines schülerorientierten Unterrichts
besonders zu fördern."
Über den plötzlichen Sinneswandel Prof. Eders kann, so Scholik
weiter, nur spekuliert werden, auch wenn wohl kaum zu bezweifeln ist,
dass Eders aktuelle "Schwachsinn"-Argumentation den Wünschen von BM
Schmied sehr entgegenkommt.
Im Jahre 2002 stellten Eder et al. auch fest, dass in
Gesamtschulversuchen "trotz hohen Ressourceneinsatzes [...] keine
deutliche Verbesserung hinsichtlich fachlicher Lernerfolge,
Schülerbefindlichkeit und Klassenklima" festzustellen war.
"In Zeiten, in denen auf Weisung der Unterrichtsministerin an
hunderten AHS die gesetzlichen Vorschriften bezüglich
KlassenschülerInnenhöchstzahl gebrochen werden, ist es mehr als
unverständlich, dass Unsummen in sündteure Schulversuche gebuttert
werden, deren mangelnde Effektivität bereits 2002 wissenschaftlich
bewiesen wurde", so Scholik abschließend.
(1) Günther Grogger, Werner Specht, Erich Svecnik, Ferdinand Eder,
Gottfried Petri, Franz Rauch: Bilanzierung aller Schulversuche der
Sekundarstufe I - Metaanalyse vorliegender Evaluations- und
Erfahrungsberichte; Graz, Februar 2002; Seite 5f
Rückfragehinweis:
Mag. Christiane Bartoga
[email protected]
01/405 61 48
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